Demokraten beziffern Trumps Profite im Amt auf 2,25 Milliarden Dollar
Bild: KI-generiert
Korruptionsdebatte

Demokraten beziffern Trumps Profite im Amt auf 2,25 Milliarden Dollar

Fünf Tage vor den US-Zwischenwahlen werfen die Demokraten Trump vor, das Präsidentenamt zur Selbstbereicherung zu missbrauchen: 2,25 Milliarden Dollar realisierte Profite, 1,4 Milliarden allein mit Krypto. Das Weiße Haus weist alles zurück.

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2,25 Milliarden Dollar – auf diese Summe beziffern die Demokraten im US-Repräsentantenhaus den Profit, den Donald Trump aus seinem Präsidentenamt gezogen haben soll. Fünf Tage vor den Zwischenwahlen ist daraus der schärfste Angriff des Wahlkampfs geworden.

Angeführt wird der Vorwurf von Robert Garcia, dem ranghöchsten Demokraten im Kontrollausschuss. Sein öffentlich einsehbarer „Trump Family Digital Grift Wealth Tracker“ soll Profite aus Handelsgebühren, ausländischen Käufen und Stablecoin-Zinserträgen in Echtzeit fortschreiben. Trump und das Weiße Haus bestreiten alles.

Die Demokraten beziffern 2,25 Milliarden Dollar

Nach der Untersuchung des Ausschusses haben Trump und seine Familie durch ausländische Zahlungen, Deals mit „korrupten Oligarchen“ und andere Quellen rund 2,25 Milliarden Dollar an realisierten Profiten erzielt. Mit dem aktuellen Wert der digitalen Vermögenswerte steigt die Summe auf bis zu 9,7 Milliarden Dollar – mindestens 436 Millionen Dollar davon aus ausländischen Interessen.

Der Bericht wirft Trump und seiner Familie vor, diese Geschäfte „unerbittlich verfolgt“ zu haben, „um aus der Präsidentschaft Profit zu schlagen – in einer Größenordnung, die größer ist als in jeder Regierung der Geschichte, einschließlich seiner eigenen ersten Amtszeit“. Die Größe der Einnahmen setze „einen neuen Höchststand für Korruption“.

Die Liste reicht weiter: Trump soll verurteilte Straftäter begnadigt oder Strafen gemildert haben, nachdem hohe Summen an politische Komitees seiner Republikaner flossen. Der Klimaschutz sei zurückgedreht worden, weil Öl- und Gasindustrie massiv Wahlkampfspenden zahlten. Dazu Immobiliengeschäfte in der Golfregion, etwa ein 5,5-Milliarden-Dollar-Resort in Doha mit dem staatlichen katarischen Partner Qatari Diar. Auch die Deals von Schwiegersohn Jared Kushner und Vertrauten Steve Witkoff stehen im Fokus.

Nach Darstellung des Rechtswissenschaftlers Frank Bowman waren im Juli 2026 weltweit 24 Trump-Marken-Immobilienprojekte in Arbeit. Laut Washington Post flossen zudem 333 Millionen Dollar an Spenden für Trumps neuen Ballsaal im Weißen Haus; Firmen mit Verbindungen zu Trumps Söhnen erhielten Regierungsaufträge im Volumen von 3,2 Milliarden Dollar. Selbst der Datenzugang ist ein Geschäft: Trumps Verkauf von Frühzugang zu Truth-Social-Posts zeigt, wie nah Markt und Amt liegen.

1,4 Milliarden Dollar mit Krypto

Herzstück der Vorwürfe ist das Kryptogeschäft. Aus Trumps 927-seitiger Einkommensauskunft für 2025, die er dem Office of Government Ethics vorlegte, geht hervor: In seinem ersten Jahr der zweiten Amtszeit nahm er mehr als 1,4 Milliarden Dollar mit Kryptowährungen ein.

