Aktivisten kippen Pferdemist vor CDU-Büros – Polizei ermittelt
Die Interventionistische Linke und das Bündnis Widersetzen haben am 15. Oktober vor CDU-Geschäftsstellen in mindestens acht Städten Pferdemist abgeladen. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Nötigung, Beleidigung und unangemeldeter Versammlung; Leipzigs CDU-Fraktionschef Weickert nennt die Aktion einen gezielten Einschüchterungsversuch.
In Leipzig haben Vermummte am Donnerstag mehrere Schubkarren Pferdemist vor der CDU-Kreisgeschäftsstelle in der Mädlerpassage ausgekippt. Die Polizei hat Ermittlungen wegen des Verdachts der Nötigung aufgenommen – und damit nicht allein: In mindestens acht Städten luden Aktivisten Mist vor CDU-Büros ab.
Zu dem bundesweiten Aktionstag am 15. Oktober aufgerufen hatten die „Interventionistische Linke“ (IL) und das Bündnis „Widersetzen“. Betroffen waren mindestens acht Städte mit Aktionen vor CDU-Geschäftsstellen: Hamburg, Bremen, Leipzig, Berlin, Halle, Hannover, Nürnberg und Aschaffenburg. Nach IL-Angaben kamen Jena, Weimar und Heidelberg hinzu.
An den Büros brachten die Aktivisten Transparente und Plakate mit dem Spruch „Asche zu Asche – Staub zu Staub – Braune Scheiße zu brauner Scheiße“ an. In Leipzig hefteten sie das Plakat an die Tür der Kreisgeschäftsstelle; der Mist blieb im Eingangsbereich der Mädlerpassage liegen.
Polizei rückt in Bremen und Hamburg an
In der Bremer Altstadt fuhren Mitglieder von IL und „Widersetzen“ gegen 14.30 Uhr mehrere Schubkarren Mist vor dem CDU-Büro auf. Zurück blieben ein vier Meter breites Transparent und Flyer, die die Polizei sicherstellte; ein Reinigungsunternehmen räumte den Haufen weg. Ermittelt wird wegen einer unangemeldeten Versammlung.
Auch vor der Hamburger CDU-Landeszentrale am Leinpfad in Winterhude schütteten am Abend rund zehn Personen Pferdemist aus. Sie befestigten ein Transparent mit dem Vorwurf, die CDU mache „den Weg frei für Faschisten“. Die Polizei stellte die Personalien von zwei Teilnehmern fest und ermittelt wegen Beleidigung.
Die Interventionistische Linke wird vom Hamburger Verfassungsschutz und im Bundesverfassungsschutzbericht 2025 als gewaltorientiert linksextremistisch eingestuft. Als Ziel der Gruppe nennt der Bericht die Überwindung des demokratischen Rechtsstaats „mittels eines revolutionären Umsturzes“.
Michael Weickert, CDU-Fraktionschef im Leipziger Stadtrat und Kandidat für das Oberbürgermeisteramt, wertet die Aktion als Angriff auf den demokratischen Wettbewerb. Seine Kreisgeschäftsstelle in der Mädlerpassage war eines der Ziele des Aktionstags.
„Das war kein Protest. Das war ein gezielter Einschüchterungsversuch gegen die CDU und gegen alle Menschen, die in diesem Haus arbeiten.“
Michael Weickert, CDU-Fraktionschef Leipzig und OB-Kandidat
Die Polizei ermittelt in mehreren Bundesländern: In Leipzig geht es um Nötigung, in Bremen um eine unangemeldete Versammlung, in Hamburg um Beleidigung. Verurteilt ist bislang niemand – es handelt sich durchweg um Ermittlungsverfahren. Ob die Verantwortlichen auch für die Reinigung aufkommen müssen, ist offen.
Auslöser ist die AfD in Sachsen-Anhalt
Auslöser ist die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt am 6. Oktober. Rausch erhielt 48 von 82 Stimmen, mindestens vier kamen aus anderen Fraktionen; die CDU-Fraktion bestreitet eine Unterstützung. Nach der Wahl fanden Demonstrationen für ein Verbotsverfahren gegen die AfD in mindestens neun Städten statt. Ob daraus Anklagen werden und ob weitere Aktionen folgen, ist offen.