Binnen 48 Stunden will Iran die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr öffnen – wenn Washington Irans Bedingungen erfüllt. Die Kernforderung ist Geld: 6 Milliarden US-Dollar, die in Katar blockiert sind.
Am Montag, 2. November 2026, übermittelten iranische Vertreter über Vermittler den Vorschlag, die Sicherheit in der Meerenge binnen zwei Tagen wiederherzustellen. Zuvor war ein Zeitraum von sieben Tagen vorgesehen. Sprecher Esmail Baghaei bezeichnete die Verkürzung auf 48 Stunden als Zeichen guten Willens.
Teheran verbindet die Öffnung mit mehreren Forderungen: Die Kämpfe sollen enden, eingefrorene Vermögenswerte freigegeben und die Sanktionen gegen den Ölsektor aufgehoben werden. Außerdem verlangt Iran ein Ende der US-Seeblockade seiner Häfen.
Sechs Milliarden Dollar als Kernforderung
Außenminister Abbas Araghchi präzisierte am selben Tag, woran der Deal aus iranischer Sicht hängt: an der Freigabe von 6 Milliarden US-Dollar, die in Katar blockiert sind, an der Einhaltung einer mit Oman vereinbarten Schifffahrtsroute und an der Schließung der südlichen Ausweichrouten.
Der revidierte Zeitplan verteilt die Schritte auf zwei Tage: Washington setzt am ersten Tag die vereinbarten Maßnahmen um, am zweiten Tag wird die Meerenge wieder für den Schiffsverkehr geöffnet.
Araghchi ließ keinen Zweifel, wer aus seiner Sicht am Zug ist. Seine Formulierung fasst zusammen, was Iran unter einer Einigung versteht:
„Wenn die Vereinigten Staaten unsere Bedingungen akzeptieren, wird die Straße von Hormus wieder geöffnet und die Verhandlungen werden wieder aufgenommen.“
Brent fällt auf rund 105 Dollar
Die Märkte lasen das Signal sofort. Brent fiel um rund 5,8 Prozent auf etwa 105 US-Dollar je Barrel, WTI um 5,4 Prozent auf rund 97 US-Dollar. Der europäische Gaspreis TTF gab um 5,09 Prozent auf 98,26 Euro je Megawattstunde nach.
Preisreaktion an den Energiemärkten am 2. November 2026
Veränderung in Prozent
Für Europa ist das eine Entlastung nach Monaten hoher Energiepreise. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte die Energiekosten des Konflikts Ende Oktober auf über 100 Milliarden Euro beziffert.
Der Krieg selbst ist unverändert. Seit dem 28. Februar 2026 blockiert Iran die Meerenge und greift Schiffe an; die USA verhängten eine Seeblockade iranischer Häfen. Der Schiffsverkehr in der Meerenge hatte bereits im September den niedrigsten Stand seit Mai erreicht.
Von sieben Tagen auf 48 Stunden
Der Zwei-Tage-Plan ist keine neue Idee, sondern die Verdichtung einer alten. Im September legte Iran bei der UN-Generalversammlung in New York einen Sieben-Punkte-Plan mit Sieben-Tage-Zeitplan vor; Trump wies ihn zurück.
Iranische Unterhändler verließen Doha am Sonntag nach drei Tagen Konsultationen mit katarischen Vermittlern – nach Angaben eines über die Gespräche informierten Vertreters nicht wegen Problemen.
Wie aus dem Sieben-Tage-Plan ein Zwei-Tage-Angebot wurde
- 28. Februar 2026Kriegsbeginn und Blockade
Die USA und Israel greifen Iran überraschend an, der Oberste Führer Ali Chamenei wird getötet. Iran blockiert die Straße von Hormus, die USA verhängen eine Seeblockade iranischer Häfen.
- September 2026Sieben-Punkte-Plan in New York
Bei der UN-Generalversammlung legt Iran einen Plan mit Sieben-Tage-Zeitplan für die Öffnung der Meerenge vor. Trump weist den Vorschlag zurück.
- 29. Oktober 2026Vance lotet Verhandlungen aus
US-Vizepräsident JD Vance schreibt an Sicherheitsratschef Mohsen Resaei. Die USA fordern Golfstaaten auf, sich auf einen Militäreinsatz nach den Zwischenwahlen einzustellen.
- 31. Oktober 2026Sieben Bedingungen und neue Drohungen
Irans Sicherheitsrat nennt sieben Bedingungen für Gespräche. Aus Teheran kommt die Drohung mit einer „geografisch uneingeschränkten Antwort“, Trump bringt Angriffe auf weitere Ziele ins Spiel.
- 1. November 2026Abreise aus Doha ohne Ergebnis
Die iranischen Unterhändler verlassen Doha nach drei Tagen. Araghchi sagt, Gespräche über einen Zwei-Tage-Plan liefen, ein Ergebnis gebe es aber noch nicht.
- 2. November 2026Das 48-Stunden-Angebot
Baghaei kündigt an, die Sicherheit in der Meerenge lasse sich binnen zwei Tagen wiederherstellen. Die Öl- und Gaspreise fallen deutlich.
- 3. November 2026US-Zwischenwahlen
Beobachter rechnen mit der Entscheidung über neue US-Angriffe auf Iran erst nach der Wahl.
Trump hält Angriffe weiter für möglich
In Washington bleibt die Drohung das Druckmittel. Vor den Zwischenwahlen am 3. November hält US-Präsident Donald Trump neue Angriffe auf Iran weiter für möglich – zuvor hatte er einen Angriff auf die Zeit nach den Midterms verschoben.
Seine Zurückhaltung begründet Trump nicht mit Völkerrecht, sondern mit seiner eigenen Geduld:
„Der einzige Grund, warum ich mit dem Iran noch nicht fertig bin, ist, dass ich nett sein will. Aber irgendwann werden wir ihnen einen harten Schlag versetzen müssen.“
Laut Axios telefonierte Trump am 1. November mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Netanyahu drängte auf einen Angriff direkt nach den Zwischenwahlen, Trump bevorzugte Diplomatie. China und Russland warnten am 2. November vor neuen Militäraktionen; im Persischen Golf wurde ein Tanker von zwei Geschossen getroffen.
Entscheidend ist damit der 3. November. Ob Washington die 6 Milliarden Dollar freigibt, die Seeblockade beendet und damit die Meerenge öffnet – oder nach der Wahl eskaliert –, fällt in den nächsten Tagen.
