Le Pen erklärt den Islam für vereinbar mit der Republik
Marine Le Pen erklärt im französischen Fernsehen, der Islam sei mit der Republik vereinbar – und verspricht Muslimen, die einen Weggang erwägen, sie seien Franzosen. Zugleich hält sie am Kopftuchverbot per Referendum fest.
46 Prozent der Muslime in Frankreich würden bei einem Sieg von Marine Le Pen einen Weggang prüfen. Diese Zahl einer Ifop-Umfrage hat die Rechtspopulistin am Donnerstagabend zu einer ungewöhnlichen Antwort getrieben.
In der Sendung „Objectif Élysée 2027“ bei CNews und Europe 1, moderiert von Laurence Ferrari, sagte die Fraktionsvorsitzende des Rassemblement National in der Nationalversammlung am 15. Oktober: „Ja, der Islam ist mit der Republik vereinbar, ich habe es zehnmal gesagt.“
Automatische Übersetzung · Französisch
Die Franzosen muslimischen Glaubens, die erwägen zu gehen, wenn ich gewählt werde, liegen falsch: es ist ihr Land, sie sind Franzosen.
Wir, wir sind nicht wie LFI: wir sind respektvoll gegenüber allen Franzosen. https://t.co/jV5fDETWCO
X · @MLP_officiel
An die Muslime, die einen Weggang erwägen, richtete sie: „Sie liegen falsch: Es ist ihr Land, auch sie sind Franzosen. Man hat nur ein Land.“ Sie versprach, „Präsidentin aller Franzosen“ zu sein.
Ihre Antwort an Muslime, die gehen wollen verband sie mit einem Seitenhieb auf das linke Lager: „Wir sind nicht wie La France insoumise: Wir respektieren alle Franzosen.“ Der Satz zielt auf die Mélenchon-Anhänger, von denen laut Umfrage 43 Prozent einen Weggang prüfen.
Die Umfrage, die den Ausschlag gab
Auslöser war eine Erhebung des Instituts Ifop für das Wochenmagazin Marianne unter 9.689 Befragten. Neben 46 Prozent der Muslime würden demnach 44 Prozent der Juden und 43 Prozent der Mélenchon-Wähler einen Weggang prüfen – über alle Franzosen hinweg sind es 21 Prozent. Die Zahlen stammen aus der Ifop-Umfrage im Auftrag von Marianne.
Die Erhebung zeichnet ein Bild der Verunsicherung: 80 Prozent der Muslime befürchten zunehmende Aggression und Diskriminierung. 27 Prozent von ihnen wollen sichtbare religiöse Zeichen wie den Hidschab einschränken.
Wer bei einem Sieg Le Pen einen Weggang prüfen würde
Anteil der Befragten in Prozent
Quelle: Ifop für Marianne, 9.689 Befragte, Oktober 2026
Die Grenze heißt Scharia
Zugleich zog Le Pen eine Grenze: „Was nicht mit der Republik vereinbar ist, ist die Scharia. Was nicht mit der Republik vereinbar ist, ist der islamistische Fundamentalismus.“ Wer diese Ideologie verbreite, werde sie „auf ihrem Weg finden“.
„Ich respektiere die Gewissens- und Religionsfreiheit außerordentlich. Was nicht mit der Republik vereinbar ist, ist die Scharia und der islamistische Fundamentalismus. Wer Anhänger des islamistischen Fundamentalismus ist und in Frankreich die Scharia durchsetzen will, wird mich auf seinem Weg finden.“
Marine Le Pen, Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National
Damit trennt sie zwischen Gläubigen und Anhängern des Fundamentalismus – und zieht diese Grenze im selben Atemzug wie das Werbeangebot an die Muslime.
Kopftuchverbot per Referendum
Beim Kopftuch bleibt sie hart. Das Verbot im öffentlichen Raum solle schrittweise kommen – zuerst an Universitäten, dann in Sportverbänden und öffentlichen Gebäuden. Über ein Gesetz gegen „totalitäre Ideologien“ will sie die Bevölkerung in einem Referendum abstimmen lassen.
Neben der Vereinbarkeits-Erklärung steht damit ein Satz, der viele Musliminnen direkt trifft. Auf die Frage nach dem Hidschab sagte Le Pen: „Ich werde ein Referendum abhalten. Ich halte den Schleier für Teil einer totalitären Ideologie.“
Ein Sieg, der Unsicherheit auslöst
Ifop-Politikchef François Kraus ordnet die Zahlen ein: Sie seien „nicht unerheblich, aber vielleicht weniger mit dem Lepénisme als solchem verbunden als mit der Instabilität, die ein Sieg des RN erzeugt“.
Le Pen liegt in allen veröffentlichten Wahlumfragen vorn. Entschieden wird die Präsidentschaftswahl am 2. Mai 2027. Einer Verurteilung wegen Veruntreuung von EU-Geldern zum Trotz kann sie antreten: Das Pariser Berufungsgericht bestätigte den Schuldspruch und kürzte die Sperre, Le Pen darf 2027 nur mit Fußfessel antreten.
Umfrage
Lädt
Ob das Werben ankommt, hängt an einer Zahl: 21 Prozent aller Franzosen und 46 Prozent der Muslime haben einer Umfrage zufolge schon über einen Weggang nachgedacht. Offen bleibt, ob das Bekenntnis reicht – das Kopftuchverbot und das geplante Referendum sind der Test für die Glaubwürdigkeit des Satzes, der Islam sei mit der Republik vereinbar.