Mehr als 30 Menschen hat die Polizei in Frankfurt vorläufig festgenommen, nachdem Randalierer am Samstagabend die Zeil geplündert haben. Schaufenster gingen zu Bruch, ein Sneaker-Laden und eine Parfümerie wurden ausgeräumt, ein Waffengeschäft attackiert — dort stellte die Polizei zwei Waffen sicher.
In Köln setzte die Polizei am späten Nachmittag Wasserwerfer ein. Am Abend wurden nach Polizeiangaben rund 600 Menschen in einem Abschnitt des Rheinufers festgesetzt, weitere 100 an anderer Stelle; auf der Domplatte gab es fünf Ingewahrsamnahmen. Ein Beamter wurde an der Hand verletzt.
Die Initiative „Gen Z regelt“ hatte für den 31. Oktober zu Protesten in mehr als 30 deutschen Städten aufgerufen. Hessens Innenminister Roman Poseck sieht Linksextremisten am Werk; die Linke-Bundestagsabgeordnete Lea Reisner wirft der Kölner Polizei einen unverhältnismäßigen Einsatz vor.
Böller, Steine, dann die Zeil
Der Frankfurter Protestzug war schon am frühen Abend aufgelöst worden, nachdem wiederholt Böller und Steine auf Einsatzkräfte geflogen waren. Was folgte, verlegte den Schauplatz in die Einkaufsstraße: Auf der Zeil schlugen Randalierer zwischen 21.41 und 22.00 Uhr Schaufenster ein und plünderten.
Die Polizei riegelte die Einkaufsstraße ab, SEK und mehr als 1000 Kräfte waren im Einsatz, mehr als 30 Menschen wurden vorläufig festgenommen. Gegen 1 Uhr setzte die Polizei eine rund 100-köpfige Personengruppe zur Identitätsfeststellung fest, gegen 3 Uhr beruhigte sich die Lage.
Poseck zog am Sonntag eine Linie von den Tätern zu einer politischen Szene: Es hätten sich ungefähr hundert längst linksextremistische Gewalttäter unter die Versammlung gemischt, sagte er. Seine Bewertung des Abends fiel drastisch aus.
„Ich bin schockiert über die Gewaltexzesse in Frankfurt. Wir haben Bilder gesehen, die wir nicht sehen wollten.“
Rund 700 Menschen am Rhein festgesetzt
In Köln war die Kundgebung wegen der erwarteten 15.000 Teilnehmer in Köln vom Heumarkt ans Konrad-Adenauer-Ufer verlegt worden. Gekommen waren nach Polizeiangaben mehrere Tausend — deutlich weniger als angemeldet.
Um 14 Uhr startete die Versammlung mit rund 100 erkennbaren Teilnehmern. Im hinteren Teil kam es zu Vermummungen und Pyrotechnik, die Polizei sagte den Zug durch die Innenstadt ab; gegen 16 Uhr beendete die Versammlungsleiterin die Kundgebung.
Eine halbe Stunde später setzte die Polizei Wasserwerfer gegen eine Gruppe ein, die die Standkundgebung verlassen wollte. Kölns Polizeipräsident Johannes Hermanns verwies auf Funde bei Vermummten — und zog daraus eine klare Schlussfolgerung.
„Wir haben Molotowcocktails und Nothämmer bei Vermummten sichergestellt. Wofür die mitgeführt wurden, braucht wohl keine Erläuterung!“
Streit über Ursache und Verhältnismäßigkeit
Poseck sprach von einer „verheerenden Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen“. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein sagte, wer sich so verhalte wie die Angreifer in der Frankfurter Innenstadt, stelle sich außerhalb der Gesellschaft.
Reisner dreht den Vorwurf in die andere Richtung: Sie macht nicht die Demonstranten, sondern die Polizei für die Eskalation mitverantwortlich. In NRW hatte Innenminister Herbert Reul vorab eine harte Linie angekündigt.
„Wer jungen Menschen erst das Demonstrieren verweigert und ihnen dann mit Wasserwerfern begegnet, muss sich über ihre Wut nicht wundern.“
Um Verbote solcher Versammlungen wurde schon vor dem Wochenende gerungen: Die Stuttgarter CDU fordert eine Prüfung des Verbots der Gen-Z-Demo, durchgesetzt hat sie sich nicht.
Die Initiative distanziert sich und ruft zum 20. November
Am Abend nannte „Gen Z regelt“ mehr als 100.000 Teilnehmer bundesweit; eine bundesweite Polizeizahl lag zunächst nicht vor. Am späten Abend distanzierte sich die Initiative von der Gewalt und kündigte an, sich an europaweiten Protesten zu beteiligen.
Um 23.16 Uhr bedauerte sie auf Telegram die Auflösung der Frankfurter Veranstaltung und sagte die Aufarbeitung möglicher Fehler zu. Die Distanzierung kam, nachdem am Abend Plünderungen und Angriffe das Bild bestimmt hatten.
Sie hatte die Gen-Z-Demos abgesagt und setzt nun auf einen eigenen Termin: Die Bundesschülerkonferenz plant eigenen Protest am 20. November — parallel zu den angekündigten europaweiten Aktionen.
Für die Polizei Köln ist der Abend nicht abgeschlossen: Über ein Hinweisportal sammelt sie Zeugen, Videos und Bilder. Ungeklärt ist auch, ob der Wasserwerfer-Einsatz und die Auflösung in Frankfurt Folgen für künftige Versammlungen haben — die Bilanz der Ausschreitungen in Frankfurt und Köln wird in der Politik schon jetzt als Argument benutzt.
