348.509,07 Euro muss die Junge Union an den Bund zurückzahlen – die eigenen Kassen reichten dafür nicht. Für die Summe nahm der CDU-Nachwuchs ein verzinstes Darlehen bei der Mutterpartei auf: rund 300.000 Euro zu „marktüblichen Konditionen“.
Am Freitagabend des 16. Oktober legte Bundesschatzmeisterin Clara von Nathusius beim 78. Deutschlandtag in Bonn Rechenschaft ab. Auf der Tagesordnung standen der Bericht der Bundesschatzmeisterin, der Bericht der Rechnungsprüfer, die Aussprache – und die Entlastung des Bundesvorstandes.
Der Deutschlandtag fiel mitten in eine Debatte, die den Verband seit Tagen beschäftigte. Über die Unregelmäßigkeiten bei den Fördermitteln der Jungen Union war zuvor mehrfach berichtet worden. Am Abend trat die Schatzmeisterin selbst ans Rednerpult.
„Es wurden Fördermittel abgerufen, ohne dass dies durch die Beschlüsse des Bundesvorstands gedeckt war.“
1,2 Millionen Euro vom Familienministerium
2025 hatte die Junge Union nach Angaben des Bundesfamilienministeriums 1,2 Millionen Euro für politische Bildungsarbeit von Jugendorganisationen erhalten. Nach einem Bericht über die Rückzahlung und den CDU-Kredit musste der Verband 348.509,07 Euro davon zurückzahlen – JU und CDU bestätigten den Vorgang, nannten die Summe aber nicht.
Das Darlehen der CDU war nötig, weil die eigenen Kassen nicht reichten. Es ist verzinst und läuft zu marktüblichen Konditionen – damit finanziert die Mutterpartei einen Fehler in der Kasse ihres Nachwuchses, den der Verband zurückzahlen muss.
Von der Förderzusage bis zum Deutschlandtag
- 20251,2 Millionen Euro Fördermittel
Die Junge Union erhält nach Angaben des Bundesfamilienministeriums 1,2 Millionen Euro für politische Bildungsarbeit von Jugendorganisationen.
- Ende 2025Abruf ohne Beschluss
Nach Darstellung der Schatzmeisterin werden Fördermittel abgerufen, ohne dass Beschlüsse des Bundesvorstands dies decken.
- 14. Oktober 2026Rückzahlung wird öffentlich
Medien berichten über 348.509,07 Euro Rückzahlung und ein CDU-Darlehen von rund 300.000 Euro; JU und CDU bestätigen den Vorgang ohne Summe.
- 15. Oktober 2026Widerstand in den Landesverbänden
Die Bild-Zeitung berichtet über den parteiinternen Machtkampf um Nathusius.
- 16. Oktober 2026Rückzug und Rechenschaftsbericht
Nathusius erklärt, nicht mehr anzutreten, und räumt am Abend in Bonn den Fördermittelabruf ohne Beschluss ein.
- 18. Oktober 2026Deutschlandtag endet
Die finanziellen Lasten aus Rückzahlung und CDU-Darlehen bleiben beim Verband.
Keine Mehrheit in den Landesverbänden
Nathusius kandidierte nicht erneut für den Bundesvorstand. Mehrere einflussreiche Landesverbände hatten ihr nach Informationen der Bild-Zeitung signalisiert, dass sie keine Mehrheit bekommen würde. Am 16. Oktober erklärte sie vor Beginn des Deutschlandtags, bei der Neuwahl nicht anzutreten.
Sie war seit 2024 Bundesschatzmeisterin und hatte zuvor als Sprecherin von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Kanzleramt gearbeitet. Politisch positioniert war sie auch jenseits der Kasse: Am 13. Oktober hatte sie die Brandmauer zur AfD für gescheitert erklärt. Drei Tage später war sie selbst die Nachricht.
Was die Schatzmeisterin als Erfolg verbucht
In ihrem Bericht stellte Nathusius auch eigene Erfolge heraus: „Wir haben die Spendeneinnahmen der Jungen Union Deutschlands seit 2024 mehr als verdoppelt.“ Der Satz steht direkt neben dem Eingeständnis, dass bei den Fördermitteln ohne Rückendeckung des Bundesvorstands gehandelt wurde.
Intern war der Finanzvorgang nach Informationen der Bild-Zeitung bereits im Frühsommer 2026 bekannt. Öffentlich wurde er erst am 14. Oktober, als mehrere Medien über die Rückzahlung und den Kredit der CDU berichteten.
Nach Bekanntwerden schaltete die JU nach eigenen Angaben externe Wirtschaftsprüfer ein und änderte interne Abläufe. Strafrechtliche Vorwürfe stehen nach Verbandsangaben nicht im Raum. Zu Rückschlägen sagte sie in Bonn: „Keine einzige Reform in diesem Land ist entstanden, weil jemand Angst hatte, anzuecken.“
Rückhalt aus der Mutterpartei
Aus der CDU kam nicht nur Geld, sondern auch Rückendeckung. Wiebke Winter, CDU-Landesvorsitzende in Bremen, stellte sich hinter die scheidende Schatzmeisterin – und ließ den Finanzvorgang unerwähnt.
„Clara Nathusius macht sich jeden Tag für Generationengerechtigkeit stark – und ist mit ihrer Präsenz in den sozialen Medien eine wichtige Stimme für die Union. Ich bin mir sicher: Das wird sie bleiben.“
Für den Verband bleiben die Lasten dennoch stehen: Die Rückzahlung und das Darlehen bei der CDU verschwinden mit dem Ende des Deutschlandtags am 18. Oktober nicht. Zum Abschluss des Treffens wurde Johannes Winkel mit 94,3 Prozent als JU-Chef wiedergewählt – Winkels Wiederwahl mit 94,3 Prozent war der Gegenpunkt zur Kassenkrise.
Offen bleibt, wer die Nachfolge an der Kasse antritt. Die Entlastung des Bundesvorstands stand laut Tagesordnung auf dem Programm; wie die Delegierten darüber entschieden, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Belegt sind die Rückzahlung von 348.509,07 Euro und ein Darlehen der CDU von rund 300.000 Euro.
