Alice Weidel ist für ihre scharfen Fernsehauftritte bekannt – doch die Härte, mit der sie politische Gegner und Journalisten angeht, richtet sich offenbar auch gegen die eigene Partei. Eine Recherche der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) vom 12. Juli 2026 enthüllt, dass die Co-Vorsitzende ihre AfD-Kollegen mit Herablassung und Aggressivität behandelt. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ griff den Bericht umgehend auf.
Öffentlich gefeiert, intern gefürchtet
Öffentlich wird Weidel von Anhängern für ihre Schlagfertigkeit geschätzt, intern jedoch fürchten viele ihre schroffe Art. Die FAS befragte sowohl Kritiker als auch Unterstützer – und alle bestätigen: Weidel kann abkanzeln, runtermachen und Leute anschnauzen, selbst linientreue, fleißige Parteimitglieder.
Besonders brisant: Ein hochgestellter AfD-Politiker sah sich bereits gezwungen, sich bei einem Parteikollegen für Weidel zu entschuldigen – ohne dass sie selbst eingeweiht war. Die Geste blieb hilflos, weil Weidel keine Einsicht zeigte. In der Partei wird über solche Vorfälle „sehr ernst geredet, nicht mit einem Augenzwinkern wie über eine Marotte, sondern wie über ein folgenschweres Problem“.
„Ich muss mich für Frau Weidel entschuldigen. Das war hochgradig unanständig von ihr.“Anonymer AfD-Politiker
Selbst Unterstützer sehen Gefahr für die Partei
Selbst Weidel-Förderer befürchten laut FAS, dass ihr harscher Führungsstil der AfD schaden könnte, wenn er öffentlich wird. Ein Funktionär sagte, er bekäme wohl ein „blutendes Magengeschwür“, falls er für Weidel arbeiten müsste. Die Kritik an ihrer Person wächst mit ihrem Erfolg.
„Ich habe das Gefühl, es wird schlimmer. Je mehr sie erreicht, umso mehr glaubt sie sich erlauben zu können.“Anonymer AfD-Politiker
Weidels Zorn sei keine Show, sondern authentisch, betonen Kritiker: „Das ist keine einstudierte Geschichte. Das ist keine künstliche Empörung. Das ist sehr authentisch.“ Sie behandle selbst altgediente Fraktionsvorstände „wie eine Journalistin, die eine heikle Frage stellt“.
„Das ist keine einstudierte Geschichte. Das ist keine künstliche Empörung. Das ist sehr authentisch.“Anonymer AfD-Politiker
Chrupalla als Gegenbild – und der Machtkampf dahinter
Co-Chef Tino Chrupalla gilt parteiintern als zugängliches Gegenstück: stets erreichbar, hilfsbereit. Während sein Anruf Alltag ist, wird Weidels Kontakt als seltenes Ereignis wahrgenommen. Der „Spiegel“ kommentierte den schwelenden Machtkampf angesichts steigender Umfragewerte:
„Je näher die AfD der Macht kommt, desto weniger kann sie sich selbst ausstehen.“DER SPIEGEL
Beim Bundesparteitag Anfang Juli wurde Weidel mit deutlich mehr Stimmen als Chrupalla wiedergewählt – Spekulationen über eine Einzelspitze wies sie zurück. Eine Stellungnahme zu den internen Vorwürfen blieb sie jedoch schuldig.
Die AfD führt aktuell in Umfragen zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt (über 40 Prozent in Sachsen-Anhalt). Mit wachsenden Erfolgen könnte der interne Druck auf Weidel zunehmen – und die Frage drängender werden, wie lange die Partei zwei so gegensätzliche Führungsstile nebeneinander verkraftet.





