Westliche Autohersteller verlagern Produktion – BYD trotzt EU-Zöllen
Der Anteil in China gefertigter Elektroautos in der EU sinkt auf 17 Prozent. Doch während Tesla, BMW und Volvo ihre Produktion nach Europa holen, verdoppeln chinesische Marken wie BYD ihre Exporte.
Zollschranken mit überraschender Wirkung
Die im Herbst 2024 eingeführten EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos drücken den Anteil der in China produzierten E-Fahrzeuge spürbar. Im ersten Quartal 2026 stammten nur noch 17 Prozent der in der EU verkauften batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) aus chinesischer Produktion, wie eine T&E-Analyse auf Basis von Daten von GlobalData zeigt. Der Höchststand von 22 Prozent aus dem Jahr 2024 ist damit Geschichte.
Der Rückgang hat jedoch einen unerwarteten Verursacher: Es sind vor allem westliche Hersteller, die ihre Fertigung aus China abziehen. Der Anteil europäischer Marken – darunter BMW, Volvo, Dacia und Smart – an den chinesischen BEV-Importen fiel drastisch von 38 Prozent im Jahr 2024 auf 23 Prozent im ersten Quartal 2026. „Der Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass westliche Marken weniger in China produzieren – und ergo weniger in die EU einführen“, heißt es in der Studie.
BYD verdoppelt Exporte, SAIC halbiert sie
Die von der EU verhängten differenzierten Zollsätze führen zu einem tief gespaltenen Feld unter den chinesischen Herstellern. SAIC, gegen das ein Gesamtzollsatz von 35 Prozent verhängt wurde, sieht seine BEV-Importe in die EU zwischen 2023 und 2025 fast halbiert. Ganz anders BYD: Der Konzern, der nur 17 Prozent Zoll zahlt, konnte seine Exporte in die EU mehr als verdoppeln und Marktanteile gewinnen.
T&E hält fest: „Chinese OEMs are responsive to tariffs but the EU’s different rates lead to different results.“ Insgesamt machen chinesische Automarken inzwischen mehr als die Hälfte aller aus China importierten BEV aus. Gleichzeitig bleiben chinesische E-Autos im europäischen Markt im Schnitt 21 Prozent günstiger als Modelle europäischer Hersteller.
Tesla verliert an Boden – Konzerne bauen in Europa
Besonders deutlich wird der Rückzug westlicher Marken bei Tesla. Der Anteil des US-Herstellers an den in China gefertigten E-Auto-Importen sank von 26 Prozent im Jahr 2024 auf nunmehr 19 Prozent. Zum Vergleich: 2021 hatte Teslas Anteil noch bei 55 Prozent gelegen. Die Produktionsverlagerung in die europäischen Werke zeigt Wirkung.
Seit EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen im September 2023 die Antisubventionsuntersuchung eröffnete, wurden zehn neue Produktionsstätten chinesischer Hersteller in Europa angekündigt. Deren lokale Kapazität dürfte bis 2035 auf 600.000 Einheiten steigen. Chinesische Firmen setzen zudem verstärkt auf Plug-in-Hybride (PHEV), deren Anteil an den China-Importen von 3 auf 13 Prozent kletterte.
Doch T&E warnt vor einem wachsenden Problem: Die Einfuhren chinesischer Batterien in die EU haben sich versiebenfacht, von rund 4 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf fast 30 Milliarden US-Dollar 2025. Die Zollfreiheit für Batterien mache Europa zu einem „Dumpingmarkt oder einer bloßen Montagefabrik“ für chinesische E-Fahrzeuge, kritisiert der Verband und fordert weitere handelspolitische Maßnahmen – einschließlich Zöllen auf Batterien (T&E-Studie).
Die T&E-Analyse macht deutlich: Die Zölle haben die europäische Autoindustrie nicht vor chinesischer Konkurrenz geschützt – sondern lediglich die Herkunft der Importeure verschoben. Offen bleibt, ob Brüssel mit einer zweiten Runde von Abgaben auf Batterien den Druck erhöhen wird.





