Angela Merkel (72) nimmt militärische Ehren mit Nationalhymne nur noch im Sitzen ab. Die Zitteranfälle von 2019 führt sie in einem neuen Fernsehgespräch auf den Tod ihrer Mutter und das Wissen um das Ende ihrer Kanzlerschaft zurück – und deutet die Anfälle heute anders als damals.
Anlass ist die MagentaTV-Sendung „Bestbesetzung“ mit Johannes B. Kerner (61), aufgezeichnet im Berliner Bode-Museum. Zu sehen ist das Gespräch an diesem Freitag ab 18 Uhr auf magenta.tv und in der MagentaTV-App, linear um 20:15 Uhr bei Moments TV – so steht es in der Ankündigung der Merkel-Ausgabe bei MagentaTV.
Der Körper setzt Zeichen
Bei den Auftritten vor militärischen Ehren habe sich Spannung entladen, sagt Merkel: „wahrscheinlich durch den Tod meiner Mutter oder auch die Tatsache, dass ich wusste, ich werde aufhören“. Ihre Mutter Herlind Kasner, Latein- und Englischlehrerin aus Templin, war am 6. April 2019 mit 90 Jahren gestorben; beigesetzt wurde sie im engsten Familienkreis.
Kerner fragte nach, ob sie sich zu wenig Zeit zum Trauern genommen habe – und Merkel beantwortet das mit einem Satz, der die Anfälle als Warnung des eigenen Körpers deutet, nicht als Krankheit.
„Wahrscheinlich ja. Ich habe es ja jetzt nicht direkt so empfunden, aber das war eben auch so ein Signal des Körpers: Jetzt mach mal Stopp, und dann muss man das eben auch so machen.“
Drei Anfälle in 22 Tagen
Der erste Anfall traf sie am 18. Juni 2019 beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Damals sprach Merkel von Flüssigkeitsmangel. Am 27. Juni zitterte sie im Schloss Bellevue, als Christine Lambrecht zur Justizministerin ernannt wurde, am 10. Juli beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne – da sagte sie, sie sei in einer „Verarbeitungsphase“.
Von der Trauer zum Zittern
- 6. April 2019Merkels Mutter stirbt
Herlind Kasner, 90, gelernte Latein- und Englischlehrerin aus Templin, stirbt.
- 18. April 2019Beisetzung im engsten Familienkreis
Die Trauerfeier findet in Templin ohne öffentliche Anteilnahme statt.
- 18. Juni 2019Erster Zitteranfall
Beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Selenskyj zittert Merkel am ganzen Körper; sie nennt Flüssigkeitsmangel als Grund.
- 27. Juni 2019Zweiter Anfall in Schloss Bellevue
Bei der Ernennung von Christine Lambrecht zur Bundesjustizministerin zittert Merkel erneut.
- 10. Juli 2019Dritter Anfall
Beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne spricht Merkel von einer „Verarbeitungsphase“.
- 2024Memoiren „Freiheit“ erscheinen
Darin schreibt Merkel, es habe „neurologisch und internistisch keine Befunde“ gegeben.
- 30. Oktober 2026Merkel erklärt die Anfälle im TV
In „Bestbesetzung“ nennt sie den Tod der Mutter und das Ende ihrer Kanzlerschaft als Auslöser.
Nur noch im Sitzen
Die Anfälle hatten eine Folge, die bis heute bei offiziellen Anlässen zu sehen ist. Merkel verzichtete beim Abspielen der Nationalhymne auf das Stehen – und beschreibt den Wechsel als Frage der Gewöhnung.
„Ich habe dann gesagt, ich mache militärische Ehren nur noch im Sitzen. War ein bisschen komisch beim ersten Mal. Nachher haben sich alle dran gewöhnt.“
In ihren 2024 erschienenen Memoiren „Freiheit“ hatte Merkel geschrieben, es habe „neurologisch und internistisch keine Befunde“ gegeben. Eine Osteopathin habe ihr erklärt, der Körper habe lang aufgestaute Spannungen abgebaut. An dieser Deutung hält sie fest, wie der Bericht des Spiegel zu den Zitteranfällen zeigt.
Eine Frau für das Schloss Bellevue
Auch zur Forderung nach einer Bundespräsidentin wurde sie befragt. Merkel sagte, sie würde sich das wünschen: „Es gibt 77 Jahre Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, und es gab noch nie eine Frau als Bundespräsidentin.“ Es gebe geeignete Frauen, „auch CDU-Frauen und CSU-Frauen“.
Die Öffentlichkeit ist gespalten. In einer Forsa-Umfrage vom August 2026 trauten 47 Prozent Merkel selbst das höchste Staatsamt zu, 48 Prozent nicht – so steht es in der Umfrage zu Merkel als Bundespräsidentin.
Ein Gespräch, kein Abschied
Das Gespräch blieb nicht bei der Gesundheit. Merkel lobte die klare Haltung von Bayern-Trainer Vincent Kompany zu Diskriminierung und wünschte ihm „die schnellste Besserung“. Zugleich wiederholte sie ihre Warnung vor einem Deutschland der AfD. Ob ihre Sätze über eine Bundespräsidentin Merkel eine Debatte auslösen, zeigt sich mit der Ausstrahlung an diesem Abend.