Woher Trumps Krypto-Einnahmen 2025 kommen

Die größten Posten aus der 927-seitigen Einkommensauskunft des Präsidenten

Quelle: Office of Government Ethics, Einkommensauskunft 2025

Wie das Geld fließt, erklärt der Finanzexperte Mark Hays von der Organisation Demand Progress am Beispiel von World Liberty Financial. Die Vereinigten Arabischen Emirate investierten zwei Milliarden Dollar in die Krypto-Börse Binance – abgewickelt über die von der Trump-Familie mitbegründete Kryptowährung. Der Wert der Währung stieg dadurch sprunghaft.

Kurz nach dem Deal erwarb die Herrscherfamilie der Emirate Anteile an World Liberty Financial im Wert von 500 Millionen Dollar. Im Gegenzug, so der Vorwurf, lockerte die Trump-Regierung Export- und Lizenzregeln zugunsten der Emirate.

Hays zieht daraus einen grundsätzlichen Schluss: „Der Präsident verschafft nicht nur sich und seinen Freunden finanzielle Vorteile. Er macht Deals auf Kosten nationaler Interessen zugunsten eigener familiärer Interessen.“

Die Regeln für solche Geschäfte hat Trump nach Darstellung der Demokraten selbst mitgeschrieben: Der GENIUS Act, den er im Juli 2025 unterzeichnete, schuf einen Rahmen für Krypto-Stablecoins, von dem seine eigenen Firmen profitierten. Anders als frühere Präsidenten überführte er sein Vermögen nicht in einen Blind Trust.

Der Jet aus Katar

Neben den Krypto-Milliarden steht ein Geschenk aus der Golfregion im Zentrum. Die katarische Herrscherfamilie überließ Trump eine Boeing 747-8 im Wert von rund 400 Millionen Dollar.

Die Maschine fliegt inzwischen als VC-25B „Bridge“ als Übergangs-Air-Force-One, weil Boeing die bestellten neuen Präsidentenmaschinen erst 2028 liefert. Die Nachrüstung mit Sicherheitstechnik kostet nach Angaben der Air Force „wahrscheinlich“ unter 400 Millionen Dollar; der Demokrat Joe Courtney rechnet mit über einer Milliarde. Eine detaillierte Kostenaufstellung wurde nie veröffentlicht.

Verfassungsrechtlich ist das heikel: Die Foreign Emoluments Clause verbietet Amtsträgern, ohne Zustimmung des Kongresses Geschenke ausländischer Regierungen anzunehmen. Der Rechtswissenschaftler Frank Bowman argumentiert in Slate, die Annahme sei ein klarer Verstoß. Trump hatte das Geschenk als Übergabe an das Verteidigungsministerium bezeichnet; die Nutzung sei „sehr öffentlich und transparent“.

Von der Jet-Schenkung bis zur Wahl

  1. Mai 2025
    Katar schenkt eine Boeing 747-8

    Die Herrscherfamilie übergibt eine Maschine im Wert von rund 400 Millionen Dollar; die Demokraten sprechen von blanker Korruption.

  2. 18. Juli 2025
    Trump unterzeichnet den GENIUS Act

    Der Rahmen für Krypto-Stablecoins kommt nach Darstellung der Demokraten Firmen der Trump-Familie zugute.

  3. Januar 2026
    Stichtag der Ausschussanalyse

    2,25 Milliarden Dollar realisierte Profite, bis zu 9,7 Milliarden Dollar inklusive digitaler Vermögenswerte.

  4. 1. Juli 2026
    Erster offizieller Flug mit dem Katar-Jet

    Gleichzeitig weist die Einkommensauskunft für 2025 mehr als 1,4 Milliarden Dollar Krypto-Einnahmen aus.

  5. 21. Oktober 2026
    Korruption wird Wahlkampfthema

    Recherchen zu Trumps Milliarden bringen das Thema auf die Agenda kurz vor den Midterms.

  6. 3. November 2026
    US-Zwischenwahlen

    Repräsentantenhaus, Teile des Senats und Gouverneurswahlen stehen an.

Das Weiße Haus widerspricht, die Wähler zweifeln

Sprecher Davis Ingle erklärte, Trump habe „den uneingeschränkten Kampf gegen Betrug in der gesamten Bundesregierung gestartet“. Es gebe „keine Interessenkonflikte“, der Präsident handle „ausschließlich im besten Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit“. Den Demokraten warf er vor, nichts gegen Verschwendung und Missbrauch zu unternehmen.

