Tankrabatt drückt Inflation im Oktober auf 2,8 Prozent
Der Tankrabatt drückt die Inflationsrate im Oktober auf 2,8 Prozent – erwartet waren 3,0 Prozent. Doch die Entlastung endet mit dem Jahreswechsel, und Ökonomen rechnen schon wieder mit mehr als drei Prozent Teuerung.
Die Entlastung ist schmal und kommt von der Zapfsäule. Energie verteuerte sich im Vorjahresvergleich noch um 12,2 Prozent, im September waren es 14,9 Prozent. Nahrungsmittel legten nur um 0,4 Prozent zu, Dienstleistungen um 2,5 Prozent. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie liegt bei 2,1 Prozent.
Inflationsrate in Deutschland 2026
Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat
Quelle: Statistisches Bundesamt
Energie bleibt der größte Preistreiber
Hinter den 2,8 Prozent steckt eine politische Entscheidung: Der Bundestag hatte am 25. September den zweiten Tankrabatt des Jahres beschlossen, eine Energiesteuersenkung von 14,04 Cent je Liter, befristet vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember. Seit dem 1. Oktober sinken die Preise an den Zapfsäulen etwas.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer macht keinen Hehl daraus, wem die Entlastung zu verdanken ist: „Dass die Inflation unter die Marke von 3 Prozent fällt, liegt vor allem am Tankrabatt.“ Wie Stern-Bericht zum Rückgang auf 2,8 Prozent, rechnet er mit einem kurzen Effekt.
„Um die Jahreswende wird die Inflation wohl wieder über drei Prozent liegen.“
Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank
Denn der Rabatt ist befristet: Mit dem 31. Dezember fällt die Steuersenkung weg – und mit ihr der dämpfende Effekt auf die Teuerungsrate. Krämer erwartet, dass die hohen Energiepreise dann schrittweise auf andere Güter durchschlagen.
Erwartungen verfehlt, EZB wartet ab
Die Prognose der Analysten hat die Zahl verfehlt: gerechnet worden war mit 3,0 Prozent. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding beziffert den dämpfenden Effekt des Tankrabatts auf 0,3 Prozentpunkte – ohne die Steuersenkung läge die Rate also spürbar höher.
Die Europäische Zentralbank beließ am 29. Oktober den Leitzins bei 2,5 Prozent und signalisierte eine mögliche Erhöhung im Dezember. Im Euroraum liegt die Teuerung zuletzt bei 3,8 Prozent, weil Energiepreise die Inflation im Euroraum antreiben.
Umfrage
Lädt
Was nach dem 31. Dezember gilt
Der Tankrabatt läuft zum 31. Dezember 2026 aus. Bundesbank und Ökonomen erwarten danach wieder mehr als drei Prozent Teuerung. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) soll spätestens Anfang 2027 einen Spritpreisdeckel vorlegen, der die Preise an den Tankstellen begrenzen soll.
Von der Ölpreiswelle zum zweiten Tankrabatt
Ende Februar 2026
Krieg treibt die Energiepreise
Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran verteuert Öl, Benzin und Diesel stark.
30. Juni 2026
Erster Tankrabatt läuft aus
Danach zieht die Inflation wieder an.
Juli bis September 2026
Teuerung klettert auf 3,3 Prozent
Die Rate steigt von 2,8 über 2,9 auf 3,3 Prozent – getrieben von rekordhohen Sprit- und Heizölpreisen.
25. September 2026
Bundestag beschließt zweiten Rabatt
Die Energiesteuer sinkt vom 1. Oktober bis 31. Dezember um 14,04 Cent je Liter.
30. Oktober 2026
Vorläufige Rate: 2,8 Prozent
Energie liegt noch 12,2 Prozent über dem Vorjahr, Nahrungsmittel nur 0,4 Prozent.
31. Dezember 2026
Tankrabatt endet
Bundesbank und Ökonomen erwarten danach wieder mehr als drei Prozent Teuerung.
Bis dahin bleibt die Entlastung eine Momentaufnahme auf Zeit. Die endgültigen Oktober-Zahlen will Destatis am 11. November 2026 veröffentlichen – ob der angekündigte Spritpreisdeckel die Lücke schließt, die der auslaufende Tankrabatt reißt, entscheidet sich erst 2027.