Merz ringt in Berliner CDU-Klausur um Kurs nach Wahldebakel
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Parteikrise

Merz ringt in Berliner CDU-Klausur um Kurs nach Wahldebakel

Sechs Wochen nach den Niederlagen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern berät das CDU-Präsidium in Berlin über den Kurs – und über Friedrich Merz. Vize Karin Prien und der Arbeitnehmerflügel fordern einen Kurswechsel, Hessens Ministerpräsident Boris Rhein will mehr Konservatismus.

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Die CDU liegt in Umfragen bei 19 Prozent, die AfD bei 30. Seit Sonntag, 13 Uhr, tagt das CDU-Präsidium in Berlin, um zu klären, wie die Partei aus dem Absturz herauskommt. Am Montag um 13.30 Uhr müssen Kanzler Friedrich Merz und Generalsekretärin Franziska Hoppermann auf einer Pressekonferenz erklären, welchen Kurs die Partei künftig fährt.

Rund 25 Präsidiumsmitglieder beraten zwei Tage lang hinter verschlossenen Türen in der Parteizentrale, wie dem Tagesschau-Bericht zur Klausur des CDU-Präsidiums zu entnehmen ist. Hoppermann war bereits am Sonntagmittag vor die Presse getreten.

Sinkflug unter 20 Prozent

Die Zahlen sind der Anlass der Klausur: Im Insa-Sonntagstrend kommt die CDU auf 19 Prozent, die AfD auf 30 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 hatte die Union noch 28,5 Prozent geholt. Die CDU liegt damit bundesweit klar unter der 20-Prozent-Marke.

CDU fällt unter 20 Prozent, die AfD steigt auf 30

Stimmenanteile in Prozent

Quelle: Insa-Sonntagstrend Oktober 2026; Bundestagswahl 2025

Vor der Klausur wuchs der Druck aus den eigenen Reihen, wie der Handelsblatt-Bericht zum wachsenden Druck auf Merz zeigt. Der Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Dennis Radtke, nannte den von Merz vertretenen Kurs einer „CDU pur“ gescheitert und forderte einen Kurswechsel.

Von Sachsen-Anhalt bis Berlin

Die Klausur reagiert auf sechs Wochen Niederlagen. Am 6. September stürzte die CDU in Sachsen-Anhalt auf 17,2 Prozent ab, die AfD kam auf 43,8 Prozent. Zwei Wochen später siegte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern; die CDU scheiterte dort erstmals in ihrer Geschichte an der Fünf-Prozent-Hürde mit 4,9 Prozent – das Aus der CDU in Mecklenburg-Vorpommern. Am selben Abend verdrängte die Linke die CDU in Berlin von Platz eins.

Wie es zur Klausur kam

  1. 6. September 2026
    Debakel in Sachsen-Anhalt

    Die CDU stürzt auf 17,2 Prozent (minus fast 20 Punkte), die AfD erreicht 43,8 Prozent.

  2. 20. September 2026
    AfD siegt in Mecklenburg-Vorpommern

    Die CDU fällt erstmals in ihrer Geschichte unter fünf Prozent; in Berlin verdrängt die Linke die CDU von Platz eins.

  3. 6. Oktober 2026
    AfD stellt den Landtagspräsidenten

    Tobias Rausch wird mit 48 Stimmen gewählt – vier mehr, als AfD und BSW zusammen im Landtag haben.

  4. 10. Oktober 2026
    Rufe nach Kurswechsel

    CDA-Chef Radtke nennt den Kurs „CDU pur“ gescheitert, Vize Prien widerspricht der Forderung nach mehr Konservatismus.

  5. 12. Oktober 2026
    Pressekonferenz mit Merz

    Präsidium um 9 Uhr, Bundesvorstand um 11 Uhr, um 13.30 Uhr treten Merz und Hoppermann vor die Presse.

Prien widerspricht Rhein

Der Kursstreit liegt offen. CDU-Vize Karin Prien sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Ansatz „CDU pur“ sei gescheitert. Die Forderung des hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein, die CDU müsse konservativer werden, lehnt sie entschieden ab. „Wir haben zwei, drei Jahre geschwiegen, das geht jetzt nicht mehr“, sagte Prien.

„Wir müssen uns um all die Themen kümmern, die für die ganz normalen Leute wichtig sind: Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Migration, Arbeitsplätze.“
Boris Rhein, Ministerpräsident von Hessen

Auch Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt drängt auf andere Prioritäten: „Wir müssen darüber reden, wie für die Menschen das Leben wieder bezahlbar wird.“ Prien hatte bereits vor der Klausur die CDU für zu konservativ erklärt und Rhein widersprochen.

Der Streit um die AfD-Stimmen

In Sachsen-Anhalt sitzt die AfD seit dem 6. Oktober auf dem Präsidentenstuhl des Landtags. Tobias Rausch wurde mit 48 Stimmen zum Landtagspräsidenten gewählt – vier mehr, als AfD und BSW zusammen haben. Die SPD wirft CDU-Abgeordneten vor, für Rausch mitgestimmt zu haben. Vizepräsident wurde Hans-Thomas Tillschneider.

Am 7. Oktober kam der Koalitionsausschuss von Union und SPD nach viermonatiger Pause im Kanzleramt zusammen; die SPD verlangte Aufklärung über mögliche CDU-Stimmen für Rausch. Merz hatte 2021 angekündigt, jeden aus der CDU auszuschließen, der mit der AfD zusammenarbeitet.

Für Prien ist die Antwort auf die Frage nach solchen Bündnissen eindeutig.

„Wer entgegen unserer Beschlusslage die Nähe und die Zusammenarbeit mit der AfD sucht, der muss die CDU Deutschlands verlassen. Denn dies droht die Existenz der ganzen Partei zu gefährden.“
Karin Prien, stellvertretende CDU-Vorsitzende und Bundesbildungsministerin

Gauck kommt, Seehofer zweifelt

Am Abend ist Ex-Bundespräsident Joachim Gauck als Gast zum Essen geladen. Vor der Klausur attestierte Ex-CSU-Chef Horst Seehofer dem Kanzler einen „massiven Glaubwürdigkeitsverlust“ – Merz habe Wahlversprechen gebrochen.

Am Montag entscheidet sich, ob die Partei mit einer gemeinsamen Linie aus Berlin herauskommt.

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Um 13.30 Uhr treten Merz und Hoppermann vor die Presse. Dort muss der Kanzler erklären, welche Linie die CDU nach sechs Wochen Niederlagen fährt – und ob die Kritiker aus den Ländern, Radtke, Prien und Rhein, mitgehen.