EU erlaubt JD.com Übernahme von MediaMarktSaturn nur mit Auflagen
Brüssel erlaubt JD.com die Übernahme von MediaMarktSaturn – aber nur mit drei Verpflichtungszusagen über zehn Jahre. Sie sollen verhindern, dass chinesische Staatshilfen den deutschen Elektronikhandel verzerren; Peking hatte zuvor mit Gegenmaßnahmen gedroht.
JD.com darf MediaMarkt und Saturn kaufen – doch Brüssel fesselt den chinesischen Onlinehändler an Bedingungen. Die EU-Kommission genehmigte die Übernahme der Ceconomy AG am Dienstag; laut ihrer Mitteilung zur Freigabe unter Bedingungen gelten drei Verpflichtungszusagen zehn Jahre lang.
Auslöser der Auflagen sind chinesische Staatshilfen. Brüssel stellte in der vertieften Prüfung fest, dass JD.com Vorzugsfinanzierungen, Steueranreize und Zuschüsse aus China erhalten hat. Damit wurden Logistik- und IT-Kapazitäten finanziert, die nach der Fusion auch MediaMarktSaturn zugutekämen – für die Kommission das Risiko einer aggressiven Preispolitik.
EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera begründet die Bedingungen mit dem Prinzip gleicher Regeln: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher profitieren von einem wettbewerbsfähigen Einzelhandels- und E-Commerce-Sektor, in dem für alle Unternehmen gleiche Wettbewerbsbedingungen gelten." Der Streit reicht über den Elektronikhandel hinaus: Merz und Macrons Vorstoß zum Ausschluss von China-Firmen zielt auf das gleiche Problem.
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Erst der Markttest brachte Nachbesserungen
JD.com hatte im August 2026 erste Verpflichtungszusagen vorgelegt. Die Kommission testete sie bei Wettbewerbern und Kunden – und die benannten Mängel an den ersten Zusagen. Daraufhin verschärften JD.com und Ceconomy die Regeln für konzerninterne Geschäfte und legten bei den Drittkonditionen nach.
Von der Offerte zur Freigabe
30. Juli 2025
Barangebot über 4,60 Euro je Aktie
JD.com kündigt das Übernahmeangebot an und schließt eine Investorenvereinbarung mit Ceconomy.
2. Dezember 2025
JD.com hält 59,8 Prozent
Nach der weiteren Annahmefrist hält JD.com rund 59,8 Prozent, zusammen mit Convergenta 85,2 Prozent.
17. April 2026
Anmeldung in Brüssel
JD.com meldet den Zusammenschluss nach der Verordnung über drittstaatliche Subventionen an.
28. Mai 2026
Vertiefte Prüfung eröffnet
Die EU-Kommission eröffnet das Verfahren (Az. FS.100253) und äußert vorläufige Bedenken wegen chinesischer Subventionen.
19. August 2026
Peking droht mit Gegenmaßnahmen
China weist inländische Organisationen an, die EU-Untersuchung nicht zu unterstützen.
3. November 2026
Freigabe unter Auflagen
Die Kommission genehmigt die Übernahme unter drei Verpflichtungszusagen mit zehnjähriger Laufzeit.
Drohungen aus Peking, Auflagen aus Berlin
Widerstand kam auch aus China. Im August 2026 untersagte Peking inländischen Organisationen, die EU-Untersuchung zu unterstützen, und drohte mit Gegenmaßnahmen. Der Ton bleibt rau – die Empfehlung der China-Kommission an die EU geht dahin, den Zugang zum Binnenmarkt als Druckmittel einzusetzen und gegenschlagsfähig zu werden.
Auch nationale Behörden machten eigene Vorgaben. Das Bundeswirtschaftsministerium genehmigte die Übernahme am 29. Juni 2026 unter Auflagen zum Schutz von Kundendaten, Österreich folgte am 9. Oktober 2026 mit Regeln zu Daten, Lieferketten und sicherheitsrelevanten Personalentscheidungen. Das Bundeskartellamt hatte bereits im September 2025 ohne Auflagen freigegeben, weil JD.com in Deutschland kaum aktiv war.
Vollzug für die nächsten Tage angekündigt
Ceconomy teilte am Dienstag in ihrer Ad-hoc-Mitteilung zu den erfüllten Vollzugsbedingungen mit, dass alle Angebotsbedingungen erfüllt sind. Der Vollzug soll in den kommenden Tagen erfolgen, JD.com nannte den 12. November 2026 als Ziel. Laut JD.com mussten die Freigaben bis zum 10. November 2026 vorliegen – mit der EU-Entscheidung ist das erfüllt.
Für Anleger endet die Börsennotierung absehbar. Laut Investorenvereinbarung ist ein Delisting der Ceconomy-Aktie kurz nach dem Abschluss vorgesehen, ein Termin dafür steht nicht. Am 14. Dezember 2026 will Ceconomy die endgültigen Jahreszahlen für 2025/26 vorlegen, voraussichtlich erstmals unter neuem Mehrheitseigentümer.
An der Führung soll sich zunächst nichts ändern. JD.com-Chefin Sandy Xu erklärte, der Vorstand bleibe für die Umsetzung der Geschäftsstrategie und die operative Führung verantwortlich. Ceconomy-Chef Remko Rijnders setzt auf Kontinuität:
„Was Ceconomy heute erfolgreich macht, wird auch in Zukunft den Erfolg vorantreiben.“
Remko Rijnders, Vorstandsvorsitzender der Ceconomy AG
Damit kann JD.com MediaMarkt und Saturn nach dem angekündigten Vollzug kontrollieren; die Kommission begründete ihre Auflagen mit den von JD.com erhaltenen chinesischen Staatshilfen. Ob die Auflagen reichen, muss sich über zehn Jahre zeigen – und ob Peking seine Drohung aus dem August wahrmacht, ist offen.