Angela Merkel greift den Kurs der CDU unter Kanzler Friedrich Merz an. „CDU pur ist nicht Wirtschaftspolitik“, sagte die Altkanzlerin in ihrem neuen TV-Interview – ein Satz, der die Partei in einer Phase trifft, in der sie vor allem über ihre Abgrenzung zur AfD streitet.
Anlass ist die 45-minütige Sendung „Bestbesetzung“ von Johannes B. Kerner, aufgezeichnet im Berliner Bode-Museum. Die Folge ist seit dem 30. Oktober 2026, 18:00 Uhr, exklusiv bei MagentaTV abrufbar – auch ohne Abo. Die lineare Ausstrahlung folgt um 20:15 Uhr bei Moments TV.
„CDU pur ist Brückenbauen“
Merkel setzt dem Merz-Kurs eine eigene Definition entgegen. CDU pur sei „Brückenbauen“ zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, zwischen Zugewanderten und Alteingesessenen, zwischen Stadt und Land – „ein Angebot für jeden Staatsbürger“, wie der WELT-Bericht über Merkels Satz zu CDU pur zusammenfasst.
„CDU pur ist nicht Wirtschaftspolitik, sondern CDU pur ist eine Brücke zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern und auch zwischen denen, die zu uns zugewandert sind, die eine Migrationsgeschichte haben, und denen, die schon lange bei uns leben, zwischen Stadt und Land. Das ist CDU pur, ein Angebot für jeden Staatsbürger.“
Zwei Stufen: AfD und Linke
Bei den Unvereinbarkeitsbeschlüssen gegenüber AfD und Linke folgt Merkel ihrer Partei – macht aber einen Unterschied. Die Ablehnung der NATO durch die Linke nennt sie „vollkommen inakzeptabel“. Dem Berliner Landesverband attestiert sie „ein sehr, sehr schweres Problem, was den Antisemitismus anbelangt“.
Bei der AfD wiegt für sie schwerer, was die Partei mit Menschen macht: Sie wirft ihr vor, zu spalten und „die Würde einiger Menschen infrage“ zu stellen. Zugleich warnt sie, es werde „viel zu sehr“ nur noch über die AfD gesprochen – „so überzeuge ich doch niemanden, meine Partei zu wählen“.
„Man versucht zu spalten, man versucht, die Würde einiger Menschen infrage zu stellen. Das sind grundsätzliche Fragen, und deshalb ist für mich die Nicht-Zusammenarbeit mit der AfD nochmal auf einer ganz höheren und grundsätzlicheren Stufe.“
Broder kontert mit SED-Vergleich
Widerspruch kommt von Henryk M. Broder. Der Publizist wirft Merkel im WELT-Video vor, sich „nach 16 Jahren Kanzlerschaft dermaßen im Ton vergriffen“ zu haben. Ihre Kritik an der Linken kontert er mit einer historischen Herleitung – und wird dabei deutlich.
„Die Linke ist die Nachgeburt der SED.“
Zitteranfälle und ein Wunsch
Für ihre Zitteranfälle von 2019 findet Merkel eine Erklärung in innerer Anspannung: „Wahrscheinlich durch den Tod meiner Mutter oder auch die Tatsache, dass ich wusste, ich werde aufhören.“ Der Körper setze dann „einfach Zeichen“. Seitdem absolviert sie militärische Ehren im Sitzen, wie der Tagesspiegel über Merkels Erklärung der Zitteranfälle berichtet.
Ein zweites Thema schneidet sie an, ohne Namen zu nennen: „Es gibt 77 Jahre Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, und es gab noch nie eine Frau als Bundespräsidentin.“ Sie kenne „Menschen, die sind schon geboren und die sind weiblich und die könnten’s“. Über den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier entscheidet die Bundesversammlung am 30. Januar 2027.
Von den Zitteranfällen bis zur Bundesversammlung
- 2019Zitteranfälle bei militärischen Ehren
Mehrere Anfälle, unter anderem beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Merkel absolviert das Zeremoniell danach im Sitzen.
- 2021Abschied nach 16 Jahren
Merkel tritt nicht erneut zur Bundestagswahl an und verlässt das Kanzleramt.
- 30. Oktober 2026Interview im Bode-Museum
Die 45-minütige Folge „Bestbesetzung“ mit Johannes B. Kerner ist ab 18:00 Uhr bei MagentaTV abrufbar, linear um 20:15 Uhr bei Moments TV.
- 30. Januar 2027Entscheidung über das Präsidentenamt
Die Bundesversammlung soll über den Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier entscheiden.
Wie die CDU reagiert
Am Morgen des 30. Oktober greifen Bild, BZ, Tagesspiegel, n-tv und Merkur Aussagen aus dem Interview auf – von den Zitteranfällen über den Wunsch nach einer Bundespräsidentin bis zur Kritik an der Berliner Linken. Auch Merkels Satz zu „CDU pur“ wird in der Berichterstattung aufgegriffen.
Für die CDU ist der Auftritt heikel: 48 Prozent trauen Merkel mehr zu als Merz, während der Kanzler um seinen Kurs nach dem Wahldebakel ringt. Offen ist, ob Merz auf den Satz aus dem Bode-Museum antwortet. Die nächste Station: Am 30. Januar 2027 entscheidet die Bundesversammlung über die Nachfolge Steinmeiers.
