Trump-Regierung will Orbán als UN-Generalsekretär durchsetzen
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Vereinte Nationen

Trump-Regierung will Orbán als UN-Generalsekretär durchsetzen

Acht Stimmen gelten als sicher, neun sind nötig. Paris und London könnten Orbán mit einem Veto stoppen. Moskau erklärt, keine der ständigen Vetomächte könne ihn nominieren.

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Acht Stimmen hat Viktor Orbán im 15-köpfigen UN-Sicherheitsrat nach Einschätzung eines Beamten des US-Außenministeriums bereits sicher, zehn gelten als erreichbar. Nötig sind neun – und kein Veto eines ständigen Mitglieds.

Frankreich und Großbritannien sitzen als ständige Mitglieder am Tisch; eine einzige Gegenstimme aus Paris oder London würde den Vorstoß beenden.

Den Anlass der neuen Debatte liefert an diesem Mittwoch der Kommentar von Ulrich Reitz zu Orbán als UN-Chef. Der Chefkorrespondent von Focus online sieht darin einen Angriff auf Europa und spricht im Titel vom „Albtraum für EU und Merz“.

„Das wäre eine schallende Ohrfeige, wenn Donald Trump bei seinem Versuch, Viktor Orban als Chef der Vereinten Nationen durchzusetzen, gewinnen würde.“
Ulrich Reitz, Chefkorrespondent Focus online

Neun Stimmen und kein Veto

Der Sicherheitsrat empfiehlt einen Kandidaten für das höchste UN-Amt; die Vollversammlung bestellt ihn anschließend. Neun der 15 Sitze braucht ein Kandidat dort, und jedes der fünf ständigen Mitglieder kann ihn mit einer Gegenstimme ausbremsen.

An dieser Hürde hängt die Nachfolge von António Guterres seit Monaten. Sechs Probeabstimmungen blieben ergebnislos, die letzte am 16. Oktober 2026, erstmals mit farbcodierten Stimmzetteln. Favoritin war Rebeca Grynspan aus Costa Rica – neun ermutigende, fünf ablehnende Voten, kein Konsens.

Guterres' zweite Amtszeit endet am 31. Dezember 2026, sein Nachfolger tritt am 1. Januar 2027 an. In diese Lücke stößt der US-Plan – mitten hinein in den Streit um die Guterres-Nachfolge, den die USA und Russland seit August führen.

Wie Orbán zum Kandidaten wurde

Am 12. April 2026 verlor Orbáns Fidesz die Parlamentswahl in Ungarn nach 16 Jahren an Péter Magyar und dessen TISZA-Partei, die 138 von 199 Sitzen holte. Im Mai begrenzte die neue Regierung die Amtszeit von Ministerpräsidenten rückwirkend auf acht Jahre – Orbáns 16 Jahre an der Spitze wären damit nicht wiederholbar.

Budapest stellte die Weichen neu – Ungarns neuer Kurs gegenüber Russland. Der Journalist Szabolcs Panyi berichtete über MAGA-Überlegungen, Orbán einen hohen UN-Posten zu verschaffen; im August nannte er zusätzlich ein FIFA-Amt und den Posten eines UN-Vizegeneralsekretärs. Fidesz-Kommunikationschef Bertalan Havasi nannte die Meldungen „Fake News“.

Am 25. Oktober legte der Leitartikel des Wall Street Journal zu Orbán nach: Die US-Regierung habe Orbán zur Kandidatur ermutigt und eine gemeinsame Kandidatur mit Russland und China ausgelotet, gestützt auf Quellen aus drei Ländern. Eine offizielle Nominierung gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Von der Wahlniederlage zum UN-Vorstoß

  1. Juli 2018
    Orbán wettert gegen die UN

    Im ungarischen Sender Kossuth Radio nennt er UN-Politiker im eigenen Land gescheitert; bei der UNO verfolgten sie nur „abnorme individuelle Ambitionen“.

  2. 12. April 2026
    Fidesz verliert die Wahl

    Nach 16 Jahren unterliegt Orbán Péter Magyar und dessen TISZA-Partei, die 138 von 199 Sitzen gewinnt.

  3. Mai 2026
    Amtszeit rückwirkend begrenzt

    Die neue Regierung deckelt die Amtszeit von Ministerpräsidenten auf acht Jahre.

  4. 16. Oktober 2026
    Sechste Probeabstimmung scheitert

    Rebeca Grynspan führt mit neun ermutigenden und fünf ablehnenden Voten; ein konsensfähiger Kandidat fehlt.

  5. 25. Oktober 2026
    WSJ bringt Orbán ins Spiel

    Das Wall Street Journal berichtet, die US-Regierung habe Orbán ermutigt und eine gemeinsame Kandidatur mit Russland und China ausgelotet.

  6. 26. Oktober 2026
    Absage aus Moskau

    Vizeaußenminister Alimow erklärt, keine der drei Großmächte werde Orbán nominieren.

Nein aus Moskau, Spott aus Kiew

Am 26. Oktober trat der russische Vizeaußenminister Alexander Alimow vor die Presse – und nahm dem Plan seine Grundlage:

„Weder Russland noch die Vereinigten Staaten noch China werden Orbán nominieren, da wir ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sind und niemanden für das Amt des UN-Generalsekretärs nominieren.“
Alexander Alimow, Stellvertretender Außenminister Russlands

Formal muss ein Staat den Kandidaten vorschlagen, der nicht ständiges Mitglied ist; die drei Vetomächte selbst können niemanden nominieren. Polens Außenminister Radosław Sikorski sagte eine Unterstützung ab, Regierungschef Donald Tusk nannte die Idee „komisch“.

Aus Kiew kam Hohn. Außenminister Andrii Sybiha schrieb, Orbán werde als UN-Generalsekretär seine „meisterhaften Veto- und Erpressungsfähigkeiten“ ausspielen, die er beim Ausbremsen großer EU-Entscheidungen erworben habe. Ungarns früherer Außenminister Péter Balázs fragte, welche Botschaft die UN aussende, wenn ein „Meister des Vetos, der Spaltung“ das Amt bekomme.

Orbán will nur antreten, wenn er gewinnen kann

Orbán selbst hat sich zu dem Vorstoß nicht geäußert. Dem Bericht zufolge zeigte er sich interessiert, will aber nur antreten, wenn er sich Siegchancen ausrechnet. Eine öffentliche Ankündigung, unterstützt von Donald Trump und Vizepräsident JD Vance, war für die Zeit nach den US-Zwischenwahlen am 3. November vorgesehen.

Der Zeitplan hängt an einer Abstimmung, die noch aussteht: Für diese Woche ist eine weitere Probeabstimmung im Sicherheitsrat angesetzt. Konkurrenz droht inzwischen auch aus den Emiraten – am 21. Oktober nominierte das Land überraschend Lana Nusseibeh, worauf der Staatenbund CELAC gegen den späten Einstieg protestierte.

Reitz sieht in Orbán vor allem ein Werkzeug Trumps, der mit ihm „seine MAGA-Außenpolitik an die Spitze der Vereinten Nationen“ bringen will. Ob der Sicherheitsrat mitspielt, zeigt die nächste Probeabstimmung: Neun Stimmen braucht Orbán, und Paris oder London haben das letzte Wort.

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