Vater und Tochter aus Leverkusen werden nach Sri Lanka abgeschoben
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Asylpolitik

Vater und Tochter aus Leverkusen werden nach Sri Lanka abgeschoben

Morgens um fünf holte die Ausländerbehörde die Familie Rouf in Opladen aus dem Schlaf, mittags saßen Vater und Tochter im Flugzeug nach Sri Lanka. Der 15-jährige Ruhaim erfuhr es per Sprachnachricht auf Klassenfahrt in Berlin. Am 2. November befasst sich der Stadtrat mit der Praxis des Ausländeramts.

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Am frühen Morgen des 16. Oktober hat die Leverkusener Ausländerbehörde die Familie Rouf in Opladen aus dem Schlaf geholt. Vater Mohamed Rouf und die 19-jährige Tochter Ramla wurden noch am selben Tag abgeschoben – über die Türkei ging es zurück nach Sri Lanka, in das Land, aus dem die Familie 2018 geflohen war.

Der 15-jährige Ruhaim war zu diesem Zeitpunkt auf Klassenfahrt in Berlin. Von der Abschiebung seines Vaters erfuhr er per Sprachnachricht. Er kam in Duisburg im Kirchenasyl unter; Mutter Chamsul Rouf und die drei jüngeren Geschwister durften vorerst in Deutschland bleiben.

Der Eilantrag scheitert an einer Formalie

Das Verwaltungsgericht Köln lehnte am Tag der Abschiebung einen Eilantrag gegen die Rückführung ab, unter anderem weil der Anwalt der Familie nicht ausreichend bevollmächtigt gewesen sei. Dass Gerichte solche Eilanträge zurückweisen, ist kein Einzelfall: In Berlin hat ein Verwaltungsgericht einer Familie die Rückkehr in die Notunterkunft verwehrt.

Die Familie lebt seit 2018 in Leverkusen-Opladen und gehört zur tamilisch-muslimischen Minderheit Sri Lankas; zwei der Kinder wurden in Deutschland geboren. Im Herbst 2025 entzog die Ausländerbehörde den Duldungsstatus, nachdem der Vater Pässe vorgelegt hatte. Seither trug die Familie nur noch eine Bescheinigung über den vorübergehenden Aufenthalt ohne amtliche Aufenthaltsdokumente.

Die Härtefallkommission des Landes Nordrhein-Westfalen hatte die Stadt zuvor ersucht, der Familie eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen. Ruhaim ist Klassensprecher an seiner Schule, er will den Realschulabschluss machen und eine Kochausbildung beginnen. Weder das Ersuchen noch seine Noten haben die Abschiebung am 16. Oktober verhindert.

Die Chronologie des Falls Rouf

  1. 2018
    Flucht nach Leverkusen

    Die tamilisch-muslimische Familie Rouf kommt aus Sri Lanka nach Deutschland und lässt sich in Opladen nieder. Die Asylanträge werden abgelehnt, Klagen bleiben erfolglos.

  2. Herbst 2025
    Duldungsstatus entzogen

    Nachdem der Vater Pässe vorgelegt hat, entzieht die Ausländerbehörde der Familie den Duldungsstatus.

  3. 2026
    Härtefallkommission ersucht die Stadt

    Die Härtefallkommission des Landes NRW bittet Leverkusen, der Familie eine Aufenthaltserlaubnis zu erteilen.

  4. 16. Oktober 2026
    Zugriff am frühen Morgen

    Mitarbeitende der Ausländerbehörde holen die Familie aus dem Schlaf. Mohamed und Ramla Rouf werden über die Türkei nach Sri Lanka abgeschoben, das Verwaltungsgericht Köln lehnt einen Eilantrag ab.

  5. 19. Oktober 2026
    Protest vor dem Rathaus

    Rund 150 bis 200 Menschen demonstrieren in Wiesdorf. Chamsul Rouf unterschreibt die verlangte freiwillige Ausreise nicht.

  6. 20. Oktober 2026
    Petitionsausschuss tagt

    Der Petitionsausschuss des NRW-Landtags befasst sich außerplanmäßig mit dem Fall.

  7. 23. Oktober 2026
    Abschiebestopp bis zur Ratssitzung

    Die Ausländerbehörde sagt zu, bis zur Sondersitzung des Stadtrats am 2. November keine weiteren Abschiebungen vorzunehmen.

Rund 150 Menschen vor dem Rathaus

Drei Tage später demonstrierten rund 150 bis 200 Menschen vor dem Rathaus Wiesdorf. Chamsul Rouf hatte an diesem Tag einen 45-minütigen Termin beim Leiter der Ausländerbehörde, Oliver Gäcke. Die geforderte freiwillige Ausreise unterschrieb sie nicht. Danach sagte sie: „Die behandeln mich wie eine Verbrecherin.“

Am 20. Oktober befasste sich der Petitionsausschuss des Landtags außerplanmäßig mit dem Fall; die Stadt vertrat der Beigeordnete Alexander Lünenbach. Er sagte, es gehe auch um die Frage, „wie der Staat mit Menschen umgeht, die über Jahre hier gelebt, Beziehungen aufgebaut, die Schule besucht haben“. NRW-Fluchtministerin Verena Schäffer (Grüne) erklärte, sie bewege das Schicksal der Familie sehr.

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Was Ruhaim nach der Abschiebung sagt

Am 22. Oktober endete das Kirchenasyl, Ruhaim kehrte zu Mutter und Geschwistern zurück; die Stadt erklärte, eine Dringlichkeit des Schutzes bestehe nicht mehr. Einen Tag später sagte die Ausländerbehörde zu, bis zur Ratssondersitzung am 2. November keine weiteren Abschiebungen vorzunehmen. Am 24. Oktober veröffentlichte der WDR das erste ausführliche Interview mit Ruhaim Rouf.

Darin schildert der 15-Jährige den Zugriff: „Wer geht um fünf Uhr morgens zu einer Familie, wo es noch Minderjährige gibt, stürmt mit Polizei rein und schlägt die Tür kaputt?“ Er habe angefangen zu weinen, sagt er, „das war wirklich so ein Schock für mich“. Im selben Gespräch zieht er eine Bilanz seiner acht Jahre in Deutschland.

„Ich habe acht Jahre so krass Deutsch gelernt, gute Noten bekommen, und das geht alles einfach weg. Diese ganzen acht Jahre sind dann für nichts gewesen.“
Ruhaim Rouf, 15 Jahre, Betroffener

Entschieden wird am 2. November: Um 16 Uhr tagt der Stadtrat zu dem Antrag von SPD, Grünen, Linken und Volt/Bürgerliste gegen die Praxis des Ausländeramts; die Debatte des Stadtrats über die Abschiebung ist öffentlich. Der SPD-Fraktionschef im Landtag, Jochen Ott, sagt: „Wir schieben die Falschen ab.“ Bis dahin verzichtet die Behörde auf weitere Abschiebungen. Was danach mit Chamsul Rouf und den drei jüngeren Kindern geschieht, ist offen.