48 % der Deutschen trauen Merkel mehr zu als Kanzler Merz
48 Prozent der Bundesbürger halten Angela Merkel für die bessere Problemlöserin als Kanzler Friedrich Merz. Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek nennt Merz' Anspruch „CDU pur“ einen Grundirrtum und verweist auf Merkels knapp 33 Prozent gegen Merz' 28,6 Prozent.
48 Prozent der Bundesbürger halten Angela Merkel für die bessere Problemlöserin – besser als den Mann, der ihr Amt heute führt. In der YouGov-Umfrage zur Kanzlerfrage vom 2. Oktober trauen nur 8 Prozent Friedrich Merz mehr zu. 29 Prozent sehen beide gleichauf, 15 Prozent machten keine Angabe. Auftraggeber der Erhebung war die dpa.
Das Urteil trifft einen Kanzler, der seine Vorgängerin seit Jahren als Gegenmodell führt. Der Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek hält Merz' Anspruch „CDU pur“ für einen „Grundirrtum“. Unabhängig davon erzielte die CDU/CSU bei der letzten Bundestagswahl unter Merkel knapp 33 Prozent; die Union kam im Februar 2025 unter Merz auf 28,6 Prozent. Diese Wahlergebnisse belegen nicht Matuscheks Einschätzung zu Merz' politischem Anspruch.
Nur 15 Prozent sind mit Merz zufrieden
Der Vergleich mit Merz' unmittelbarem Vorgänger fällt ebenfalls gegen ihn aus. Matuschek verweist auf die Mehrheit, die findet, Merz regiere nicht besser als Olaf Scholz, den er immer kritisiert habe. In der INSA-Erhebung vom 28. September bis 2. Oktober waren nur 15 Prozent der Befragten mit dem Kanzler zufrieden; die AfD kam auf 30 Prozent, die Union auf 18.
Union verliert seit Merkels letzter Wahl an Zustimmung
Quelle: CDU/CSU-Ergebnisse bei Merkels letzter Wahl und im Februar 2025; INSA-Erhebung 28.09.–02.10.2026
Für die Union liegen diese Werte weit unter Merkels letzten Wahlen. Zwischen ihr und der AfD liegen in der INSA-Erhebung zwölf Punkte. Im ZDF-Politbarometer erreicht Merz mit seinem Negativrekord von minus 1,9 einen neuen Tiefpunkt.
Buch, Ausstellung und 1.200 Zuschauer
Die Sehnsucht nach Merkel hat konkrete Anlässe: Ihre 736-seitige Autobiografie „Freiheit“ ist laut Verlag weltweit mehr als eine Million Mal verkauft, das Porträt im Berliner Bode-Museum wird bis zum 3. Januar verlängert. Bei einer Lesung in Peenemünde kamen im September rund 1.200 Menschen – Anzeichen einer Merkel-Mania, die viele Fans bewegt.
„Wenn man jetzt fragt nach dem Vergleich, dann sagt eine Mehrheit, dass Merz nicht besser regiert als sein Vorgänger Olaf Scholz, den er immer kritisiert hat. Bei Merkel fällt das Urteil noch eindeutiger aus. Da mag natürlich auch ein bisschen Nostalgie im Spiel sein. Aber Merkel hatte eben auch in ihrer aktiven Zeit sehr, sehr hohe Zustimmungswerte.“
Peter Matuschek, Geschäftsführer des Instituts Forsa
Der Duisburger Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte führt Merkels Wirkung auf ihre „Empörungsverweigerung“ zurück: „In Zeiten unserer Aufregungsdemokratie tut es gut, diese Merkel'sche Empörungsverweigerung mitzuerleben“, sagt er. Präsidiale Leutseligkeit – überparteilich, provozierend unpathetisch – sei „ungewöhnlich für die Berliner Republik der Wichtigtuer“.
Merkel signiert, Merz verliert
Merkel selbst hält sich mit Ansagen zur Tagespolitik zurück. Im Februar 2026 trat sie erstmals wieder bei einem CDU-Parteitag auf und wurde gefeiert; anschließend dementierte sie Gerüchte über eine Kandidatur als Bundespräsidentin oder als Ukraine-Vermittlerin. Ihr Rezept bleibt nüchtern: „Maß und Mitte, das ist Basis und Voraussetzung für den Erfolg demokratischer Parteien.“
Umfrage
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Für Merz wird die Lage dadurch nicht einfacher: 47 Prozent Zustimmung für Merkel als Bundespräsidentin stehen 48 Prozent Ablehnung gegenüber, und eine Mehrheit für den Rücktritt von Merz macht den Druck auf den Kanzler sichtbar. Ob aus Merkels Popularität mehr wird als Sympathie, entscheidet sich nicht in Umfragen – eine Rückkehr in die Politik hat sie bislang nicht angekündigt.