AfD-Politiker Nolte will Wehrpflicht und 600.000 Reservisten
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Bundeswehr

AfD-Politiker Nolte will Wehrpflicht und 600.000 Reservisten

Der AfD-Verteidigungspolitiker Jan Nolte fordert die Rückkehr zur Wehrpflicht – und eine Reserve von 600.000 Soldaten, das Dreifache der bisherigen Planung. In der eigenen Partei ist der Vorstoß umstritten.

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Im Ernstfall müssten 600.000 Reservisten bereitstehen – heute sind es rund 60.000. Der AfD-Verteidigungspolitiker Jan Nolte hält die geplante Reserve der Bundeswehr für viel zu klein und fordert die Wiedereinführung der Wehrpflicht.

Anlass ist sein Gastbeitrag für die Berliner Zeitung vom 29. Oktober. Darin schreibt der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Freiwilligkeit reiche nicht aus. Einen Tag später greift die Junge Freiheit das Plädoyer auf, wie der Bericht über Noltes Vorstoß zeigt.

Nolte nennt 600.000 Reservisten „die weitaus realistischere Größenordnung“ – das Dreifache der bis 2033 angepeilten mindestens 200.000. Diese Größe auf Basis von Freiwilligkeit zu erreichen, sei „völlig illusorisch“, schreibt er.

Reserve der Bundeswehr: heute, geplant, von Nolte gefordert

Beorderte Reservisten im Vergleich zu politischen Zielmarken

Quelle: Berliner Zeitung/Junge Freiheit, Oktober 2026

Abschreckung ohne Furcht vor Moskau

Einen konventionellen Angriff auf die Nato hält Nolte für unwahrscheinlich – und dreht das Argument um: Gerade weil die Bedrohung gering erscheine, brauche es fähige Streitkräfte. Wer auf das Ausbleiben einer Krise vertraue, handle „fahrlässig und politisch unverantwortlich“.

„Dass wir relativ wenig Sorge vor einem konventionellen Angriff haben müssen, ist aber kein Argument gegen, sondern für fähige Streitkräfte. Deren Wirkung liegt gerade in der glaubhaften Abschreckung.“
Jan Nolte, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion

Geld ist der zweite Streitpunkt: Nolte kritisiert den Aufwuchsplan von Verteidigungsminister Boris Pistorius als schuldenfinanziert. „Das sind Summen, die sich, insbesondere wenn es in der Ukraine zu einem Frieden kommen sollte, nicht mehr vermitteln lassen werden“, warnt er. Sein Gegenmodell: eine mittelgroße aktive Armee mit großer Reserve, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung soll bleiben.

Widerstand in der eigenen Fraktion

In der AfD ist der Vorstoß nicht unumstritten. Das Grundsatzprogramm fordert die Wehrpflicht zwar, Parteichef Tino Chrupalla gilt aber als Kritiker. Ob aus dem Plädoyer ein Fraktionsbeschluss wird, ist damit offen – der Verteidigungsexperte muss zuerst die eigene Partei hinter sich bringen.

Von der ausgesetzten Wehrpflicht zu Noltes Vorstoß

  1. 2011
    Wehrpflicht ausgesetzt

    Die Bundesrepublik setzt die Wehrpflicht aus und baut die Bundeswehr zur Freiwilligenarmee um.

  2. 1. Januar 2026
    Neuer Wehrdienst tritt in Kraft

    Union und SPD führen Fragebogen- und Musterungspflicht für Männer ab Jahrgang 2008 ein, der Dienst bleibt freiwillig.

  3. 29. Oktober 2026
    Gastbeitrag in der Berliner Zeitung

    Nolte fordert die Wiedereinführung der Wehrpflicht und eine Reserve von 600.000 Soldaten.

  4. 30. Oktober 2026
    Bericht über das Plädoyer

    Die Junge Freiheit greift Noltes Vorstoß auf, der Beitrag wird in der laufenden Debatte breit diskutiert.

Der Zeitpunkt fällt in eine laufende Auseinandersetzung. Mit dem „Neuen Wehrdienst“ sind seit Jahresbeginn alle Männer ab Jahrgang 2008 zum Fragebogen und zur Musterung verpflichtet. Schon jetzt lässt sich mustern, wer gar nicht dienen will – Musterung von 18-Jährigen ohne Dienstwillen.

Die Gegenwehr wächst: Bis August 2026 wurden 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung 2026 gezählt, mehr als dreimal so viele wie im Vorjahr. Anfang Oktober kamen bis zu 40.000 Demonstrierende gegen die Wehrpflicht vor dem Brandenburger Tor zusammen.

Was bis 2033 entschieden wird

Die aktive Truppe hat die Marke von 190.000 Soldaten überschritten, Pistorius will 260.000 erreichen. Ob die Fraktion Noltes 600.000er-Reserve mitträgt oder bei Chrupallas Linie bleibt, ist offen – und damit auch, ob aus dem Plädoyer ein Gesetzentwurf wird.

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