Merz lässt Aigners Kandidatur auf CSU-Parteitag unbeantwortet
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Bundespräsidentenwahl

Merz lässt Aigners Kandidatur auf CSU-Parteitag unbeantwortet

Friedrich Merz nennt Ilse Aigner in seiner Parteitagsrede nur bei der Begrüßung – und sagt kein Wort zur Kandidatur. Die CSU wirbt seit Tagen für die Landtagspräsidentin, die CDU pocht auf einen eigenen Vorschlag.

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Friedrich Merz hat auf dem CSU-Parteitag in München kein Wort zur Kandidatur von Ilse Aigner verloren. In seiner 52-minütigen Abschlussrede am Samstag kam die Präsidentin des Bayerischen Landtags nur bei der Begrüßung vor – „liebe Ilse Aigner“ – und löste damit bei den Delegierten Standing Ovations aus.

Danach fiel ihr Name nicht mehr. Zur Kandidatenfrage sagte der Kanzler und CDU-Vorsitzende nichts; laut dem Bericht der Süddeutschen Zeitung zum CSU-Parteitag legte er sich nicht fest. Offen bleibt damit, ob die Union mit der CSU-Politikerin oder mit einem eigenen Bewerber in die Bundesversammlung zieht.

Söder wirbt, die CDU blockt

CSU-Chef Markus Söder hatte einen Tag zuvor rund 70 Minuten lang für Aigner geworben – und den Vorwurf des Posten-Geschachers zurückgewiesen: Es gehe um eine Persönlichkeit, deren Eignung für das Amt völlig unstrittig sei, demokratisch, persönlich und charakterlich.

„Noch nie in 75 Jahren hat die CSU weder einen Bundeskanzler noch einen Bundespräsidenten gestellt. Eigentlich kann man schon mal argumentieren, dass wir jetzt auch ein bisschen dran wären.“
Markus Söder, CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident

In der CDU sorgt der Vorstoß seit dem Frühjahr für Unmut. Laut Bericht über den Streit um Aigner hat die CDU-Führung vor dem Parteitag ihren Anspruch auf eine eigene Kandidatur bekräftigt.

Aigner selbst tritt auf die Bremse

Aigner selbst hält sich auffällig zurück. Am Rande des Parteitags sagte sie, nicht die Delegierten entschieden über die Frage. Zuständig seien die Vorsitzenden der beiden Unionsparteien.

„Der Parteitag wird aber nicht entscheiden über diese Frage. Das ist Aufgabe der Parteivorsitzenden.“
Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags (CSU)

Den Jubel im Saal habe sie dennoch genossen, sagte sie: Sie habe sich sehr über die Reaktion des Parteitags gefreut, das sei „auch eine gewisse Bestätigung nach über 40 Jahren Arbeit für die CSU“. Eine eigene Bewerbung kündigte sie nicht an.

In der CDU stehen eigene Namen bereit

In der CDU ist der Anspruch auf einen eigenen Vorschlag nicht vom Tisch. Als Alternativen gelten Bildungsministerin Karin Prien, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Ex-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, Hessens Regierungschef Boris Rhein, Verfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth und Hessens CDU-Fraktionschefin Ines Claus.

Schon im Sommer hieß es, Merz wolle Rhein, Söder wolle Aigner. Gewählt wird am 30. Januar 2027 durch die Bundesversammlung aus 630 Bundestagsabgeordneten und 630 Länderwahlleuten; Steinmeier scheidet im März 2027 nach zwei Amtszeiten aus dem Amt.

Von der ersten Namensnennung bis zur Wahl

  1. April 2026
    Söder bringt Aigner ins Spiel

    In einem Interview nennt der CSU-Chef Aigner erstmals als mögliche Kandidatin. In der CDU sorgt das für Unmut.

  2. 26. Juli 2026
    Söder legt nach

    Im ZDF-Sommerinterview bezeichnet Söder Aigner als „sehr gute Kandidatin“.

  3. 23. Oktober 2026
    Auftakt des CSU-Parteitags

    Söder wirbt in seiner rund 70-minütigen Rede erneut für Aigner, die Delegierten jubeln. Zuvor hatte die CDU-Führung ihren Anspruch auf eine eigene Kandidatur bekräftigt.

  4. 24. Oktober 2026
    Merz spricht – und schweigt

    Die Begrüßung Aigners löst Standing Ovations aus. Im weiteren Verlauf der 52-minütigen Rede äußert sich der Kanzler nicht zur Kandidatenfrage.

  5. November 2026
    Entscheidung im CDU-Präsidium

    Merz will sich dort zu seinem Kandidatenvorschlag äußern. Söder fordert eine Einigung mit der SPD möglichst noch im November.

  6. 30. Januar 2027
    Bundesversammlung wählt

    630 Bundestagsabgeordnete und 630 Länderwahlleute bestimmen den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier.

Grüne und SPD wollen eine Frau im Amt

Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann fordert eine Frau im Amt. Sie begründet das damit, dass zu oft über Kandidatinnen gesprochen werde, obwohl längst eine Frau vorgeschlagen werden sollte.

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Baden-Württembergs Regierungschef Cem Özdemir wirbt für eine gemeinsame Kandidatin von Union, SPD und Grünen und nennt Aigner eine Favoritin. Auch Günther Jauchs Werben für Ilse Aigner gehört in diese Reihe. Entscheiden muss Merz: Er will sich im November im CDU-Präsidium zu seinem Vorschlag äußern. Ob dort Aigners Name fällt, ist die offene Frage des Parteitags.