Dieter Bohlen (72) hat sechs Kinder. Genau das hat er am Abend des 31. Oktober in einem Video auf Instagram zum Argument gegen eine neue Wehrpflicht gemacht – und sich damit hinter die bundesweiten Proteste der Bewegung „Gen Z regelt“ gestellt.
Der Musikproduzent und DSDS-Chefjuror spricht den Demonstrierenden ausdrücklich Mut zu: „Ja, meine Freunde, es ist richtig, wenn euch der Kragen platzt und wenn ihr demonstrieren geht.“ 1,6 Millionen Menschen folgen ihm auf Instagram.
Bei der Wehrpflicht wird er konkret: „Ich bin auch total gegen eine neue Wehrpflicht, ja. Warum? Ich habe sechs Kinder, die würde ich niemals in den Krieg schicken.“ Damit macht er seine Familie zum politischen Argument – nicht sein Amt, nicht eine Partei, sondern sein Vaterdasein.
Am selben Abend berichteten mehrere Medien über das Video, darunter BILD mit Bohlens Aussagen zur Wehrpflicht.
Der Vater, der mit 18 in den Krieg musste
Seine Haltung begründet Bohlen mit der eigenen Familiengeschichte. Sein Vater sei mit 18 Jahren in den Zweiten Weltkrieg eingezogen worden, sofort in Gefangenschaft geraten und „fast gestorben“; Bohlen selbst kam neun Jahre nach Kriegsende zur Welt.
„Ich bin neun Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Mein Vater war mit 18 Jahren in den Krieg gegangen und sofort in Gefangenschaft gekommen, wäre fast gestorben.“
Aus diesem Familienbild leitet er eine Haltung ab, die er allen Demonstrierenden mitgibt: „Wofür? Wofür sind diese Kriege gut? Für gar nichts. Und deshalb sollten wir alle dagegen sein.“ Das ist kein Parteiprogramm, sondern die Begründung eines Vaters, der seine sechs Kinder nicht abgeben will.
Eine Brücke bei Leverkusen als Beweis
Bohlen bleibt nicht beim Militärischen. „Sie haben genug Geld, aber wofür benutzen sie das Geld? Eben nicht, um das in die Schulen zu stecken, nicht um das in unsere Infrastruktur zu stecken“, sagt er mit Blick auf die Bundesregierung. Am selben Abend hat t-online Bohlens Wutrede gegen die Politik festgehalten.
Als Beleg führt er ein Erlebnis aus der Woche zuvor an: Bei einer Fahrt über die alte Rheinbrücke der A1 bei Leverkusen musste sein Auto auf eine Waage. Für Bohlen ist das ein Symptom für marode Infrastruktur: „Das ist doch in so einem Land wie Deutschland unmöglich.“
Angst um die Zukunft – mit Recht
Den Jüngeren begegnet der 72-Jährige nicht von oben herab: „Und natürlich habt ihr Angst um eure Zukunft. Mit Recht.“ Sein Schlussappell an die Demonstrierenden: „Deshalb wehrt euch dagegen. Lasst euch nicht alles gefallen.“
Rückenwind für eine Bewegung mit Ausschreitungen
Die Proteste am 31. Oktober richteten sich gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht und für mehr Investitionen in Bildung, Infrastruktur und bezahlbaren Wohnraum. In mehreren Großstädten kam es zu Ausschreitungen. Mobilisiert hatte die Bewegung mit Aufrufen zu Protesten in bis zu 23 Städten.
Für „Gen Z regelt“ ist der Beifall aus der Popwelt ein Gewinn: Zuletzt hatte die Bewegung mit dem Brandbrief an Bundeskanzler Merz für Aufmerksamkeit gesorgt – mehr als 24.000 Unterschriften kamen zusammen. Nun spricht jemand, dem 1,6 Millionen Menschen folgen.
Ob die Bundesregierung an ihren Plänen festhält, ist offen. Bohlen hat den Streit um die Wehrpflicht jedenfalls dorthin gebracht, wo ihn keine Koalitionsrunde mehr ignorieren kann: mitten in die Feeds seiner Follower.
