Angemeldet sind 500 Teilnehmer, mehr als 11.400 Menschen haben in Stuttgart online ihr Interesse an der Demo bekundet. Jetzt soll geprüft werden, ob die Kundgebung von „Gen Z regelt“ am 31. Oktober auf dem Stuttgarter Schlossplatz verboten wird.
Die CDU-Gemeinderatsfraktion hat vom Amt für öffentliche Ordnung eine schriftliche Gefahreneinschätzung verlangt. Fällt sie kritisch aus, soll die Stadt ein präventives Versammlungsverbot nach Paragraf 15 Absatz 1 Versammlungsgesetz prüfen. Fraktionschef Alexander Kotz verweist auf die Folgen für die Innenstadt.
Gefahreneinschätzung als Hebel
Anlass für den Antrag sind nach Angaben der Fraktion Graffiti am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Bad Cannstatt. Kotz sieht Gastronomie und Händler schon durch reguläre Wochenenddemos belastet – und warnt vor Gewalt in der City. Den Vorstoß hat die Fraktion in einem Antrag der CDU-Fraktion zur Verbotsprüfung begründet.
„Gastronomie, Händler und die Menschen, die sich in der Innenstadt aufhalten, leiden schon oft genug unter Versammlungen am Wochenende. Dann kann sowas mit Gewalt natürlich hier nicht sein.“
Die Stadt Stuttgart hält dagegen: Als Versammlungsbehörde sehe sie derzeit keinen Anlass für ein präventives Verbot, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Die Lage werde bis Samstag beobachtet, ein Kooperationsgespräch mit den Anmeldern sei geplant. Die Einschätzung von Stadt und Polizei zur Demo fällt bislang zurückhaltend aus: Man gehe von einem friedlichen Protest aus.
Hagel spricht von „gewaltbereitem Mob“
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel hatte die angekündigten Proteste eine Woche zuvor im Landtag scharf angegriffen und sie mit den Ausschreitungen in Frankreich in Verbindung gebracht.
„Für diesen gewaltbereiten Mob ist Baden-Württemberg der falsche Ort.“
Hagel kündigte zugleich an, der Staat werde „mit aller Härte des Rechtsstaats zurückschlagen“. Die Linke im Landtag wirft ihm vor, junge Menschen mit dieser Rhetorik einzuschüchtern. Auch die Frage, ob die französischen Proteste ein Vorbild sind, wird hierzulande weiter diskutiert – Schwerdtner nennt Frankreichs Proteste ein Vorbild.
Polizeipräsident Markus Eisenbraun versucht zu beruhigen: „Die Bilder aus Frankreich haben viele Bürgerinnen und Bürger verunsichert.“ Zugleich betont er den Schutz des Demonstrationsrechts: „Wer friedlich für seine Anliegen demonstrieren möchte, kann sich darauf verlassen, dass wir dieses Recht schützen.“
Stuttgart führt bei den Anmeldungen
Die Mobilisierung wächst unabhängig von der Verbotsdebatte. Bis zum 24. Oktober hatten sich in Stuttgart 9.400 Menschen für die Demo eingetragen, zwei Tage später waren es mehr als 11.400 – der höchste Wert aller deutschen Städte. Bundesweit stehen laut Anmeldeplattform rund 135.700 Zusagen für 23 Städte zu Buche.
Nur fünf der 23 Städte werden zentral von der Initiative organisiert. Die City-Initiative Stuttgart beruhigte ihre Mitgliedsunternehmen: Die Behörden hätten keine Hinweise auf einen unfriedlichen Verlauf der Versammlung.
Mathieu Coquelin von der Fachstelle Extremismusdistanzierung sucht die Ursache nicht in Gewaltbereitschaft: „Ich glaube, wir haben zum ersten Mal eine Generation, bei der hinter dem Satz ‚Meine Kinder werden es mal besser haben als ich‘ ein großes Fragezeichen steht.“
Von Frankreich nach Stuttgart
Wie aus den Protesten in Frankreich ein Stuttgarter Verbotsantrag wurde
- Mitte September 2026Proteste in Frankreich weiten sich aus
Schüler protestieren für bessere Bildung und bezahlbare Lebensbedingungen; es kommt zu schweren Ausschreitungen, Bränden und Plünderungen.
- 16. Oktober 2026Blockade in Berlin
Schüler und Erwachsene blockieren den Zugang zum Andreas-Gymnasium – ein Beispiel für die bundesweite Mobilisierung vor dem 31. Oktober.
- 21. Oktober 2026Hagel warnt im Landtag
Der Innenminister nennt die angekündigten Proteste einen „gewaltbereiten Mob“ und kündigt an, mit aller Härte des Rechtsstaats zurückzuschlagen.
- 22. Oktober 2026CDU beantragt Verbotsprüfung
Die Gemeinderatsfraktion verlangt eine schriftliche Gefahreneinschätzung. Polizei und Stadt gehen zunächst von einem friedlichen Protest aus.
- 24. Oktober 20269.400 Interessierte in Stuttgart
Der bis dahin höchste Wert aller deutschen Städte.
- 26. Oktober 2026Polizei meldet mögliche Störungen
Das Präsidium ist nach eigenen Angaben gut vorbereitet. Bundesweit stehen rund 135.700 Zusagen für 23 Städte zu Buche.
- 27. Oktober 2026Stadt sieht keinen Verbotsanlass
Die Versammlungsbehörde will die Lage bis Samstag beobachten und ein Kooperationsgespräch mit den Anmeldern führen.
Entscheidung fällt bis Samstag
Das Polizeipräsidium Stuttgart teilte am Montag mit, es gebe Hinweise auf mögliche Störungen der Versammlung, man sei aber gut vorbereitet. Angemeldet sind 500 Teilnehmer, erwartet werden deutlich mehr.
Um 14 Uhr soll die Kundgebung auf dem Schlossplatz beginnen, anschließend ist ein Demonstrationszug durch die Innenstadt geplant. Ob die Stadt vorher ein Verbot prüft, hängt an der Gefahreneinschätzung; bis Samstag will die Behörde die Lage beobachten und das Kooperationsgespräch mit den Anmeldern führen.
