Steffen Bilger will E20 einführen, doch die Norm bremst
Steffen Bilger will E20 mit bis zu 20 Prozent Bioethanol an die Zapfsäulen bringen. Doch die Kraftstoffnorm deckelt bei zehn Prozent, die einzige E20-Tankstelle beliefert nur 85 Firmenwagen – und Umweltverbände halten den Biosprit für den falschen Weg.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will E20 an die Zapfsäulen bringen. Doch die Kraftstoffnorm erlaubt bislang höchstens zehn Volumenprozent Bioethanol. Bundesweit gibt es genau eine E20-Zapfsäule – in Mannheim, und sie ist nur für rund 85 Fahrzeuge von Südzucker, CropEnergies und Beneo zugänglich.
„Zurzeit setze ich mich mit meinem französischen Amtskollegen dafür ein, dass wir die Beimischung von Biokraftstoffen erhöhen. Da gäbe es beispielsweise E20 an den Zapfsäulen“, sagte Bilger der Augsburger Allgemeinen zum E20-Vorstoß. E20 steht für Ottokraftstoff mit bis zu 20 Prozent Bioethanol; bei E5 und E10 sind es maximal 5 beziehungsweise 10 Prozent.
Die Norm deckelt bei zehn Prozent
Die Norm DIN EN 228 lässt derzeit nur maximal 10 Volumenprozent Ethanol zu. Im Februar 2026 wurde mit DIN CEN/TS 18227 lediglich eine technische Spezifikation für E20 veröffentlicht – eine Verkaufszulassung ist damit nicht verbunden. Ohne geänderte Norm bleibt E20 ein Nischenprodukt, egal was der Minister ankündigt. Der ADAC fordert deshalb eine Anpassung der Norm.
Die bundesweit erste E20-Zapfsäule steht seit Oktober 2023 in Mannheim-Neuostheim. Betreiber ist die Oktan GmbH, das Angebot heißt „Super Eco 20“. Zugang haben nur die Flotten von Südzucker, CropEnergies, Beneo und Beneo Palatinit mit rund 85 Fahrzeugen – für normale Autofahrer ist die erste E20-Tankstelle Deutschlands nicht erreichbar.
Ethanolanteil je Kraftstoffsorte in Volumenprozent
E20 liegt doppelt so hoch wie die derzeit erlaubte Grenze
Quelle: DIN EN 228, DIN CEN/TS 18227
Der Literpreis sinkt, die Fahrtkosten nicht
Ethanol hat rund 30 Prozent weniger Energiegehalt pro Liter als Benzin. Der Verbrauch steigt deshalb grob um drei bis sechs Prozent – ein niedrigerer Literpreis bedeutet also nicht automatisch niedrigere Fahrtkosten. Der ADAC hält einen E20-Preis etwa auf E10-Niveau für plausibel. Der Druck an der Zapfsäule bleibt ohnehin hoch: Super E10 kostete trotz Tankrabatt wieder mehr, vier Tage nach dessen Start 2,137 Euro je Liter.
Technisch hält der AvD E20 für Fahrzeuge mit uneingeschränkter E10-Freigabe für sicher. Druck kommt auch aus dem Markt: Im Juli 2026 forderten en2x und der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft, die Angebotspflicht für Super E5 aufzuheben – und nannten E20 als mögliche zusätzliche Sorte.
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Kritik: Tank oder Teller
Umweltverbände kritisieren Biokraftstoffe seit Jahren, weil sie mit der Lebensmittelproduktion um Anbauflächen konkurrieren – das Argument „Tank und Teller“. Greenpeace nennt Biosprit „umweltpolitischen Unfug“. Der Kritik stellt Axel Niesing, Geschäftsführer von Anton Willer, die Praxiserfahrung entgegen:
„Wir würden eine Einführung sehr begrüßen. Viele Motoren vertragen E20 bereits, und ohne Änderungen in der Tankstelleninfrastruktur lassen sich erneut in erheblichem Umfang CO2-Mengen einsparen.“
Axel Niesing, Geschäftsführer von Anton Willer
Der Vorstoß fällt in eine Zeit, in der die Politik das Verbrenner-Aus bereits aufgeweicht hat. Am 16. Oktober verständigten sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darauf, das CO2-Ziel für Neuwagen ab 2035 von 100 auf 90 Prozent zu senken – ohne Ausgleich für die Restprozente, wie Merz und Macron das Verbrenner-Aus lockern. Merz sagte: „Das Verbrenner-Aus ist dann damit Geschichte.“ Bilger hatte den 2035-Beschluss stets für einen Fehler gehalten.
Ob E20 flächendeckend an die Zapfsäulen kommt, entscheidet sich in der Normung, nicht im Ministerium. Solange die DIN EN 228 nur zehn Volumenprozent zulässt, bleibt die Sorte ein Angebot für Flotten. Bilgers französischer Amtskollege müsste im selben Tempo mitziehen. Eine belastbare Zusage, ab wann E20 überall verfügbar sein soll, gibt es bislang nicht.