Philipp Türmer will die SPD nur noch von einer Frau führen lassen. „Eine Frau kann ich mir als alleinige Vorsitzende vorstellen, einen Mann nicht“, sagte der Bundesvorsitzende der Jusos der Neuen Osnabrücker Zeitung – Türmers Vorstoß für eine weibliche Einzelspitze.
Der 30-Jährige stellt sich damit offen gegen Lars Klingbeil, der die Partei seit dem Rücktritt von Bärbel Bas als SPD-Chefin allein führt. Bas gab am 12. Oktober 2026 auch das Arbeitsministerium auf. Klingbeil will auf einem Parteitag die gesamte Führung neu zur Wahl stellen – am 16. und 17. Januar 2027 in Bremen.
Ein Modell, das Frauen schützen sollte
2019 hatte die SPD die Doppelspitze eingeführt, um Frauen in der Parteiführung zu stärken. Der Versuch, mit der Doppelspitze Frauen zu stärken, sei nicht aufgegangen, sagte Türmer. 2025 war Bärbel Bas mit 95 Prozent zur Co-Vorsitzenden gewählt worden.
„Frauen bekamen bisher den Hauptteil der Kritik ab und wirkten wie ein Schutzschild für den Mann. Daraus abzuleiten, dass jetzt ein Mann allein die Partei führen soll, wäre absurd. Zumal wir sehr starke Frauen haben, denen ich den Vorsitz auch alleine zutraue.“
Türmer zieht daraus einen klaren Schluss: Wenn das Modell Frauen nicht geschützt hat, soll nun eine Frau allein führen – aber kein Mann. Die SPD habe starke Frauen, denen er den Vorsitz auch allein zutraut.
Klingbeil steht seit Wochen in der Kritik
Drei Tage vor seinem Vorstoß hatte Türmer im selben Blatt gefordert, Klingbeil solle nicht erneut als Parteivorsitzender kandidieren, solange er Finanzminister und Vizekanzler bleiben wolle. Er steht damit nicht allein: Auch die Hamburger Jusos fordern Klingbeils Verzicht auf den SPD-Vorsitz.
„In den vergangenen knapp zehn Jahren, in denen er als Generalsekretär und Vorsitzender Verantwortung für die SPD getragen hat, habe ich keine klare Strategie erkannt, wie es mit der Partei wieder aufwärtsgehen soll.“
Türmer verknüpft beide Fragen: Solange Klingbeil Finanzminister und Vizekanzler bleiben will, soll er nach dem Willen des Juso-Chefs nicht erneut für den Parteivorsitz antreten. Die Entscheidung darüber fällt auf dem Parteitag im Januar – oder früher, wenn Klingbeil selbst verzichtet.
Eine Kandidatin fehlt bislang
Zum Zeitpunkt des Vorstoßes hatte keine Frau öffentlich eine Kandidatur für den SPD-Vorsitz erklärt. Als aussichtsreichste Bewerberin gilt Manuela Schwesig. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern schließt eine Kandidatur nicht aus, legt sich aber auch nicht fest – Manuela Schwesigs Haltung zum SPD-Vorsitz bleibt offen.
Von der Doppelspitze zum Vorstoß für eine Einzelspitze
- 2019Die SPD führt die Doppelspitze ein
Zwei Vorsitzende sollen Frauen in der Parteiführung stärken.
- 20. September 2026Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die SPD unter Manuela Schwesig erreicht 35,5 Prozent.
- 12. Oktober 2026Bärbel Bas tritt zurück
Die SPD-Chefin und Arbeitsministerin gibt beide Ämter sofort auf; Lars Klingbeil führt die Partei allein.
- 13. Oktober 2026Klingbeil kündigt Neuwahl der Führung an
Die gesamte Führungsriege soll auf einem Parteitag zur Wahl gestellt werden – Termin: 16./17. Januar 2027 in Bremen.
- 23. Oktober 2026Türmer fordert Klingbeils Verzicht
Der Juso-Chef verlangt, Klingbeil solle nicht erneut kandidieren, solange er Finanzminister und Vizekanzler bleibt.
- 26. Oktober 2026Vorstoß für eine weibliche Einzelspitze
Türmer sagt der Neuen Osnabrücker Zeitung, einen Mann könne er als alleinigen Vorsitzenden nicht akzeptieren.
- 17. November 2026Schwesig soll erneut gewählt werden
Der Landtag in Schwerin soll Schwesig zur Ministerpräsidentin wählen; danach wird eine Kandidatur für den Bundesvorsitz erwartet.
In Bremen fällt die Entscheidung
Der Bundesparteitag am 16. und 17. Januar 2027 in Bremen wählt die komplette Führung neu. Er könnte per Beschluss auch die Doppelspitze abschaffen. Damit liegt die Entscheidung über Türmers Vorschlag bei den Delegierten in Bremen.
Vorher soll der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern am 17. November Schwesig erneut zur Ministerpräsidentin wählen. Erst danach wird Klarheit über eine mögliche Kandidatur für den Bundesvorsitz erwartet. 52 Prozent der Befragten trauen ihr den SPD-Vorsitz zu.
Offen bleiben damit zwei Fragen: ob Klingbeil trotz Türmers Forderung erneut antritt und ob überhaupt eine Frau kandidiert. Scheitert beides, führte ein Mann die SPD allein – genau das, was der Juso-Chef ausschließen will.