Sprecherin Olivia Wales sagte, Trump konzentriere sich auf die Verteidigung der republikanischen Mehrheiten und darauf, die Kosten für Familien zu senken; die Demokraten hätten „keine Agenda“, nur „Pläne zu blockieren“. Die Trump Organization nannte die Vorwürfe ein „haltloses politisches Manöver“ und betonte, die Anlagen würden von unabhängigen Finanzinstituten über automatisierte Modellportfolios verwaltet.

Wie stark Korruption die Wähler umtreibt

Anteil der Befragten mit Korruptionssorgen – verschiedene Umfragen mit unterschiedlichen Fragen, Oktober 2026

Quelle: Gallup, FT/Focaldata, Fox News, AP, CNBC

Die Umfragen zeichnen ein anderes Bild als das Weiße Haus. In der Erhebung von Financial Times und Focaldata unter 1.648 registrierten Wählern (16. bis 18. Oktober) machen sich 69 Prozent „sehr“ oder „etwas“ Sorgen über Korruption, Eigeninteressen oder Interessenkonflikte in der Regierung – fast die Hälfte davon hatte 2024 noch Trump gewählt.

Die CNBC All-America Economic Survey (14. bis 18. Oktober) sah Korruption mit 36 Prozent als wichtigstes Problem vor Lebensmittelpreisen (34 Prozent); der Fox-News-Poll fand 60 Prozent „extrem besorgt“. Laut Gallup halten 89 Prozent der Amerikaner Korruption in der Regierung für weit verbreitet – Rekordwert. Eine Harris-Umfrage für den Guardian ergab, dass 76 Prozent der Wähler glauben, gewählte Amtsträger kümmerten sich mehr um die eigene Bereicherung als um die Wirtschaft für normale Menschen.

Eine AP-Umfrage zeigt: 59 Prozent sind überzeugt, Trump sei mehr am eigenen Profit interessiert als am Wohl der Bürger; 41 Prozent stufen sein Verhalten als illegal ein, weitere 18 Prozent als unethisch. Der Columbia-Professor Jeremy Ney erklärt die Wirkung so: „Wenn eine Familie eine Geschichte über Krypto-Gewinne des Präsidenten liest, während sie gleichzeitig entscheidet, ob sie ihren teuren Arzttermin verschieben soll, dann sieht sie, dass das System für jemanden funktioniert – nur nicht für sie.“ Genau dieser Vergleich dürfte die Demokraten im Wahlkampf tragen.

Was nach dem 3. November droht

Ganz sicher ist die Partei ihres Themas nicht. Der Senator Sheldon Whitehouse kritisierte die eigene Kommunikation: „Wir waren so schwach in der Behandlung dieses Themas, dass die Wähler nicht wissen, ob Demokraten überhaupt besser sind, als Republikaner.“ Diese Sorge treibt die Parteiführung fünf Tage vor der Wahl um.

Sollten die Demokraten am 3. November eine Kammer erobern, erhalten sie Vorladungsrecht und damit die Macht, Untersuchungen einzuleiten. Ganz oben auf der Liste stehen laut BBC Trumps Familie und Finanzen – Krypto-Firmen, Kushners Auslandsgeschäfte, der Katar-Jet und Rüstungsaufträge für Trump-nahe Firmen. Acht Tage vor der Wahl hatten die Demokraten bereits einen 53-seitigen Epstein-Bericht vorgelegt, der Trump belastet.

Der Abgeordnete Suhas Subramanyam sagte der BBC: „Was mich schockiert, ist nicht nur, dass diese Regierung, Kabinettsmitglieder und sogar der Präsident und seine Familie korrupt waren und sich selbst bedient haben, sondern dass sie so dreist und offen damit umgehen.“ Weitere mögliche Ziele sind Verteidigungsminister Pete Hegseth und der Iran-Krieg sowie die Einwanderungspolitik. Über eine dritte Amtsenthebung sind die Demokraten gespalten. Trump selbst hatte die Geschäfte im Januar mit den Worten kommentiert: „Es kümmert niemanden.“

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