Hunderte protestieren an Flughäfen gegen Abschiebungen nach Kabul
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Asylpolitik

Hunderte protestieren an Flughäfen gegen Abschiebungen nach Kabul

Rund 400 Menschen in Leipzig, etwa 900 bei München, dazu Frankfurt, BER, Düsseldorf und Köln/Bonn: Ein bundesweiter Aktionstag protestiert gegen Abschiebungen nach Afghanistan. Die Kritik richtet sich gegen Freebird-Charterflüge und neue Abschiebeterminals.

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Allein in Leipzig zählte die Polizei rund 400 Menschen vor dem Flughafen, die Veranstalter sprachen von 600, so der MDR-Bericht über den Protest am Flughafen Leipzig/Halle. Protestiert wurde gegen genau die Maschinen, die von dort seit Monaten nach Kabul starten.

Der bundesweite Aktionstag „Bundesweit gegen Abschiebewahn“ führte am 24. Oktober 2026 Hunderte Menschen an die Flughäfen Leipzig/Halle, Frankfurt am Main, München, Berlin-Brandenburg, Düsseldorf und Köln/Bonn sowie nach Hannover. Die zentrale Forderung der Bündnisse: ein sofortiger Abschiebestopp.

In Leipzig richtete sich der Protest vor allem gegen die türkische Airline Freebird, die Charter-Abschiebungen nach Afghanistan durchführt. Bündnissprecherin Luca Müller sagte dazu:

„Es ist und bleibt skandalös, dass diese Abschiebungen in Zusammenarbeit mit den Taliban durchgeführt werden und sich eine Airline an dieser furchtbaren Praxis bereichern kann.“
Luca Müller, Bündnissprecherin

Der Vorwurf zielt auf eine Praxis, die seit Monaten läuft: Vom Flughafen Leipzig/Halle sind 2026 bereits mehrfach Abschiebeflüge nach Kabul gestartet, allein im ersten Halbjahr drei Charterflüge mit 77 Menschen. Auch außerhalb Leipzigs wurde abgeschoben, etwa bei der Abschiebung von 23 Afghanen nach Kabul im August.

Abschiebeflüge nach Kabul starten von Leipzig

Der erste Abschiebeflug nach Afghanistan seit einem Jahr startete am 18. Juli 2025 vom Flughafen Leipzig/Halle. Am 16. Juni 2026 folgten 32 Afghanen nach Kabul, gegen deren Abschiebung sich Protest regte. Im Juli 2026 startete erneut ein Flug, Sachsens Innenminister Armin Schuster verteidigte die Praxis als Abschiebung von Mehrfach- und Intensivstraftätern.

Von den ersten Abschiebeflügen zum Aktionstag

  1. 18. Juli 2025
    Erster Abschiebeflug seit einem Jahr

    Vom Flughafen Leipzig/Halle startet wieder eine Maschine nach Afghanistan.

  2. 16. Juni 2026
    32 Afghanen nach Kabul abgeschoben

    Gegen die Abschiebung regt sich Protest.

  3. Juli 2026
    Billigung des Münchner Terminals

    Der Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH stimmt mehrheitlich für das Abschiebeterminal.

  4. Juli 2026
    Erneuter Flug ab Leipzig/Halle

    Sachsens Innenminister Schuster verteidigt die Praxis als Abschiebung von Straftätern.

  5. 14. Oktober 2026
    Aufruf zum Aktionstag

    Der Hessische Flüchtlingsrat verbreitet die Presseerklärung zum 24. Oktober.

  6. 22. Oktober 2026
    Vorabberichte zu sieben Orten

    taz, nd und Sonntagsblatt berichten über die geplanten Proteste.

Hunderte in Leipzig, Dutzende in Köln

In Frankfurt zählte die Polizei rund 300 Teilnehmende, am BER rund 150, in Düsseldorf 50 bis 70 und in Köln/Bonn rund 50. In Oberding bei München sprach sie von etwa 900 Menschen, die Veranstalter von mehr als 1000, so der BR-Bericht über die Demo am Flughafen München. In Frankfurt nannten die Organisatoren 500 bis 600.

Teilnehmende laut Polizei je Flughafen

Angaben der Polizei beim Aktionstag am 24. Oktober 2026

Quelle: Polizeiangaben, 24. Oktober 2026

Das Aktionsbündnis nannte bundesweit „mehrere Tausend“ Teilnehmende. Trotz erhöhten Reiseaufkommens wegen der Herbstferien meldete keiner der betroffenen Flughäfen Auswirkungen auf den Flugbetrieb.

München plant für bis zu 70.000 Fälle pro Jahr

Die Proteste richten sich auch gegen die geplanten „Abschiebeterminals“: Frankfurt soll 2027 eines bekommen, München 2028, das BER ab Mitte 2029. In München sollen täglich bis zu 100 Einzelrückführungen und zwei Charterflüge mit je rund 50 Menschen abgewickelt werden, nach Rechnung der Kritiker bis zu 70.000 Abschiebungen pro Jahr.

Der Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH hatte das Projekt im Juli 2026 mehrheitlich gebilligt. Die Kampagne „Abschiebeterminal MUC verhindern!“ protestiert seit Monaten dagegen und störte bereits am 11. Mai 2026 eine CSU-Veranstaltung mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt in Trudering.

Für Katharina Grote, Sprecherin der Kampagne, verschieben sich mit dem Projekt die Maßstäbe dessen, was als normal gilt:

„Was gestern noch als extrem galt, wird heute als „sinnvolles Infrastrukturprojekt“ verkauft.“
Katharina Grote, Sprecherin der Kampagne „Abschiebeterminal MUC verhindern!“

Grote, die auch für den Bayerischen Flüchtlingsrat spricht, fordert einen sofortigen Abschiebestopp: „Wir fordern einen sofortigen Abschiebestopp, weil Schutzsuchende ein Recht auf Asyl haben.“

Kritik an Geas und am Taliban-Kurs

Kritisiert wurde zudem die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (Geas) und die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den Taliban. Deutschland bleibt trotz Rückgangs das Hauptziel für afghanische Asylsuchende in der EU.

Nasima Haidari von der Initiative Support Afghanistan warnte: „Durch die Zusammenarbeit besteht die Gefahr, dass die Taliban politisch gestärkt und als normaler Partner behandelt werden.“

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Ali Nahawandi, Organisator von „Afghanischer Aufschrei“, sagte, es solle „mit aller Härte“ abgeschoben werden, obwohl sich an der Lage in Ländern wie Afghanistan nichts verändert habe.

Getragen wurde der Aktionstag von We’ll Come United, Seebrücke und Widersetzen sowie regionalen Initiativen wie Support Afghanistan, dem Bayerischen Flüchtlingsrat und der Kampagne „Abschiebeterminal MUC verhindern!“; in Düsseldorf beteiligten sich auch Linke und Grüne Jugend. Ob der Druck reicht, zeigt sich 2027, wenn in Frankfurt das erste neue Terminal stehen soll.