Elterngeld bleibt 14 Monate, Mindestsatz steigt auf 330 Euro
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Familienpolitik

Elterngeld bleibt 14 Monate, Mindestsatz steigt auf 330 Euro

Die Kürzung von 14 auf 12 Monate ist vom Tisch, der Mindestsatz steigt auf 330 Euro. Doch die Rechnung geht nicht auf: ifo-Chef Fuest hält die Einsparziele für unerreichbar, Linken-Politikerin Reichinnek nennt 330 Euro „lächerlich“.

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Die Kürzung beim Elterngeld ist vom Tisch. Die Bezugsdauer bleibt bei 14 Monaten, der Mindestsatz steigt von 300 auf 330 Euro, der Höchstsatz von 1800 auf 1900 Euro. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hatte im Sommer noch einen Entwurf vorgelegt, der die Bezugsdauer auf zwölf Monate zusammenstrich – gegen Kritik bis in die eigene Koalition.

Der überarbeitete Entwurf, den die Tagesschau als Rolle rückwärts beim Elterngeld beschreibt, ging am 28. Oktober 2026 in die regierungsinterne Abstimmung. Einen Kabinettsbeschluss hat Prien für November angekündigt. Gelten sollen die Regeln für Geburten ab dem 1. November 2027.

330 Euro Mindestsatz, 1900 Euro Höchstsatz

Beim Geld legt das Ministerium zu: Der Mindestsatz steigt von 300 auf 330 Euro, der Höchstsatz von 1800 auf 1900 Euro. Hinzu kommt ein neues 4-6-4-Modell mit 80 und 50 Prozent Lohnersatz. ZDFheute fasst den Entwurf als mehr Geld und neue Aufteilung beim Elterngeld zusammen.

Mindest- und Höchstsatz beim Elterngeld

Bisherige Werte und geplante Erhöhung in Euro

Quelle: Bundesfamilienministerium, Entwurf vom 28. Oktober 2026

Beide Eltern sollen wieder unbeschränkt gleichzeitig Basiselterngeld beziehen können. Alleinerziehende behalten bis zu 14 Monate. Der Geschwisterbonus wird länger gezahlt, und Weihnachtsgeld sowie Sonderzahlungen zählen künftig zum maßgeblichen Nettoeinkommen.

1,3 statt 1,6 Milliarden Euro

Der Preis des Kompromisses steht im Haushalt: Ab 2030 sollen rund 1,3 Milliarden Euro jährlich eingespart werden, ursprünglich geplant waren 1,6 Milliarden. „Es wird immer noch einen Einspareffekt geben, auch bei diesem Modell. Der wird geringer sein als das ursprüngliche Modell“, sagt Prien. Auch an anderer Stelle soll gespart werden: Prien will den Unterhaltsvorschuss nur noch bis 15 Jahre zahlen.

Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts, hält die Sparziele für nicht erreichbar. Die stärkere Beteiligung der Väter mache das Elterngeld teurer, weil Männer im Schnitt weiter mehr verdienen als Frauen, sagte er im ARD-Hauptstadtstudio. Für den Bund heißt das: Je mehr Väter in Elternzeit gehen, desto höher die Ausgaben.

„Die Einsparziele, mit denen man hier angetreten war, die werden so nicht erreicht. Männer verdienen immer noch im Durchschnitt mehr als Frauen. Deshalb bedeutet eine stärkere Aktivierung der Väter hier, dass das Ganze auch teurer wird.“
Clemens Fuest, Präsident des ifo Instituts

Spott von links, Zustimmung aus der SPD

Aus der Opposition kommt keine Unterstützung. Die Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek nennt die Anhebung von 300 auf 330 Euro „lächerlich“ – sie sei nicht einmal ein ausreichender Inflationsausgleich. Familien sollten sich dafür bedanken, dass nicht wie angekündigt gekürzt wird, spottet sie; einen Applaus für Prien sieht sie nicht.

Aus der SPD kommt Zustimmung mit Bedingungen. Die familienpolitische Sprecherin Jasmina Hostert will den finalen Gesetzentwurf abwarten: Sollte sich die angekündigte Erhöhung bestätigen, wäre das ein wichtiges Signal an Familien. Der SPD-Berichterstatter Felix Döring begrüßt, dass es bei 14 Monaten bleibt, und verlangt im selben Zug eine Familienstartzeit – vier Wochen bezahlte Freistellung für Väter nach der Geburt, finanziert über die U2-Umlage.

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Im November entscheidet das Kabinett

Für November ist der Kabinettsbeschluss angekündigt. Offen bleibt, ob die 1,3 Milliarden reichen: Fuest hält die Rechnung für zu optimistisch, Prien verweist auf den verbleibenden Spareffekt. Der Streit um die Höhe der Einsparung ist damit nicht beigelegt, nur vertagt.

Vom Sparvorstoß zum Rückzieher

  1. Januar 2007
    Elterngeld startet

    Mindestens 300, höchstens 1800 Euro monatlich, rund 65 Prozent Lohnersatz, 14 Monate bei Beteiligung beider Eltern.

  2. Sommer 2026
    Ministerium legt Sparkonzept vor

    Der Entwurf kürzt die Bezugsdauer auf zwölf Monate und reserviert je drei Monate pro Elternteil. Es folgt deutliche Kritik, auch aus der Koalition.

  3. 30. September 2026
    Prien zeigt sich offen

    Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland stellt sie die Sparmaßnahmen infrage und will prüfen lassen, ob die Kürzungen in diesem Umfang zielführend und gerechtfertigt sind.

  4. 28. Oktober 2026
    Überarbeiteter Entwurf geht in die Abstimmung

    Mindestsatz 330 Euro, Höchstsatz 1900 Euro, 4-6-4-Modell mit 80 und 50 Prozent Lohnersatz – die Kürzung der Bezugsdauer ist gestrichen.

  5. November 2026
    Kabinettsbeschluss angekündigt

    Prien will den Entwurf im Kabinett beschließen lassen.

  6. 1. November 2027
    Neue Regeln sollen gelten

    Nach Priens Ankündigung für Geburten ab diesem Stichtag.

Für Familien zählt ein anderes Datum: Gelten sollen die Regeln für Geburten ab dem 1. November 2027. Wer früher ein Kind bekommt, fällt noch unter die alte Regelung mit 300 Euro Mindestsatz. Ob die 14 Monate und die 330 Euro in der Abstimmung der Regierung unverändert bleiben, entscheidet sich im November – und ob der Bund die versprochenen 1,3 Milliarden je Jahr tatsächlich einspart, erst danach.