Elif Eralp kam an diesem Samstag nur mit Personenschützern zum Parteitag ihrer Partei. Die Berliner Linke berät dort darüber, ob sie mit SPD und Grünen Koalitionsverhandlungen aufnimmt.
Der außerordentliche Landesparteitag tagte ab 10 Uhr im Đồng Xuân Center in Berlin-Lichtenberg. Die Beschlussfassung über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen war für 14:45 Uhr vorgesehen, das Ende für 16:30 Uhr – so steht es im Liveblog des Tagesspiegel zum Parteitag.
Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhauswahl 2026
Stimmenanteile in Prozent
Personenschutz für die Spitzenkandidatin
Am Freitag entschied die Polizei, Eralp für den Parteitag Personenschützer zur Seite zu stellen. Zuvor hatte sie am Donnerstag eine neue Gefährdungsbewertung durch das Landeskriminalamt erbeten, wie ein Bericht über Eralp und ihre Personenschützer festhält. Generellen Schutz haben in Berlin sonst nur Kai Wegner und Iris Spranger.
„Es vergeht kein Tag, an dem nicht versucht wird, uns und mich zum Aufgeben zu zwingen.“
Die Debatte war am 29. Oktober eskaliert, als der „Spiegel“ interne Anmerkungen Eralps zu einem Interview veröffentlichte, wonach sie und ihr Mann Angst vor Hamas-Sympathisanten aus dem Umfeld der Berliner Linken haben sollen. Einen Tag später stellten sich mehr als 100 Linke-Politiker in einer Erklärung hinter sie.
Wie es zur Entscheidung kam
Am 17. Oktober präsentierten Linke, SPD und Grüne ihr Sondierungspapier „Mehr gemeinsam, mehr Berlin“ mit der Vergesellschaftung der großen Wohnungskonzerne ab 10.000 Wohnungen. Schwerdtner und Pantisano werfen Kritikern vor, gegen Eralp Stimmung zu machen, seit die Linke in Berlin gewinnen könne und es mit der Vergesellschaftung ernst meine.
Widerstand kommt auch aus der eigenen Anhängerschaft: Die Linksjugend Solid forderte einen Tag vor dem Parteitag ein Nein zu Koalitionsverhandlungen – wie der Widerstand der Linksjugend gegen die Koalition zeigt. Der SPD-Landesvorstand hatte am 26. Oktober eine bindende Mitgliederbefragung über einen Koalitionsvertrag beschlossen.
Von der Wahl zum Parteitag
- 20. September 2026Die Linke gewinnt die Berliner Wahl
25,7 Prozent – stärkste Kraft vor CDU (18,8), AfD (16,3), Grünen (14,3) und SPD (12,1 Prozent).
- 17. Oktober 2026Sondierungspapier vorgestellt
Linke, SPD und Grüne einigen sich auf „Mehr gemeinsam, mehr Berlin“, darunter die Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen ab 10.000 Wohnungen.
- 26. Oktober 2026SPD beschließt Mitgliederbefragung
Der Landesvorstand macht den Koalitionsvertrag von einem bindenden Votum der Mitglieder abhängig.
- 29. Oktober 2026Spiegel veröffentlicht Eralps Anmerkungen
Eralp erklärt am Abend auf Instagram, sie lasse sich nicht einschüchtern. Das neue Abgeordnetenhaus konstituiert sich.
- 30. Oktober 2026Polizei stellt Personenschutz
Mehr als 100 Linke-Politiker stellen sich hinter Eralp; Franziska Giffey erklärt, für rot-grün-rot nicht zur Verfügung zu stehen.
- 31. Oktober 2026Landesparteitag entscheidet
Die Beschlussfassung über Koalitionsverhandlungen ist für 14:45 Uhr vorgesehen.
- 2. November 2026Dreier-Gespräche sollen starten
Linke, SPD und Grüne wollen an diesem Montag ihre Koalitionsverhandlungen beginnen – falls der Parteitag zustimmt.
Rücktrittsforderungen und Antisemitismusvorwürfe
Im Saal warben Eralp und der Co-Landesvorsitzende Maximilian Schirmer für Koalitionsverhandlungen. Schirmer rechnete mit den Kritikern in der eigenen Partei ab: „Wenn Gruppen in einer Zeit wie jetzt den Rücktritt von Elif fordern, statt ihr den Rücken zu stärken, muss ich klar sagen, hat man sich für eine kritisch-solidarische Debatte selbst den Stuhl vor die Tür gestellt.“
Die Co-Landesvorsitzende Kerstin Wolter wies Antisemitismusvorwürfe gegen die Partei zurück: „Weil wir als Linke den Genozid in Gaza verurteilen, wird uns vorgeworfen, dass wir Antisemiten sind. Aber gegen Völkerrechtsverbrechen einzustehen, ist kein Verbrechen.“ Vor dem Saal protestierten pro-palästinensische Aktivisten.
Was am Montag beginnen soll
SPD und Grüne hatten der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen bereits in der Vorwoche zugestimmt. Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano sagten dem RND: „Berlin hat links gewählt. Berlin bekommt links. Gemeinsam machen wir Berlin bezahlbar.“ Pantisano betonte, man lasse sich nicht einschüchtern – „nicht von Schlagzeilen und nicht von Immobilienkonzernen“.
Bei einem Ja sollen die Dreier-Gespräche am Montag, 2. November, beginnen. CDU-Fraktionschef Stefan Evers hat SPD und Grüne für den 3. November zu Gesprächen eingeladen; Franziska Giffey hat erklärt, für rot-grün-rote Verhandlungen nicht zur Verfügung zu stehen. Ob die Delegierten bis 14:45 Uhr die Mehrheit für Koalitionsverhandlungen zusammenbringen, ist offen.
