Energiepreise treiben Inflation im Euroraum auf 3,8 Prozent
Die Inflation im Euroraum springt auf 3,8 Prozent, Energie verteuert sich um 18,8 Prozent. Während Fed und EZB die Zinsen anheben, rät die Société Générale zu Gold und Kupfer – und ein FOCUS-Ratgeber verspricht fünf ETFs als Schutz fürs Depot.
3,8 Prozent – und der stärkste Preistreiber sitzt wieder an der Zapfsäule. Im September verteuerte sich Energie im Euroraum um 18,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im August waren es 14,3 Prozent.
Die Gesamtrate kletterte damit von 3,2 auf 3,8 Prozent, vor einem Jahr lag sie bei 2,2 Prozent. Auf diesen Sprung antwortet ein Ratgeber aus dem FOCUS-Money-ETF-Magazin 3/2026: Fünf ETFs sollen ein Depot gegen den Kaufkraftverlust absichern. Der Beitrag von Uli Kühn heißt „Inflation frisst jetzt dein Geld“.
Inflation im Euroraum steigt auf 3,8 Prozent
Jahresrate der Verbraucherpreise
Quelle: Eurostat
Was teuer wird und was nicht
Der stärkste Treiber war Energie, doch der Preisdruck reicht darüber hinaus. Die Kerninflation ohne Energie, Nahrung, Alkohol und Tabak lag bei 2,5 Prozent. In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise im September um 3,3 Prozent, wie die Inflationsdaten für September in Deutschland zeigen; in den USA waren es 3,7 Prozent.
Für die Währungshüter ist das kein Ausrutscher. EZB-Präsidentin Christine Lagarde macht klar, mit welchem Erwartungswert Sparer rechnen müssen: „Die Inflation bleibt voraussichtlich noch lange deutlich über unserem Zielwert.“ Der Satz ist der Maßstab, an dem sich die Notenbank jetzt messen lassen muss – und die Begründung dafür, dass sie an der Zinsschraube bleibt.
Notenbanken drehen an der Zinsschraube
Die Fed hob den Leitzins im September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an – erstmals seit 2023, wie die Fed-Erhöhung um 25 Basispunkte zeigt. Ihr Vorsitzender Kevin Warsh sagte dazu: „Tatsache ist: Die Inflation ist zu hoch.“ Die EZB zog mit einem eigenen Schritt von 25 Basispunkten nach, dem zweiten seit dem jüngsten Zinstief.
Für das kommende Jahr bleiben die Prognosen hoch. Das ifo-Institut erwartet in der Eurozone 3,3 Prozent Inflation, die Strategen der Société Générale um Alain Bokobza rechnen im Frühjahr 2027 mit 3,7 bis 3,8 Prozent. Für Deutschland sagt das ifo in seiner Konjunkturprognose für 2026 bis 2028 2,8 Prozent, 3,0 Prozent und 2,3 Prozent voraus.
Von der Prognose zur bestätigten Rate
3. September 2026
ifo legt Herbstprognose vor
Das Institut erwartet 2,8 Prozent Inflation in Deutschland 2026, 3,0 Prozent 2027 und 2,3 Prozent 2028.
10. September 2026
EZB hebt ihre Projektionen an
Für den Euroraum erwartet die Notenbank 3,0 Prozent Inflation 2026 und 2,5 Prozent 2027.
September 2026
EZB erhöht die Leitzinsen
Die Europäische Zentralbank hebt um 25 Basispunkte an, der zweite Schritt seit dem jüngsten Zinstief.
16. September 2026
Fed erhöht den Leitzins
Die US-Notenbank hebt um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, erstmals seit 2023.
2. Oktober 2026
Eurostat meldet 3,8 Prozent
Die Schnellschätzung zeigt einen Anstieg der Inflationsrate von 3,2 auf 3,8 Prozent im September.
16. Oktober 2026
Energie als Treiber bestätigt
Eurostat bestätigt die September-Rate und nennt Energie mit 18,8 Prozent als stärksten Treiber.
Was Anleger jetzt tun können
Aus der Notenbankdebatte ist eine Anlagefrage geworden. Die Société-Générale-Strategen gewichten ihr Multi-Asset-Portfolio von 60 zu 40 auf 60 zu 20 zu 20 um. Zwanzig Prozent sollen künftig Rohstoffe abdecken, vor allem Gold und Industriemetalle wie Kupfer.
Wer nicht in Rohstoffe gehen will, kann sich direkt an die Teuerung hängen. Dominic Pappalardo, Chefstratege Multi-Asset bei Morningstar, sagt: „Es spricht heute einiges dafür, inflationsindexierte Anleihen zu halten.“ Der Rat passt zur Datenlage: Die Kerninflation liegt bei 2,5 Prozent, die Gesamtrate bei 3,8 Prozent – inflationsindexierte Papiere gleichen die gemessene Teuerung aus.
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Ob die EZB auf ihrer nächsten Sitzung ein drittes Mal nachlegt, ist offen. ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe erwartet keinen schnellen Rückzug der Teuerung: „Die Inflation dürfte hartnäckig bleiben, sodass die EZB darauf reagieren müsste.“