Rund 39.500 Elektroautos chinesischer Hersteller sind im dritten Quartal in Deutschland neu zugelassen worden – 168 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Kein anderes Herkunftsland legt in diesem Tempo zu.
Ihr Anteil an allen neu zugelassenen E-Autos hierzulande steigt damit auf 12,1 Prozent, nach 8,0 Prozent vor einem Jahr. Die Zahlen stammen aus der EY-Analyse zu Chinas E-Autos in Deutschland, die auf Zulassungsdaten beruht und am 17. Oktober veröffentlicht wurde. Autoren sind Christoph Kapalschinski und Klaus Geiger.
Der Volkswagen-Konzern bleibt mit 26.500 Elektro-Neuzulassungen der stärkste Konzern in Deutschland – wächst aber nur um 13 Prozent. Auf einen Autobauer mit vielen Marken kommen viele chinesische Hersteller, die zusammengerechnet schon mehr Fahrzeuge zulassen.
Der Platzhirsch wächst nur noch mit 13 Prozent
Für Volkswagen heißt das: Der Konzern bleibt die Nummer eins unter den einzelnen Anbietergruppen, doch in der Summe sind die chinesischen Hersteller bereits größer. Ihr Zuwachs fällt mehr als zwölfmal so hoch aus wie der des größten deutschen Autobauers.
Chinesische Hersteller und VW-Konzern im dritten Quartal 2026
Elektro-Neuzulassungen in Deutschland
Die 12,1 Prozent beziehen sich auf alle neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland, nicht auf den gesamten Pkw-Markt. Ein direkter Vergleich zwischen dem VW-Konzern mit seinen vielen Marken und der Summe aller chinesischen Hersteller ist deshalb nur eine Annäherung – aussagekräftig ist vor allem die Richtung.
Zwei Gruppen, zwei Wachstumsraten
Die EY-Analyse trennt zwei Gruppen: Genuin chinesische Marken verdreifachten ihre Zulassungen im Quartal, europäische Marken in chinesischem Besitz verdoppelten sie. Die zweite Gruppe wächst also langsamer – aber von einem anderen Ausgangsniveau aus.
Politisch ist die zweite Gruppe die heiklere. Ihre Marken haben europäische Wurzeln, ihre Eigentümer sitzen in China. Für die Zollpolitik macht das die Abgrenzung schwieriger – und für die Hersteller die Frage, ob sie als europäisch oder als chinesisch gelten.
Wie robust die chinesischen Anbieter trotz der europäischen Zölle sind, zeigt wie BYD den EU-Zöllen trotzt.
Brüssel setzt auf Zölle, Peking auf Hybride
Politisch steht die EU unter Führung von Deutschland und Frankreich hinter einer strengeren Regulierung chinesischer Autoimporte. Seit Oktober 2024 erhebt Brüssel Ausgleichszölle von 7,8 bis 35,3 Prozent zusätzlich zum zehnprozentigen Einfuhrzoll.
Sie treffen nur reine Elektroautos. Hybride blieben ausgenommen – und wurden damit für die chinesischen Hersteller zum bequemeren Weg auf den europäischen Markt.
Diesen Weg will Brüssel schließen. Am 10. Oktober berichteten mehrere Medien über eine Einigung von EU und China, die Hybrid-Importe auf 350.000 Fahrzeuge pro Jahr zu deckeln; danach sollen sie vier Jahre lang jährlich um sechs Prozent steigen dürfen.
Bei den reinen Elektroautos nähern sich beide Seiten erst an. Am 15. Oktober hieß es, die EU prüfe Mindestpreise als Ersatz für die Ausgleichszölle. Ein Ergebnis steht aus.
Von den Zöllen zur Hybridquote
- Oktober 2024EU führt Ausgleichszölle ein
7,8 bis 35,3 Prozent zusätzlich zum zehnprozentigen Einfuhrzoll auf in China gefertigte Elektroautos. Hybride bleiben ausgenommen.
- 10. Oktober 2026Deckel für Hybrid-Importe
Berichte über eine Einigung: 350.000 Fahrzeuge pro Jahr, danach vier Jahre lang jährlich plus sechs Prozent.
- 12. Oktober 2026Pariser Autosalon beginnt
16 chinesische Hersteller sind mit 25 Marken vertreten.
- 15. Oktober 2026Annäherung bei E-Auto-Zöllen
Die EU prüft Mindestpreise als Ersatz für die Ausgleichszölle.
- 17. Oktober 2026EY-Analyse veröffentlicht
Chinesische Hersteller kommen auf 12,1 Prozent der Elektro-Neuzulassungen in Deutschland, ein Plus von 168 Prozent.
In Paris treten 16 Hersteller mit 25 Marken an
Der Pariser Autosalon, der an diesem Wochenende endet, zeigt die andere Seite des Geschäfts: 16 chinesische Hersteller sind mit 25 Marken vertreten. Wo die chinesischen Autos aus Paris gebaut werden und warum Hybride dort so stark vertreten sind, lässt sich auf dem Salon besichtigen.
Offen ist, ob die 12,1 Prozent eine Ausnahme bleiben. In Brüssel wird über Mindestpreise entschieden, zwischen Brüssel und Peking über die Hybridquote – und damit darüber, wie viel Platz chinesische Marken im deutschen Markt künftig bekommen. Die nächste EY-Analyse zum vierten Quartal muss zeigen, ob das Plus von 168 Prozent eine einmalige Verschiebung war.
