Rumänien schießt zwei Geran-Drohnen über dem Schwarzen Meer ab
Rumänische F-16 haben zwei Drohnen über dem Schwarzen Meer abgeschossen. Kurz zuvor waren zwei Tanker vor der rumänischen Küste von Angriffen betroffen.
Zwei F-16 der rumänischen Luftwaffe haben am Samstagabend zwei Kampfdrohnen über dem Schwarzen Meer abgeschossen – rund 20 Kilometer vor Sulina, über rumänischen Hoheitsgewässern. Die Jets waren um 17:43 Uhr vom Stützpunkt 86 in Borcea gestartet, nachdem das Radar eine Gruppe von Luftzielen etwa 120 Kilometer östlich der Schlangeninsel auf Südwestkurs geortet hatte.
Die erste Drohne drang um 17:59 Uhr in den nationalen Luftraum ein und wurde zwei Minuten später, um 18:01 Uhr, südöstlich von Sulina zerstört. Die zweite schossen die Piloten um 18:05 Uhr östlich der Hafenstadt ab, fünf Minuten nachdem sie rumänisches Gebiet erreicht hatte.
Beide Ziele wurden nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Bukarest über rumänischen Hoheitsgewässern vernichtet, im Seegebiet vor dem Donaudelta. Durch diese Zufahrten läuft die Schifffahrt zu den ukrainischen Donauhäfen.
Ein Luftpolizeieinsatz aus dem Bereitschaftsstand
Die beiden Maschinen hatten in Bereitschaft gestanden; das Ministerium sprach von einem Luftpolizeieinsatz. Schon in der Woche davor registrierten die Radarsysteme achtmal Luftziele im ukrainischen Luftraum nahe der rumänischen Grenze, in vier Fällen drangen Drohnen kurzzeitig nach Rumänien ein.
Rumänien ist EU- und Nato-Mitglied und teilt eine 614 Kilometer lange Grenze mit der Ukraine, die teils entlang der Donau verläuft. Seit dem russischen Überfall im Februar 2022 meldet das Land immer wieder Verletzungen seines Luftraums; in diesem Jahr begann es, solche Drohnen abzuschießen. Im September russische Drohnen lösten Alarm aus.
„Zwei Drohnen wurden vor wenigen Minuten von rumänischen Militärpiloten über dem Schwarzen Meer abgefangen und abgeschossen – kurz nachdem sie illegal in unser Gebiet eingedrungen waren.“
Radu Miruta, rumänischer Verteidigungsminister
Miruta bestätigte den Abschuss damit noch am selben Abend. Zur Herkunft der beiden Flugkörper sagte der Minister nichts, und auch das Ministerium nannte keinen Absender. Nach Angaben von Le Monde hatten Nato-Kräfte in diesem Jahr bereits vier Drohnen im rumänischen Luftraum abgeschossen; der Doppelabschuss vom Samstag ist der jüngste Fall.
Geran-Drohnen ohne Absender
Nach Angaben des Ministeriums handelte es sich um „Jet-Angriffsdrohnen aus der Geran-Familie“. Geran ist die russische Bezeichnung für die iranische Shahed-Drohne. Der Bericht über den Abschuss zweier Geran-Drohnen beschreibt die strahlgetriebene Variante als schneller und höher fliegend als die Propeller-Modelle; Russland setzt sie im Ukraine-Krieg zunehmend ein.
Der Südwestkurs der beiden Drohnen führte in Richtung rumänische Küste und in die seewärtigen Zufahrten zum Donaudelta. Wer sie gestartet hat, sagt in Bukarest niemand offiziell.
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Sieben Frachter in elf Tagen
Der Abschuss steht am Ende einer Woche, in der sich Angriffe auf Handelsschiffe im westlichen Schwarzen Meer häuften. Eine Zählung der Agentur APA für die vergangenen drei Monate kommt auf zehn Drohnenangriffe vor der rumänischen und der bulgarischen Küste – sechs in rumänischen, vier in bulgarischen Hoheitsgewässern. Drei Schiffe sanken, 13 Seeleute starben, 19 gelten als vermisst.
Am 14. Oktober geriet der Tanker „Yara J“ unter Flagge der Komoren 8 bis 10 Seemeilen südöstlich von Sulina in Brand – erstmals innerhalb rumänischer Hoheitsgewässer. Die Besatzung blieb unverletzt, das Schiff wurde in den Hafen von Constanta geschleppt; rumänische Stellen vermieden zunächst eine offizielle Bestätigung eines Drohnenangriffs.
Einen Tag später traf es den Tanker „Wine Trader“ unter Flagge von San Marino etwa 13 Seemeilen südöstlich von Sulina. Fünf der zwölf Besatzungsmitglieder wurden gerettet, sieben gelten als vermisst; starke Winde behinderten die Rettungsarbeiten. Angriffe auf Schiffe rücken näher an Nato-Gebiet.
Drohnentreffer auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer
Anzahl getroffener Schiffe je Tag, 5. bis 15. Oktober 2026
Quelle: APA-Zählung, Angaben der Behörden in Rumänien und Bulgarien
Brüssel berät, der Nato-Rat tagt
Rumäniens Staatspräsident Nicusor Dan sagte am Donnerstag am Rande des EU-Gipfels in Brüssel nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte, das Land brauche „Ausrüstung, um eine neue Art von Herausforderung zu bewältigen“.
Rutte kündigte an, das Bündnis werde eng mit den Verbündeten im Schwarzen Meer zusammenarbeiten und die Abschreckungs- und Verteidigungshaltung nach Bedarf anpassen. Der Europäische Rat nannte die Angriffe auf Schiffe nahe Bulgarien und Rumänien am Freitag „inakzeptabel“, ohne Russland verantwortlich zu nennen. Bulgarien und Rumänien wollen ein neues Nato-Hauptquartier für das Schwarze Meer vorschlagen.
Țoiu hatte den Abschuss zuvor auf X kommentiert und dabei die wirtschaftliche Bedeutung der Route betont: Das Schwarze Meer sei ein entscheidender Korridor für den Export von Getreide, Energieressourcen und Industriegütern, seine Stabilität damit wichtig für die internationale Ernährungs- und Energiesicherheit. Dass das Bündnis Drohnen inzwischen selbst abschießt, zeigt sich auch an anderen Flanken – Mitte September holten italienische Eurofighter den ersten Nato-Drohnenabschuss über Litauen. Der Nordatlantikrat befasst sich in einer Sondersitzung am Dienstag, 20. Oktober, mit der Lage. Ob Rumänien dort mehr Ausrüstung und eine dauerhafte Überwachung über dem Schwarzen Meer durchsetzt, entscheidet sich an diesem Tag.