Vor rund 70 Jugendlichen in Berlin hat Angela Merkel zum Kampf für die Demokratie aufgerufen und davor gewarnt, Deutschland der AfD zu überlassen. Kanzler Merz rügte sie für dessen Sprache – bei Digitalisierung und Verteidigung räumte sie eigene Versäumnisse ein.
Angela Merkel hat Schülerinnen und Schülern in Berlin davon abgeraten, Deutschland wegen des Rechtsrucks zu verlassen. „Ich würde Deutschland denen nicht überlassen“, sagte die Altkanzlerin am 14. Oktober im Funkhaus von Deutschlandfunk Kultur. Vor rund 70 Jugendlichen aus fünf Klassen rief sie zum Einsatz für die Demokratie auf: „Wir müssen mehr kämpfen für die Demokratie.“
Der Auftritt war der Auftakt der Reihe „Merkel unplugged“, in der sich die frühere Bundeskanzlerin vier Mal den Gedanken von Jugendlichen stellt. Moderiert wird sie von dem Deutschlandfunk-Kultur-Moderator Korbinian Frenzel. Die gebündelten Kernaussagen der Auftaktveranstaltung hat Deutschlandradio am selben Tag veröffentlicht.
Merkels Unterschied zwischen Linker und AfD
In Berlin zog Merkel eine klare Trennlinie zwischen den Rändern des Parteienspektrums. Die Linke sei „im Großen und Ganzen nicht gegen unser Grundgesetz“, sagte sie; bei der AfD habe sie dagegen „sehr viel mehr Zweifel“. Am Abend griffen WELT, FAZ und Deutschlandfunk die Sätze auf; im Zentrum: Merkels AfD-Kritik und ihre Verteidigung der Linken.
Merkel warnte zugleich davor, die AfD durch ständiges Reden über sie größer zu machen: „Und da müssen wir jetzt unheimlich aufpassen, dass man nicht die, die man nicht groß machen will, immer größer macht, weil man permanent über sie redet.“ Klare Haltung gehöre dazu: „Kompromiss um jeden Preis geht nicht.“
Neu ist die Abgrenzung nicht: Merkels Reaktion auf den AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt fiel im September ähnlich deutlich aus. Damals sagte sie, ihr blute als CDU-Mitglied das Herz.
Rüge für die Sprache des Kanzlers
Auch den amtierenden Kanzler sparte Merkel nicht aus. Friedrich Merz hatte über das „Stadtbild“ und über Zahnarztleistungen für Asylbewerber gesprochen. Zu diesen Äußerungen sagte Merkel in Berlin:
„Ich persönlich würde diese Sprache nicht verwenden.“
Angela Merkel, Altkanzlerin (CDU)
Sie verband die Kritik mit einer Grundregel: Wer über Zuwanderung spricht, müsse den Einzelfall im Blick behalten, nicht die Gruppe. „Wir müssen immer vom einzelnen Menschen reden“, sagte Merkel vor den Schülerinnen und Schülern.
Im Bundestag hatte Merz die AfD-Forderung nach Remigration als „ethnische Säuberung“ bezeichnet und damit AfD-Chefin Alice Weidel direkt attackiert. Merkels Einordnung aus Berlin dürfte in der CDU für Gesprächsstoff sorgen.
Merkel räumt eigene Versäumnisse ein
In Berlin ging es auch um ihre eigene Bilanz. Merkel räumte Versäumnisse ihrer 16-jährigen Amtszeit ein. Sie habe sich mehr vorgenommen, als sie erreicht habe – vor allem bei der Digitalisierung und bei den Verteidigungsausgaben.
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Angelegt ist die Reihe als direktes Gespräch: Die Jugendlichen sollen Merkel ihre Fragen selbst stellen. Die erste Runde im Funkhaus dauerte rund 90 Minuten.
Drei weitere Abende bis April 2027
Die erste Folge von „Merkel unplugged“ erscheint an diesem Abend ab 17 Uhr in der Deutschlandfunk-App und bei ARD Sounds. Deutschlandfunk Kultur zeigt sie am 16. Oktober um 12.05 Uhr, ab demselben Tag läuft sie auch als Video auf YouTube.
Zum Abschluss gab Merkel den Jugendlichen einen Auftrag mit: „Ihr müsst klarer sagen, was ihr wollt. Ihr seid die Zukunft!“ Der Satz schließt an ihren Appell an, für die Demokratie zu kämpfen – ihre Warnung vor Demokratieverlust in Kiel hatte sie erst Anfang Oktober bei der Verleihung des Hermann-Ehlers-Preises erneuert.
Feste Termine stehen bereits: der 9. Dezember 2026, der 17. Februar 2027 und der 14. April 2027. Ob Merkel bis dahin erneut Kanzler Merz und die AfD ins Visier nimmt, ist offen.