„Yes, of course“, ja, natürlich, sagt Prinz Harry (42) auf die Frage, ob er den Bruch mit seinem Vater und seinem Bruder betrauere. Der Herzog von Sussex will die zerrüttete Beziehung zu König Charles III. (77) und Prinz William (44) reparieren – und sagt in dem am Dienstag veröffentlichten Interview auch, woran das aus seiner Sicht scheitert.
Im Zentrum steht ein Satz, der wie ein Seitenhieb klingt: Es gebe Leute, die nicht wollten, dass es klappt, sagt Harry – er wolle es. Mit allem, was sonst in der Welt los sei, sei Versöhnung das Wichtigste. Ein Sprecher der Sussexes beeilte sich, die Lesart zu korrigieren.
„Manche Leute wollen nicht, dass es klappt. Ich will, dass es klappt. Mit allem, was sonst in der Welt los ist, ist das Wichtigste, sich zu versöhnen – das ist der entscheidende Punkt.“
Der Sprecher stellte klar, das Interview sei bereits Ende September aufgezeichnet worden; der Veröffentlichungszeitpunkt sei allein die Entscheidung des Verlags gewesen. Die Bemerkung über „manche Leute“ sei „absolutely not intended as a swipe“ – nicht als Seitenhieb gegen William oder andere Familienmitglieder gemeint.
Anlass war eigentlich Harrys MasterClass-Kurs „Redefining Grief: Building Resilience Through Loss“, den er mit der Trauerforscherin Dr. Mary-Frances O’Connor entwickelt hat. Profit-Vorwürfe gegen Harrys Trauerkurs gab es trotzdem.
Eigentlich sollte es um Trauer gehen. „Narben bleiben für immer. Aber die eigene Wahrnehmung, die eigene Haltung zu dem, was passiert ist, loszulassen – das würde ich jedem empfehlen“, sagt Harry. Danach dreht sich das Gespräch fast nur noch um den Familienstreit.
Aufgenommen in New York, erschienen am Staatsbesuchstag
Aufgezeichnet wurde das Gespräch Ende September in New York, in den Redaktionsräumen von GQ im One World Trade Center, während Harry zur UN-Generalversammlung in der Stadt war. Interviewer war Zach Baron, die Reihe heißt „One More Question“ – das vollständige GQ-Interview mit Prinz Harry umfasst auch die Passagen zur Trauer.
Veröffentlicht wurde es am Dienstag, dem 20. Oktober. Am selben Tag empfingen Charles, Camilla (79), William und Kate den Sultan von Oman, Haitham bin Tarik Al Said, in Windsor zum Staatsbesuch; am Abend stand ein Staatsbankett in der St. George’s Hall an.
Ein Schlussstrich, den niemand zieht
Harry spricht seit Jahren von Versöhnung, neu ist der Ton. Über die Vergangenheit sagt er: „Es gab einige Kämpfe, die geführt wurden, notwendigerweise. Aber hoffentlich können wir alle einen Schlussstrich darunter ziehen.“
Über den an Krebs erkrankten Vater sagt er nur: „Es geht ihm besser.“ Über sich selbst: „Ich bin optimistisch. Ich bin hoffnungsvoll. Ich bin nicht naiv. Ich bin in der Vergangenheit naiv gewesen. Aber ich denke, es ist wichtig, optimistisch zu bleiben.“
Vom Megxit zur Rückkehr nach England
- Januar 2020Megxit
Harry und Meghan legen ihre royalen Aufgaben nieder und ziehen nach Kalifornien.
- März 2021Oprah-Interview
Schwere Vorwürfe gegen die Königsfamilie, darunter ein Rassismusvorwurf gegen ein nicht benanntes royales Mitglied.
- Januar 2023Autobiografie „Spare“
Harrys Buch vertieft den Bruch mit William.
- Mai 2025Versöhnungsangebot
Harry erklärt in einem BBC-Interview, er wolle sich mit seiner Familie versöhnen.
- Juli 2026Einladung nach Highgrove
König Charles lädt Harry, Meghan und die Enkel ein – ein Zeichen der Annäherung.
- August 2026Rückkehr nach Großbritannien
Die Sussexes ziehen in die Cotswolds; die Kinder wechseln auf eine britische Schule.
- September 2026Klarstellung des Palastes
Charles III. stellt schriftlich klar: Harry und Meghan bleiben Privatpersonen ohne Hoheitstitel.
Seit der Rückkehr soll Harry den König regelmäßig treffen. Ein Treffen mit William ist bislang nicht zustande gekommen – an dieser Lücke ändert das Interview nichts.
Privatpersonen ohne Hoheitszeichen
Die Rückkehr ist keine Rückkehr in die Firma. Anfang September stellte Charles III. schriftlich klar, dass Harry und Meghan Privatpersonen bleiben – ohne Anrede „Seine/Ihre Königliche Hoheit“ und ohne Rolle als arbeitende Royals.
Die Ablehnung einer royalen Rückkehr durch Charles und William war damit besiegelt, bevor Harry das Interview gab. In dem Gespräch geht es um die Familie, nicht um Titel.
Schule in England, Umzug ohne Plan
Der Umzug zurück nach Großbritannien Ende August, in die Region Cotswolds, war laut Harry „nicht etwas, das wir lange geplant haben“. Archie (7) und Lilibet (5) gehen seit September auf eine britische Schule.
„Die Kinder auf eine britische Schule zu bringen, bedeutet mir viel. Ich wusste nicht, wie wichtig mir das ist“, sagt Harry. Für ihn ist die Rückkehr damit zuerst eine Familienentscheidung – über den royalen Status ist damit nichts entschieden.
Was in Nottingham sichtbar wurde
Am 15. Oktober traten Harry und Meghan in Nottingham erstmals seit der Rückkehr gemeinsam öffentlich auf – fünf Tage bevor das Interview erschien. Der Auftritt zeigt die Sussexes als Paar, im Interview spricht Harry über seinen Wunsch nach Versöhnung mit Vater und Bruder.
Ruhig ist es um sie trotzdem nicht geworden. Die Royal-Kommentatorin Kinsey Schofield sagt: „Die Präsenz der Sussexes wird immer Lärm und Ablenkung erzeugen, und ich denke, die ersten Wochen haben genau gezeigt, warum die Königsfamilie besorgt bleibt.“
Ein Termin der Brüder ist bislang nicht zustande gekommen. Zurückgewiesen hat bislang nur das Lager der Sussexes die Deutung, Harrys Satz über „manche Leute“ sei ein Angriff auf William – ob der Bruder das genauso sieht, ist offen.
