Aryzta schließt Werk Nordhausen – 165 Stellen fallen weg
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Backwarenkonzern

Aryzta schließt Werk Nordhausen – 165 Stellen fallen weg

Der Schweizer Aryzta-Konzern gibt sein Tiefkühlbackwerk in Nordhausen auf und bündelt die Produktion in Eisleben. Laut Aryzta sind in Nordhausen 165 Beschäftigte betroffen. Die NGG kritisiert den Umgang mit der Belegschaft; Linke und SPD fordern Investorenlösungen.

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165 Beschäftigte, ein Werk, in dem seit 2005 Tiefkühlbrötchen, Ciabatta und Berliner vom Band laufen – und bis 2027 soll in Nordhausen endgültig Schluss sein.

Aryzta kündigte die Schließung am Montag, 26. Oktober 2026, an. Die Produktion wird im knapp 70 Kilometer entfernten Eisleben in Sachsen-Anhalt gebündelt. Auch das bayerische Werk Gerolzhofen, in dem die Marke Hiestand gebacken wird, macht dicht.

Nach Zahlen der Gewerkschaft NGG bangen konzernweit rund 440 Beschäftigte um ihre Stelle: rund 170 in Nordhausen, rund 270 in Gerolzhofen. Aryzta selbst nennt für Nordhausen 165 Betroffene, auf der Firmenwebsite sind für den Standort rund 200 Mitarbeiter angegeben.

Konzernweit rechnet Aryzta mit 250 bis 300 Kündigungen. Die Schließungen kosten den Konzern nach eigenen Angaben 56 bis 61 Millionen Euro.

Eisleben soll es richten

Verwaltungsratspräsident und Interims-CEO Urs Jordi begründet den Schritt mit Effizienz und Rendite – nicht mit der Lage der Belegschaft.

„Die Konsolidierung der Produktion in Eisleben und die Vereinfachung unseres Produktportfolios werden unsere deutschen Aktivitäten effizienter machen und die Rentabilität näher an das Niveau unserer anderen europäischen Bäckereibetriebe bringen.“
Urs Jordi, Verwaltungsratspräsident und Interims-CEO von Aryzta

Deutschland ist für Aryzta kein Nebenmarkt, sondern das Sorgenkind: Im August 2026 kündigte der Konzern eine Überprüfung seines Deutschlandgeschäfts an und bezeichnete die Bundesrepublik als „most challenged market“. In Nordhausen gilt seit März 2026 ein Tarifabschluss mit 2,5 Prozent mehr Lohn und 156 Euro Einmalzahlung.

Die NGG spricht von einem Fußtritt

Für Olaf Klenke, Gewerkschaftssekretär der NGG, ist der Umgang mit den Beschäftigten so bemerkenswert wie die Schließung selbst. Er wirft dem Konzern vor, jahrelange Schichtarbeit nicht zu honorieren.

„Jahrelang haben sich die Beschäftigten rund um die Uhr in Schichtarbeit und am Wochenende für das Unternehmen aufgeopfert. Jetzt gibt es für sie nur einen Fußtritt. Das ist schäbig und macht wütend.“
Olaf Klenke, Gewerkschaftssekretär der NGG

Klenke sieht dahinter eine Verteilungsentscheidung: „Das Unternehmen will mit den Schließungen den Gewinn steigern und die Aktionäre wieder mit einer Dividende bedienen. Auf der Strecke bleiben die Beschäftigten und ihre Familien.“ Offen bleibt, wie viel von den 56 bis 61 Millionen Euro Einmalkosten am Ende bei den Betroffenen ankommt.

Klötze, Artern, Mansfeld – kein Einzelfall

Aryzta hat in Deutschland schon mehrfach Standorte aufgegeben. Die Chronik reicht zwei Jahrzehnte zurück und zeigt ein Muster: Übernommen, gebündelt, geschlossen.

Aryzta in Deutschland: Übernahmen und Schließungen

  1. 2005
    Produktionsstart in Nordhausen

    Das Werk nimmt die Produktion von Tiefkühlbackwaren auf – damals unter dem Dach der Großbäckerei Klemme.

