Miosga will AfD weiter einladen – und jede Sendung mit Faktencheck
Caren Miosga will die AfD weiter in ihre ARD-Talkshow holen und verlangt für jede Sendung einen Faktencheck. Der Partei wirft sie zugleich eine „Parallelmedienstrategie“ vor.
Caren Miosga will die AfD weiter in ihre Talkshow einladen – und jede Sendung mit einem Faktencheck begleiten. Die ARD-Moderatorin begründet das in dem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 23. Oktober.
Darin sagt sie: „Im Bundestag ist sie die größte Oppositionspartei. Wir müssen sie also einladen, auch wenn die Partei den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen will.“ Damit stellt sie sich gegen alle, die der AfD die Bühne verweigern wollen.
Faktencheck statt Bühnenverbot
Dem Einwand, man dürfe der AfD keine Bühne geben, kann Miosga „nichts mehr abgewinnen“. Die Partei habe „ihre eigenen Plattformen“. Ein Ausschluss aus Talkshows erreiche sie deshalb nicht mehr. Neu ist der Streit nicht: Bei „Markus Lanz“ hatte im Juli Martensteins Plädoyer für eine faire Chance der AfD Widerspruch ausgelöst.
Ganz frei laufen lässt sie die Partei trotzdem nicht. Die Redaktion überlege sich weiterhin genau, „wie oft und warum“ AfD-Vertreter eingeladen werden. Für jede Sendung mit AfD-Beteiligung fordert Miosga einen Faktencheck – Falschaussagen will sie möglichst sofort korrigieren, sonst nachliefern.
„Umso wichtiger ist es, Falschaussagen zu korrigieren oder rhetorische Strategien zu dechiffrieren. Nicht, um sich moralisch zu empören, sondern um zu klären, was die Fakten sind.“
Caren Miosga, ARD-Talkmoderatorin
Vorwurf der Parallelmedienstrategie
Der AfD wirft Miosga eine „Parallelmedienstrategie“ vor. Als Beispiel nennt sie den Landtagswahlkampf in Sachsen-Anhalt und den Auftritt von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund.
„Wenn Sie sehen, wie Ulrich Siegmund mit dem Moped durch die Gegend gefahren ist und in erster Linie gute Stimmung verbreitet hat – das war vor allem Social-Media-PR. Das wird gut gefilmt, es gibt Streamer, die das völlig unkritisch begleiten.“
Caren Miosga, ARD-Talkmoderatorin
Belegt ist die Szene: Am 26. Juli tourte Siegmund mit Simson-Mopeds durch Weißenfels, rund 1500 Teilnehmer kamen mit. Bei einer Ausfahrt begleitete ihn ein ZDF-Reporter auf dem Rennrad. Miosga deutet solche Bilder als Teil einer Strategie, die an den klassischen Medien vorbei auf eigene Kanäle setzt.
Drei AfD-Auftritte in 24 Ausgaben
In Miosgas eigener Sendung war die AfD 2026 selten zu Gast: In 24 Ausgaben gab es drei AfD-Auftritte, zwei davon an Wahlabenden. Wie selten sie insgesamt vorkommt, zeigt eine Auswertung zur AfD-Präsenz in ARD- und ZDF-Talkshows.
Der AfD-Spitzenkandidat fährt im Landtagswahlkampf mit Simson-Mopeds durch Weißenfels, rund 1500 Teilnehmer; ein ZDF-Reporter begleitet ihn auf dem Rennrad.
6. September 2026
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Kurz vor der Wahl lag die AfD in Umfragen bei 41 Prozent.
20. September 2026
Beatrix von Storch am Wahlabend bei Miosga
Die AfD-Politikerin sitzt in der Runde – einer von drei AfD-Auftritten in Miosgas Sendung im Jahr 2026.
23. Oktober 2026
Interview in der Süddeutschen Zeitung
Miosga fordert, die AfD einzuladen und jede Sendung mit einem Faktencheck zu begleiten.
26. Oktober 2026
Weitreichende Reaktionen
Die „Welt“ meldet über Miosgas Vorstoß; die F.A.Z. veröffentlicht am Abend ihre Auswertung aller 239 Polit-Talkshow-Ausgaben seit Januar.
Weidel wartet noch auf eine Einladung
Wie oft die AfD künftig bei Miosga sitzt, entscheidet die Redaktion von Fall zu Fall. AfD-Chefin Alice Weidel war in diesem Jahr bislang nicht eingeladen – das teilten die Redaktionen von „Caren Miosga“ und „Hart aber fair“ mit.
Für ihre eigene Sendung hat Miosga die Regel damit festgelegt: Die AfD wird eingeladen, ihre Aussagen werden noch in der Sendung überprüft. Ob andere Talkredaktionen nachziehen und ob Weidel eine Einladung erhält, ist damit nicht entschieden.