Yvonne Lissel rechnet bei „Hart aber fair“ mit Pflegereform ab
Bild: KI-generiert
Pflegereform

Yvonne Lissel rechnet bei „Hart aber fair“ mit Pflegereform ab

Sieben Jahre pflegt Yvonne Lissel ihren demenzkranken Mann rund um die Uhr – am Tag der Sendung musste er ins Krankenhaus. Im ARD-Talk rechnete sie mit der Pflegereform ab, CDU-Politiker Streeck räumte Fehler ein.

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Sieben Jahre lang pflegt Yvonne Lissel ihren demenzkranken Ehemann zu Hause, rund um die Uhr. Für die Pflege gab sie ihren Job auf. Am Morgen vor der Sendung erlitt der Mann, ein früherer SEK-Polizist mit Pflegegrad 5, einen epileptischen Anfall und musste ins Krankenhaus.

Am Abend saß Lissel dennoch im Studio von „Hart aber fair“ – live aus Berlin, 21:00 Uhr, Thema: „Pflege zu Hause: Lässt die Politik Angehörige allein?“ Nach wenigen Minuten war klar, wohin der Abend führen würde.

„Ich weiß nicht. Mir platzt der Kragen, wenn ich das höre.“
Yvonne Lissel, pflegende Ehefrau

Der Anlass ihres Zorns: das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) von Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). Der Kabinettsbeschluss zur Pflegereform fiel am 30. September 2026. Die erste Lesung im Bundestag ist für den 5. November angesetzt, 60 Minuten sind dafür veranschlagt, danach übernimmt der Gesundheitsausschuss.

Der härteste Punkt heißt Verhinderungspflege

Als den härtesten Punkt benannte Lissel die geplante Neuordnung der Verhinderungspflege – der Leistung, die einspringt, wenn pflegende Angehörige zeitweise ausfallen. Sie machte daraus keine Verwaltungsfrage.

„Am allerallerschlimmsten ist für uns pflegende Angehörige einfach, dass die Verhinderungspflege gekürzt werden soll.“
Yvonne Lissel, pflegende Ehefrau

CDU-Politiker Hendrik Streeck räumte in der Sendung ein, an dieser Stelle müsse „nachgesteuert“ werden. Lissel ließ nicht locker: Sie könne nicht zum Arzt gehen, ihren Mann nicht allein lassen, abends nicht einmal zum Yoga.

„Wo bleibt meine Prävention? Ich gehe auf dem Zahnfleisch“, sagte sie. „Sie züchten im Endeffekt den nächsten Pflegefall.“ Und sie hielt der Runde vor: Pflegende Angehörige seien „diejenigen, die das niedrigste Gehalt hier in der Bundesrepublik kriegen“.

Ein Spargesetz – die große Reform kommt später

Bemerkenswert war der Auftritt des CDU-Gesundheitspolitikers Streeck. Er verteidigte das Gesetz nicht, er beschrieb es.

„Das Pflegeneuordnungsgesetz ist übrigens im größten Teil ein Spargesetz, weil die richtige Reform soll ja noch kommen danach.“
Hendrik Streeck, CDU-Gesundheitspolitiker

Die große Reform soll folgen: Am 14. Oktober 2026 wurde die Pflegestrukturkommission eingesetzt, sie soll bis Ende Januar 2027 Vorschläge vorlegen. Bis dahin gilt der Sparkurs.

Der Druck im Parlament wächst. Wie die Forderungen von SPD und Grünen zum Pflegeneuordnungsgesetz aussehen, wurde am 22. Oktober deutlich: Die SPD-Fraktion kündigte Nachbesserungen an, die Grünen verlangen unter anderem die Rücknahme der geplanten Streichung der Verhinderungspflege.

Fünf Wochen zwischen Beschluss und erster Lesung

Der Zeitplan ist eng. Zwischen dem Kabinettsbeschluss Ende September und der ersten Lesung Anfang November liegen nur gut fünf Wochen – die Kommission für die große Reform soll erst Ende Januar 2027 liefern.

Von der Pflegereform bis zur ersten Lesung

  1. 30. September 2026
    Kabinett beschließt das PNOG

    Das Bundeskabinett beschließt den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes von Gesundheitsminister Carsten Linnemann.

  2. 14. Oktober 2026
    Pflegestrukturkommission eingesetzt

    Sie soll bis Ende Januar 2027 Vorschläge für eine umfassende Pflegereform vorlegen.

  3. 22. Oktober 2026
    SPD und Grüne fordern Nachbesserungen

    Die SPD-Fraktion kündigt Änderungen an, die Grünen verlangen die Rücknahme der geplanten Streichung der Verhinderungspflege.

  4. 26. Oktober 2026
    Epileptischer Anfall und ARD-Talk

    Am Morgen kommt Lissels Mann ins Krankenhaus, am Abend diskutiert sie bei „Hart aber fair“.

  5. 5. November 2026
    Erste Lesung im Bundestag

    60 Minuten sind angesetzt, anschließend übernimmt der Gesundheitsausschuss.

Für die Betroffenen bedeutet das eine Zwischenzeit ohne Zusage. Lissel pflegt weiter, ihr Mann lag am Tag der Sendung im Krankenhaus. Für den 5. November ist die erste Lesung des Gesetzentwurfs im Bundestag angesetzt. Streeck hatte das Vorhaben in der Sendung als überwiegend auf Einsparungen ausgerichtet beschrieben.

6,4 Millionen Pflegebedürftige, zehn Millionen Pflegende

In Deutschland gibt es rund 6,4 Millionen Pflegebedürftige, etwa 5,5 Millionen werden zu Hause versorgt, schätzungsweise zehn Millionen Angehörige pflegen. Die Ausgaben der Pflegeversicherung lagen im Vorjahr bei mehr als 70 Milliarden Euro. Trotzdem gehören Kürzungen der Pflegereform bei Leistungen und Angehörigen zum Plan.

In der Sendung kam auch die strukturelle Seite zur Sprache. Die Autorin Katarina Schickling sagte, es fehle „eine Struktur, die dafür geeignet ist, Angehörige dabei zu unterstützen, das gut hinzubekommen“. Die Neuköllner Gemeindepflegerin Dilek Erusta brachte es kürzer: „Auf die pflegenden Angehörigen hat keiner den Blick.“

Moderator Louis Klamroth führte durch die Runde. Am 27. Oktober griffen mehrere Medien den Vorwurf der pflegenden Ehefrau an die Regierung auf.

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