Weidel nannte Höckes Rede rassistisch – heute hält sie ihn für ministertauglich
Bild: KI-generiert
AfD-Leak

Weidel nannte Höckes Rede rassistisch – heute hält sie ihn für ministertauglich

Geleakte Mails aus den Jahren 2015 bis 2017 zeigen Alice Weidel als scharfe Kritikerin Björn Höckes: Sie warf ihm rassische Argumentation vor und beantragte 2017 seinen Parteiausschluss. Heute nennt sie das Verfahren einen Fehler – und will sich zu den alten Sätzen nicht äußern.

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Eine interne Mail aus dem Jahr 2015 zeigt Alice Weidel als scharfe Kritikerin Björn Höckes: Sie warf ihm rassische Argumentation vor. Heute hält die AfD-Chefin den Thüringer für ein Ministeramt auf Bundesebene geeignet.

Anlass ist die WELT-Auswertung von Weidels Mails vom 23. Oktober 2026. Grundlage sind rund 421.000 Mails und 48.000 Dokumente aus dem AfD-Leak, die Hacker am 19. Oktober ins Netz stellten. Die AfD bestätigt den Angriff, die Echtheit der zitierten Inhalte bestreitet sie nicht grundsätzlich.

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„Hier wird rassisch argumentiert“

Am 12. Dezember 2015 kommentierte Weidel eine Rede Höckes, in der er vom „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp“ sprach. Was sie dazu an die Parteifreunde schrieb, war eine klare Absage:

„Das ist hochproblematisch, da hier rassisch argumentiert wird. Das ist grundfalsch. Und bitte nicht wieder das „so-war-das-aber-nicht-gemeint“. Ich kann das nicht mehr hören.“
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende

Wie mächtig Höckes Lager in der AfD schon damals war, zeigte sich im März 2017: Bei der Wahl der baden-württembergischen Landesspitze setzte sich der Höcke-Anhänger Ralf Özkara knapp gegen Weidel durch. Im Juni 2016 hatte sie zudem gewarnt, ein Scheitern Meuthens im Streit um Wolfgang Gedeon könne die Partei in eine „nicht mehr beherrschbare Richtung“ treiben.

„Blauer Bachmann-Zwilling“

Schon im Oktober 2015 hatte Weidel die Nähe der AfD zu Pegida und zur NPD kritisiert. In ihren Mails ist von einem „blauen Bachmann-Zwilling“ die Rede, gemeint war Pegida-Gründer Lutz Bachmann. Die Partei drohe im Westen das bürgerliche Lager zu verlieren, warnte sie.

Am 23. Dezember 2015 wurde sie noch deutlicher. Ihre Sorge galt der bürgerlichen Mitte, von der sie sich längst entfernt sah:

„Die bürgerliche ‚Mitte‘ wendet sich mit Grausen von uns ab, da die Grenzen weit nach rechts zur NPD mutwillig und mit voller Absicht verwischt werden.“
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende

„Wacht endlich auf“

Im Juli 2016, als der AfD ein neuer Verfassungsschutz-Bericht drohte, schrieb Weidel, das „Nervengift“ des Verfassungsschutzes entfalte Wirkung, weil die Partei sich nicht klar abgrenze. Gegenüber der eigenen Führung wurde sie drastisch:

„Unsere Großväter würden sich im Grab umdrehen, wenn sie sehen könnten, wie wir diese historische Chance durch mangelnde Entschlossenheit, Feigheit oder Bequemlichkeit in den Sand setzen.“
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende

Im Januar 2017 brachte Weidel nach Höckes Dresdner „Denkmal der Schande“-Rede den Parteiausschlussantrag gegen ihn in den Bundesvorstand ein, begleitet von den Worten „Wacht endlich auf“. Der Schritt passt zu dem Bild, das Parteifreunde von ihr haben – wie hart Alice Weidel mit eigenen Parteikollegen umgeht.

Heute ein Ministeramt für Höcke

Heute liest sich dieselbe Geschichte anders: Weidel nennt das Ausschlussverfahren gegen Höcke einen Fehler und hält ihn für ein Ministeramt auf Bundesebene geeignet. Beim Parteitag in Erfurt wollte Höcke die Unvereinbarkeitsliste aufweichen – der Höcke-Antrag zur Öffnung der AfD für Extremisten. Zu den Mails ließ ihr Sprecher mitteilen:

„Dazu wird sie sich aktuell nicht äußern.“
Alice Weidel, AfD-Bundesvorsitzende (via Sprecher)

Ob Weidel die Sätze von 2015 heute anders bewertet, ließ ihr Sprecher offen. Unbeantwortet ist damit auch, warum sie Höcke 2017 den Parteiausschluss beantragte und ihn heute für regierungsfähig hält.