  2. 2013
    Aryzta übernimmt Klemme

    Der Konzern kauft die Großbäckerei Klemme für rund 280 Millionen Euro, darunter sieben Produktionsstätten in Sachsen-Anhalt und das Werk Nordhausen. Klemme zählt damals rund 1.400 Beschäftigte.

  3. 2016
    Aus für Klötze

    Aryzta schließt das Werk der Tochter Fricopan in Klötze in der Altmark. Rund 500 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit.

  4. 2019
    Artern und Mansfeld schließen

    Die Werke in Artern im Kyffhäuserkreis und in Mansfeld werden geschlossen, rund 200 Mitarbeiter sind betroffen.

  5. März 2026
    Tarifabschluss in Nordhausen

    2,5 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 156 Euro für die Beschäftigten.

  6. August 2026
    Konzern prüft Deutschlandgeschäft

    Aryzta kündigt eine Überprüfung an und nennt Deutschland den „most challenged market“.

  7. 26. Oktober 2026
    Nordhausen und Gerolzhofen werden dichtgemacht

    Die deutsche Produktion wird in Eisleben gebündelt, konzernweit sind 250 bis 300 Kündigungen geplant.

2013 waren mit Klemme auch sieben Produktionsstätten in Sachsen-Anhalt und das Werk in Thüringen an Aryzta gegangen. Damals zählte die Großbäckerei rund 1.400 Beschäftigte – heute stehen in Nordhausen noch 165 auf der Liste des Konzerns.

Politik fordert Investorenlösungen

Der Thüringer Linke-Fraktionschef Christian Schaft nennt die Pläne eine „Sauerei“ und vergleicht den Fall mit dem Rückzug von Zalando in Erfurt. Er nimmt die Landesregierung in die Pflicht.

„Das ist eine Sauerei und die Landesregierung darf nicht einfach dabei zuschauen, wie Manager den Wirtschaftsstandort Thüringen abwickeln und Thüringerinnen und Thüringer vor die Tür setzen wollen, die den Laden am Laufen halten.“
Christian Schaft, Fraktionschef Die Linke im Thüringer Landtag

Die SPD Nordhausen und der Landtagsabgeordnete Maximilian Schröter fordern die Prüfung von Investorenlösungen und einen sozialverträglichen Stellenabbau. Schröter verweist auf die Familien hinter den Stellen: „Wieder einmal drohen unserer Region wichtige Arbeitsplätze verloren zu gehen. Für die Beschäftigten und ihre Familien geht es um ihre Existenz und ihre Zukunft.“

In Gerolzhofen äußerte der Betriebsrat, völlig überrascht worden zu sein – laut dem Bericht der Main-Post zum Hiestand-Aus. Bitter und völlig überraschend kam die Nachricht auch für das Thüringer Wirtschaftsministerium, wie die MDR-Berichterstattung zur Standortentscheidung zeigt.

Was bis 2027 passieren soll

Bis 2027 soll die Produktion in Nordhausen eingestellt sein, die Umsetzung der Pläne weitgehend in den Jahren 2026 und 2027 abgeschlossen werden. Ob es einen Sozialplan gibt und ob sich Investoren für den Standort finden, ist derzeit offen.

Der Fall reiht sich in eine Serie in der Region: Bosch streicht in Nürnberg 900 Stellen, und in Thüringen selbst endet mit Kahla Porzellan die Produktion mit 96 verlorenen Arbeitsplätzen.

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Die entscheidende Frage bleibt, ob die Landesregierung überhaupt einen Hebel hat: Aryzta hat die Schließung beschlossen, Eisleben ist bereits als neuer Standort gesetzt. Ob Nordhausen einen Käufer bekommt oder ob die 165 Beschäftigten ohne Anschlusslösung dastehen, entscheidet sich in den kommenden Monaten – einen Termin für Verhandlungen hat bisher niemand genannt.