Caritas-Präsidentin hält CDU-Brandmauer zur Linken für falsch
Die Caritas-Präsidentin und CDU-Frau Welskop-Deffaa will den Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linken kippen und warnt zugleich vor einer „AfD light“. Am selben Tag widerspricht Norbert Lammert: Dann stehe das Überleben der Union infrage.
Eva Maria Welskop-Deffaa fordert die CDU auf, ihren Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber der Linkspartei aufzugeben. Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes sagte der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ (Ausgabe 42/2026), sie halte den Beschluss „in seiner jetzigen Form für falsch“. Vorab berichtete BILD über Welskop-Deffaas Vorstoß zur Brandmauer.
Welskop-Deffaa, Mitglied der CDU, zieht eine scharfe Grenze zwischen AfD und Linker. Die AfD werde „in verschiedenen Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingeschätzt“ und agiere „vielerorts klar verfassungsfeindlich“. Die Linke halte sie trotz „unkluger“ Programmpunkte nicht für linksextrem und verfassungsfeindlich.
Vor einer Annäherung an die AfD warnt die Caritas-Präsidentin ausdrücklich. Wer deren Ton kopiere, um Wähler zurückzugewinnen, stärke damit die AfD statt sie zu schwächen, sagt sie:
„Manche hoffen, in einer gewissen AfD-light-Version Menschen zurückzugewinnen. Doch das funktioniert nicht, so macht man die AfD eher zusätzlich stark. Imitation schürt Ressentiments.“
Eva Maria Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes
Lammert warnt vor dem Ende der Union
Am selben Tag widersprach Norbert Lammert: Wer den Beschluss aufgebe, gefährde die „innere Konsistenz“ der Union, sagte der CDU-Politiker und frühere Bundestagspräsident. Lammerts Interview zur Zukunft der Brandmauer erschien in der ZEIT zeitgleich mit dem Vorstoß der Caritas-Präsidentin.
Lammert hält den Zeitpunkt für denkbar ungünstig: „Beinahe zu jedem anderen Zeitpunkt in den zurückliegenden Jahren“ sei eine Aufgabe eher vorstellbar gewesen als jetzt. Die AfD sei „immer radikaler geworden“, bei der Linken verdichte sich ausgerechnet in Berlin der Eindruck, eine Aufgabe wäre genauso wenig überzeugend. Wer die Abgrenzung aufgebe, mache Linke oder Rechte „zum Schiedsrichter der Zulässigkeit eigener Initiativen“.
„Was geschieht, wenn die CDU einen Grundsatz aufgibt, den sie in der Sache für erforderlich hält, aber um der Mehrheitsfähigkeit willen nicht mehr einhalten will? Dann stünde das Überleben der Union infrage.“
Norbert Lammert, CDU-Politiker und früherer Bundestagspräsident
Der Erdrutsch, der die Debatte auslöste
Auslöser der Debatte sind zwei Wahlen. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 kam die AfD auf 43,8 Prozent, die CDU nur auf 17,2 Prozent – für die Union ein Absturz auf den zweiten Platz.
Zwei Wochen später, am 20. September, gewann in Berlin die Linke mit 25,7 Prozent – nach 12,2 Prozent im Jahr 2023 und erstmals als stärkste Kraft. Spitzenkandidatin war Elif Eralp. Aus der AfD kommt bereits Holms Warnung vor einer Kooperation mit der Linken.
Die Ergebnisse, die den Streit auslösten
Stimmenanteile in Prozent
Quelle: Landtagswahl Sachsen-Anhalt (6.9.2026), Abgeordnetenhauswahl Berlin (20.9.2026, Vergleich 2023)
Lob für Eralp und ein alter Vorwurf
Welskop-Deffaa lobte die Berliner Linken-Spitzenkandidatin ausdrücklich: Eralp habe sich vernehmlich gegen Diskriminierung eingesetzt und Netzwerke gegen Rassismus gegründet. Zugleich beklagte die Caritas-Präsidentin eine ständige Hetze von Rechtspopulisten gegen Migrantinnen und Migranten.
Eralp selbst steht in der Kritik. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete Ende September, die Spitzenkandidatin sei bis 2025 Mitglied der „Roten Hilfe“ gewesen; die Linke erklärte den Austritt mit „teilweise anderen politischen Ansichten“.
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In Berlin sondieren Linke, SPD und Grüne seit dem 17. Oktober über eine mögliche Koalition; der Streit um Antisemitismus in der Berliner Linken läuft weiter. In der Union hat Lammert Rückhalt, etwa durch Schnieders Ruf nach Abgrenzung zu Linken und AfD. Offen bleibt, ob Welskop-Deffaas Vorstoß dort Gehör findet oder Lammerts Warnung das letzte Wort behält.