Jagoda Marinić nennt Angriffe auf Eralp rassistische Kampagne
Bild: KI-generiert
Berliner Linke

Jagoda Marinić nennt Angriffe auf Eralp rassistische Kampagne

Jagoda Marinić erklärt in ihrer stern-Kolumne die Angriffe auf Elif Eralp zur „rassistischen Kampagne“ der Rechten – und fragt, warum über den AfD-Politiker Ulrich Siegmund kaum noch gesprochen wird. Auslöser der Debatte war ein Spiegel-Bericht über Eralps interne Notizen, in denen sie Angst um ihre Familie einräumt.

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Die Rechten führen aus Sicht von Jagoda Marinić eine „rassistische Kampagne“ gegen Elif Eralp. In ihrer Kolumne „Angst über der Stadt“ in der stern-Ausgabe 45/2026, die seit dem 3. November online steht, deutet die Schriftstellerin die Angriffe auf Berlins Linken-Spitzenkandidatin als rassistisch motiviert.

„Elif Eralp heißt nicht Manuela Müller. Die Rechten fangen jetzt mit ihrer rassistischen Kampagne an. Eralp bekommt die Nachteile ihrer Herkunft zu spüren, nicht aber die Vorteile. Es war klar, dass eine migrantisch geprägte Frau es 2026 schwer haben wird.“
Jagoda Marinić, Schriftstellerin und stern-Kolumnistin

Marinić zieht damit eine Grenze: Wer Eralp angreift, trifft aus ihrer Sicht eine Frau, die es als „migrantisch geprägte Frau“ 2026 schwer hat. Ausgelöst hat die Debatte aber kein Herkunftsargument, sondern ein Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel über interne Notizen der Kandidatin.

Ein zurückgeschickter Entwurf löst die Debatte aus

Zwei Spiegel-Journalisten interviewten Eralp am 26. Oktober in ihrem Büro im Berliner Abgeordnetenhaus. Am 27. Oktober schickte das Magazin die verschriftlichte Fassung zur Autorisierung an ihr Büro, am 28. Oktober kam die Datei mit internen Kommentaren Eralps, ihres Sprechers und der Landesvorsitzenden Kerstin Wolter zurück. Am 29. Oktober veröffentlichte der Spiegel den Bericht. Die Linke kündigte rechtliche Schritte und eine Presseratsbeschwerde an.

In den Anmerkungen räumte Eralp Angst um sich und ihre Familie ein, im Zusammenhang mit dem PFLP-nahen Aktivisten Ibrahim Ibrahim, der am 21. September auf der Wahlparty der Neuköllner Linken mit Linken-Politikern posiert hatte. Eralps Notizen über ihre Angst vor dem Palästina-Aktivisten wurden am 29. Oktober bekannt. Die Kandidatin schrieb: „Ich kann mich und meine Familie für den Spiegel nicht in Gefahr bringen.“

„Es gibt Grenzen, wenn es um die Sicherheit von meiner Familie und mir geht. Und diese wurden jetzt überschritten.“
Elif Eralp, Linken-Spitzenkandidatin Berlin

Die Reaktionen fielen scharf aus. CDU-Landeschef Stefan Evers fragte: „Wie soll Elif Eralp als Regierende Bürgermeisterin die Sicherheit von Millionen Menschen gewährleisten, wenn sie selbst Angst vor dem islamistischen Umfeld ihrer Partei hat?“ Der Berliner SPD-Politiker Michael Müller hält Eralp für erpressbar; die Jüdische Gemeinde kritisierte sie. Grüne und Linke zeigten Verständnis. Eralp selbst erklärte, sie lasse sich „von niemandem einschüchtern“.

Warum nicht Ulrich Siegmund?

Marinić dreht den Spieß um: Alle Augen seien auf Eralp gerichtet, während über den AfD-Politiker Ulrich Siegmund kaum noch gesprochen werde. Der 36-Jährige sitzt im Berliner Abgeordnetenhaus, sein Landesverband ist vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft.

Zugleich verteidigt sie die Linke nicht aus Sympathie. „Eigentlich wollte ich die Linke nicht verteidigen müssen“, schreibt Marinić, es seien „zu viele Baustellen offen, erst recht für eine Autorin, die auch mit Jüdinnen und Juden befreundet ist“. Sie räumt damit ein, dass die Partei angreifbar ist – und verschiebt den Streit auf die Frage, wer 2026 warum unter Druck steht.

Widerspruch gegen den Herkunftsvorwurf

Der Einordnung wird widersprochen: Die Kritik an Eralp liege nicht an ihrer Herkunft, sondern an ihrer Politik und an der Nähe von Teilen der Linken zu antisemitischen Milieus und kriminellen Clans. Wie schnell der Rassismusvorwurf in beide Richtungen fliegt, zeigt der Fall des früheren ARD-Sportmoderators Waldemar Hartmann, gegen den nach einem Beitrag über Eralp Rassismusvorwürfe laut wurden.

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Koalitionsverhandlungen laufen weiter

Die Debatte fällt in die laufenden rot-grün-roten Koalitionsverhandlungen. Die Linke hatte die am 20. September mit 25,7 Prozent gewonnen; am 19. Oktober stimmten SPD und Grüne für Gespräche, am 31. Oktober billigte der Landesparteitag der Linken die Aufnahme von Verhandlungen. Eralp steht seitdem unter Polizeischutz, die Gespräche wurden am 4. November fortgesetzt – die Debatte um Eralp und die Regierungsbildung laufen parallel.

Eralp will Berlins erste Regierende Bürgermeisterin mit Migrationsgeschichte werden. Offen ist, ob die Notizen und der Streit über Marinićs Satz von den Nachteilen der Herkunft die Verhandlungen bremsen – und ob Eralp nach dem Wahlsieg vom 20. September auch das Amt bekommt, das sie anstrebt.