Jella Haase kritisiert den Druck auf Frauen, jung auszusehen
Jella Haase (34) sagt, Frauen dürften längst nicht mehr normal altern – für sie ein patriarchales Problem. Sie selbst hat sich nie Botox spritzen lassen und empfiehlt stattdessen Lymphdrainagen.
Jella Haase (34) hat keine Lust mehr, sich für ihr Alter zu rechtfertigen. Auf die Frage, ob Frauen in Deutschland noch normal altern dürfen, antwortet die Schauspielerin im BUNTE-Interview über das Älterwerden mit einem klaren Nein.
„Dürfen wir Frauen überhaupt noch normal altern? Und ich finde, die Antwort darauf lautet leider nein“, sagt Haase. Veröffentlicht wurde das Gespräch am 31. Oktober, fünf Tage nach ihrem Geburtstag.
Den Grund für den Druck sucht sie nicht bei sich selbst. Wer jünger aussehen wolle, folge einem fremden Blick, dem Male Gaze. Das Nicht-Altern-Wollen sei ein gesellschaftliches Muster – und für sie eines, das Männer nicht im selben Maß trifft.
„Für wen wollen wir eigentlich jünger aussehen? Bestimmt der Male Gaze nicht auch hier unser Denken und Handeln? Für mich ist das Nicht-Altern-Wollen ein patriarchales Problem, das es gilt, aufzubrechen.“
Jella Haase, Schauspielerin
Viele sehen in ihr noch Chantal
Die Erwartung an ihr Gesicht kennt Haase seit 2013. Damals spielte sie in Bora Dagtekins Komödie „Fack ju Göhte“ die 21-jährige Chantal Ackermann – ihr Durchbruch. „Ich glaube, viele sehen in mir noch immer die 21-Jährige, die Chantal spielt. Aber ich bin keine 20 mehr – und das ist auch gut so“, sagt sie heute.
Das Reden über ihr Aussehen erlebt sie als Zumutung, gegen die sie sich innerlich wehrt. Sie tut das mit einer Härte, die im Interview mehrfach durchscheint – und die sie selbst so formuliert:
„Es ist hart, dass mein Gesicht und wie es sich verändert, plötzlich Thema wird – und gleichzeitig denke ich mir so: ‚Fuck you, I don’t care.‘“
Jella Haase, Schauspielerin
Nie Botox – aber niemanden verurteilen
Bei konkreten Eingriffen wird Haase deutlich: „Ich selbst habe mir noch nie Botox spritzen lassen.“ Zum Maßstab für andere will sie das nicht machen: „Wenn man es mal ausprobieren möchte, warum nicht. Problematisch finde ich es nur, wenn es zur Normalität wird.“
Wie weit diese Normalität reicht, beschreibt sie drastisch: „Um es ganz polemisch zu sagen: Altern stirbt aus.“ Den Druck verortet sie nicht nur in Hollywood, sondern auch hier. Sich vom „Beautywahn“ zu distanzieren, findet sie „persönlich super schwer“.
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Lymphdrainage als Botox-Ersatz
Als Alternative ohne Nadel nennt Haase einen Geheimtipp: Lymphdrainagen. Sie hätten „den gleichen Effekt wie Botox“, sagt sie. Danach sei der Körper „echt müde“: „Man hat danach das Gefühl, alles Schlechte hat den Körper verlassen.“
Ihre Vorbilder sind Frauen, die sichtbar älter werden: Meryl Streep, Sandra Hüller und Pamela Anderson. Haase ist Markenbotschafterin der Naturkosmetikmarke lavera und beschreibt im Gespräch eine mehrstufige Pflegeroutine. Damit steht sie neben Kolleginnen wie Jutta Speidels Absage an Botox und Schönheits-OPs.
Anlass ist eine Kinokomödie
Das Interview entstand rund um die Kinopremiere von Bora Dagtekins Komödie „Der perfekte Urlaub“. Weltpremiere war am 19. Oktober im Mathäser Filmpalast in München, Kinostart am 22. Oktober. Haase und der Regisseur arbeiten seit „Fack ju Göhte“ zusammen.
Von Chantal bis zur Altersdebatte
2013
Durchbruch als Chantal Ackermann
Haase wird mit Bora Dagtekins Kinokomödie „Fack ju Göhte“ bekannt.
26. Juli 2026
GALA-Interview über Schönheitsideale
Haase bezeichnet den Doppelstandard bei Falten als strukturelles, patriarchales Problem.
19. Oktober 2026
Weltpremiere in München
„Der perfekte Urlaub“ feiert im Mathäser Filmpalast Premiere.
22. Oktober 2026
Kinostart in Deutschland
Die Komödie kommt in die deutschen Kinos.
26. Oktober 2026
Haases Geburtstag
Die Schauspielerin wird 34 Jahre alt.
31. Oktober 2026
Interview veröffentlicht
BUNTE.de veröffentlicht das Gespräch über das Altern und Botox.
Zum ersten Mal führt Haase diese Debatte nicht. Schon im Juli hatte sie im GALA-Interview über Schönheitsideale den Doppelstandard bei Falten als „strukturelles, patriarchales Problem“ bezeichnet.
Wie ernst es die Branche mit dem Altern meint, wird sich an den Rollen entscheiden, die Haase nach „Der perfekte Urlaub“ bekommt – und daran, ob der Satz, das Altern sterbe aus, ein Bonmot bleibt oder Programm wird. Für Schauspielerinnen jenseits der 50 ist die Lage laut Christine Neubauers Klage über die Altersgrenze für Frauenrollen kaum besser.