Pascal Reddig fordert von Merz mehr Tempo bei der Rente
Die Junge Union verlangt von Kanzler Merz die Abschaffung der Rente mit 63 – und SPD wie ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten blockieren. JU-Vize Reddig wirft der CDU eine Glaubwürdigkeitskrise vor.
Die Junge Union fordert von Friedrich Merz die Abschaffung der Rente mit 63 – und greift dafür den eigenen Kanzler an. Pascal Reddig, stellvertretender Bundesvorsitzender des CDU-Nachwuchses und Vorsitzender der Jungen Gruppe in der Unionsfraktion, sagte im Podcast „Table.Today“:
„Wir brauchen mehr Tempo. Und wir müssen vor allem auch die Ergebnisse vollständig umsetzen, also auch die Rente mit 63.“
Pascal Reddig, Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union
Die 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission – darunter das Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und eine Kapitalrente – sollen nach Reddigs Willen vollständig umgesetzt werden. Dieselbe Richtung verfolgten zuvor schon 46 Ökonomen warnen.
Merz soll die Richtung vorgeben
Reddig verlangt mehr als Tempo. Die CDU stecke in einer „Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise“, sagte er, und forderte von Merz „eine Führung, die zeigt, wo es in den nächsten zehn oder 15 Jahren hingeht“.
Was folgt, ist eine Abrechnung mit dem eigenen Stil. Der Bericht über Reddigs Forderung nach einem Zukunftskonzept zitiert ihn so: „Wir waren als Union immer gut darin, irgendwelche Glaubenssätze vor uns herzutragen, aber wir müssen jetzt mal konkret werden.“ Für Merz heißt das: Ergebnisse vor Ankündigungen.
SPD und Ost-CDU blockieren
Der Vorstoß trifft die Koalition im empfindlichsten Punkt. SPD und mehrere ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten lehnen die Abschaffung ab: Michael Kretschmer, Mario Voigt und Sven Schulze wollen die abschlagsfreie Frühverrentung erhalten. Arbeitsminister Alexander Schweitzer (SPD) hatte den Schritt zuvor offen abgelehnt.
Reddig kennt die Fronten aus eigener Arbeit. Er hatte für die Union federführend in der Rentenkommission mitgearbeitet und zeigt sich offen für eine Härtefallregelung, warnt aber davor, Grundsatzfragen wieder aufzumachen. Kompromissbereitschaft bei der Rente mit 63 hatte zuvor Unionsfraktionschef Thorsten Frei signalisiert.
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Wie der Streit seit Juni eskalierte
Der Konflikt schwelt seit dem Sommer. Am 23. Juni übergab die Alterssicherungskommission unter Vorsitz von Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda im Kanzleramt ihre 33 Empfehlungen. Ein Arbeitsentwurf aus dem Arbeitsministerium wurde im September bekannt und vom Ressort als überholt bezeichnet; einen Referentenentwurf gibt es bis heute nicht.
Von den Empfehlungen bis zum Parteitag
23. Juni 2026
Kommission übergibt 33 Empfehlungen
Vorgeschlagen werden das Ende der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren und eine Kapitalrente.
11./12. Oktober 2026
CDU-Präsidiumsklausur in Berlin
Acht Ministerpräsidenten verlangen einen „überzeugenden Plan“ von Merz; der Rentenstreit mit der SPD bleibt ungelöst.
12. Oktober 2026
Arbeitsministerin Bas tritt zurück
Die SPD-Chefin gibt ihr Amt ab, einen Tag später wird Alexander Schweitzer als Nachfolger benannt.
13. Oktober 2026
Merz bekräftigt das Ende der Frühverrentung
Beim Deutschen Arbeitgebertag in Berlin fordert der Kanzler Tempo bei der Reform.
15. Oktober 2026
Reddig schaltet sich ein
Im Podcast „Table.Today“ spricht der JU-Vize von einer Glaubwürdigkeitskrise der CDU.
17. Oktober 2026
Merz sagt in Bonn Unterstützung zu
Der Kanzler erwartet einen Kabinettsbeschluss noch 2026, Winkel wird mit 94,3 Prozent wiedergewählt.
In Bonn sichert Merz Rückendeckung zu
Am Samstag trat Merz selbst vor die Delegierten des Deutschlandtags in Bonn. Er sagte der Jungen Union bei der Rentenreform Unterstützung zu und erwartet einen Kabinettsbeschluss noch in diesem Jahr, wie der Bericht über Merz' Auftritt beim Deutschlandtag festhält. An die Adresse des Nachwuchses gerichtet, sagte er:
„Ihr habt mich dabei an eurer Seite.“
Friedrich Merz, Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender
Auch JU-Chef Johannes Winkel, in Bonn mit 94,3 Prozent im Amt bestätigt, sprach von einer sehr ernsten Lage: „Die Union ist in einer sehr ernsten Lage, und das Land generell ist auch in einer sehr ernsten Lage, und deswegen ist der Zustand natürlich gerade kritisch, so ehrlich muss man sein.“
Ob Merz liefert, entscheidet sich nicht in Bonn, sondern im Kabinett. Er will das Rentenpaket noch 2026 beschließen lassen, die SPD will die Rente mit 63 erhalten, Reddig will Ergebnisse statt Ankündigungen. Die Junge Union hat rund 90.000 Mitglieder – und ihr Deutschlandtag läuft noch bis Sonntag.