Volkswagen hat im dritten Quartal 2026 einen Verlust nach Steuern von 5,822 Milliarden Euro ausgewiesen – nach einem Fehlbetrag von 1,072 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Europas größter Autobauer steuert damit auf das erste Verlustjahr seit dem Dieselskandal zu.
Nach neun Monaten stehen minus 2,72 Milliarden Euro unter dem Strich. Die Vorzugsaktie verlor am Morgen zeitweise bis zu 2,8 Prozent, drehte bis zum Mittag aber ins Plus und notierte bei rund 70,40 Euro – seit Jahresbeginn ein Minus von etwa einem Drittel.
Vom operativen Gewinn bleiben 71 Millionen Euro
Laut dem Neunmonats-Bericht der Volkswagen Group liegt das operative Ergebnis der ersten neun Monate bei 71 Millionen Euro, nach 5,4 Milliarden Euro im Vorjahr – ein Rückgang um 98,7 Prozent. Bereinigt um Sondereffekte weist der Konzern eine operative Umsatzrendite von 3,8 Prozent aus.
Gewinn wird zum Verlust: VW in Milliarden Euro
Operatives Ergebnis der ersten neun Monate und Konzernergebnis im dritten Quartal
Schon im zweiten Quartal war der Druck sichtbar: 82,44 Milliarden Euro Umsatz und 3,47 Milliarden Euro operatives Ergebnis. Im Juli kappte der Konzern die Umsatzerwartung für 2026 – statt bis zu plus 3 Prozent nur noch stabile Entwicklung bis minus 3 Prozent.
Porsche kostet 6,4 Milliarden, China verliert 38,5 Prozent
Neben der Porsche-Abschreibung belastet die China-Schwäche das Ergebnis. Eine Abschreibung bei der Tochter Porsche schlägt mit 6,4 Milliarden Euro zu Buche, wie die Tagesschau über die Porsche-Abschreibung berichtet. In China brach der Absatz um 38,5 Prozent ein.
China-Chef Ralf Brandstätter hatte einen Tag vor den Zahlen vor weiterer Schwäche gewarnt – und dabei ein Bild gewählt, das die Größe des Problems zeigt.
„Der Gesamtmarkt in China ist im freien Fall.“
Auch das Elektrogeschäft stützt das Ergebnis nicht. Finanzvorstand Arno Antlitz sagte, der Markterfolg der Elektrofahrzeuge setze das Ergebnis zusätzlich unter Druck, weil Volkswagen mit Elektroautos heute noch weniger verdiene als mit Verbrennern.
Der Vorstand drängt, die Belegschaft rechnet mit Streiks
Antlitz verband die Zahlen mit einer Mahnung: „Das Neunmonats-Ergebnis zeigt deutlich: Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen schnell und entschlossen handeln.“ Zum operativen Ergebnis sagte er: „Das ist zu wenig, um weiter kraftvoll in unsere Zukunft zu investieren.“
Den Rahmen für den Umbau hat der Aufsichtsrat im September einstimmig beschlossen – weltweit rund 50.000 Stellen fallen weg, VW-Aufsichtsrat segnet Zukunftsplan 2030 ab. Vier Werke in Deutschland haben keine garantierte Folgebelegung.
Zum Jahresende kündigte Volkswagen einen Großteil der Tarifverträge, betroffen sind rund 100.000 Beschäftigte. Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm gibt es keine Zusage über die Zeit nach der aktuellen Produktion – Aus für vier VW-Werke beschlossen.
Von der Prognosekappung zum Milliardenverlust
- Juli 2026Umsatzziel wird gesenkt
Mit den Halbjahreszahlen kappt VW die Umsatzerwartung für 2026 auf stabile Entwicklung bis minus 3 Prozent.
- 3. September 2026Zukunftsplan 2030 beschlossen
Der Aufsichtsrat billigt einstimmig den Abbau von weltweit rund 50.000 Stellen.
- 18. September 2026Gewinnwarnung
Die operative Umsatzrendite soll 2026 höchstens 1 Prozent erreichen – statt 4,0 bis 5,5 Prozent. Rund 10 Milliarden Euro Sondereffekte werden erwartet.
- 30. September 2026Tarifverträge gekündigt
VW kündigt einen Großteil der Tarifverträge zum Jahresende, rund 100.000 Beschäftigte sind betroffen.
- 28. Oktober 2026Warnung aus China
China-Chef Brandstätter spricht vom Markt „im freien Fall“, die Vorzugsaktie notiert bei 69,44 Euro.
- 29. Oktober 2026Quartalszahlen
5,822 Milliarden Euro Verlust nach Steuern im dritten Quartal, operativ nur 71 Millionen Euro nach neun Monaten.
Im November beginnen die Gespräche
Die Jahresprognose bestätigte der Konzern: rund 315 Milliarden Euro Umsatz und höchstens 1 Prozent operative Rendite. Noch im September lag die Erwartung bei 4,0 bis 5,5 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet Volkswagen mit rund 10 Milliarden Euro Sondereffekten.
Im November beginnen bei der Kernmarke die Gespräche mit den Arbeitnehmern, Ende November starten die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaften drohen für Anfang 2027 mit Streiks.
Ob der Konzern die Drohung mit einem Angebot abwendet, ist offen.
