Stefan Keuter räumt Kontakte der AfD zu Geheimdiensten ein
AfD-Fraktionsvize Keuter sagt offen, seine Fraktion habe Kontakte zu den Nachrichtendiensten der USA und Russlands. Der Chef des Geheimdienst-Kontrollgremiums spricht von einem Skandal – und sieht die Datensicherheit des Bundestags gefährdet.
Die AfD hat nach den Worten ihres Fraktionsvizes Stefan Keuter gute Kontakte zu den Nachrichtendiensten der USA und Russlands. Für den Vorsitzenden des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Marc Henrichmann (CDU), ist das kein Nebensatz, sondern eine Gefahr für die Sicherheit der Parlamentsarbeit.
Am 2. November 2026 stellten die Außenpolitiker der AfD-Bundestagsfraktion in Berlin zwei Positionspapiere vor, eines zu den deutsch-amerikanischen, eines zu den deutsch-russischen Beziehungen. Auf dem Podium standen der außenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier, der stellvertretende Leiter des Arbeitskreises Außen Gerold Otten und Keuter. Keuter sagte, die Fraktion habe sehr gute Kontakte zu beiden Regierungen „und natürlich auf beiden Seiten auch zu den angeschlossenen Nachrichtendiensten“. So steht es in der F.A.Z.-Schilderung des Auftritts in Berlin.
Wie weit diese Verbindungen reichen, blieb offen – die Zeitung überschrieb ihren Abschnitt dazu mit „Ausmaß von Geheimdienstkontakten der AfD bleibt unklar“. Zwei Tage später meldeten sich Innen- und Sicherheitspolitiker zu Wort: Laut dem FOCUS-Bericht über die Forderung nach Aufklärung sehen sie auch die Datensicherheit des Bundestags gefährdet.
Henrichmann führt das Gremium, das die Geheimdienste des Bundes kontrolliert. Er verwies auf den Tiergartenmord von 2019, den Auftragsmord an einem Georgier im Berliner Kleinen Tiergarten, der russischen Diensten zugeschrieben wird – und wurde in der Sache selbst deutlich.
„Die kritiklose Nähe zu russischen Nachrichtendiensten ist keine Privatsache, sondern ein sicherheitspolitischer Skandal ersten Ranges.“
Marc Henrichmann, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums (CDU)
Was in den beiden Papieren steht
Inhaltlich verlangen die Papiere eine 180-Grad-Wende der deutschen Ukrainepolitik: Ende der Militärhilfe für Kiew außer humanitärer Hilfe, Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland, Unterstützung einer Rückkehr Russlands in die G7 sowie die Wiederinbetriebnahme der Ostseegasleitung Nord Stream. Die Ukraine dürfe weder NATO- noch EU-Mitglied werden und solle „wieder ein neutraler Staat“ sein; die Rückgewinnung aller Territorien inklusive der Krim sei „unrealistisch“.
Der russische Angriffskrieg wird in den Papieren nicht erneut verurteilt, sondern nur als „Tragödie, die schnellstmöglich beendet werden sollte“ bezeichnet. Für Frühjahr 2027 plant die Fraktion laut Frohnmaier einen Gipfel mit USA und Russland ohne Ukraine in Abu Dhabi. Putins Investitionsbeauftragter Kirill Dmitrijew habe den Termin bereits öffentlich angekündigt; im Mittelpunkt sollen die Nord-Stream-Pipelines und neue Energiepartnerschaften stehen.
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Verschlusssachen im privaten Postfach
Die Warnung fällt auf vorbereiteten Boden. Das ZDF-Magazin frontal wertete Ende Oktober 2026 geleakte AfD-Mails aus, mit technischer Unterstützung des Recherchenetzwerks OCCRP. Danach leiteten Mitarbeiter von Frohnmaier regelmäßig als „VS-NfD“ eingestufte Dokumente an dessen privates AOL-Konto weiter, darunter Dossiers zur OSZE-Konferenz 2018, Protokolle des Auswärtigen Amtes zu Ukraine-Verhandlungen und Berichte zum Skripal-Giftanschlag. Die Bundestagsverwaltung stellte klar, dafür sei ausschließlich zugelassene dienstlich gemanagte Informationstechnik erlaubt; ein Verstoß könne strafrechtliche Relevanz haben. Frohnmaier räumte die Weiterleitungen über seinen Anwalt ein, bestreitet aber jede Weitergabe eingestufter Informationen an Unbefugte.
Zu Keuter selbst dokumentierte Table.Briefings bereits am 20. Februar 2025, dass er in der vorigen Legislaturperiode rund 80 parlamentarische Anfragen mit Russland-Bezug stellte – zu Bundeswehr- und NATO-Aktivitäten in der Ukraine, zur Nord-Stream-Sprengung, zu Sanktionsfolgen. Mehrere unabhängige Quellen aus AfD-Kreisen sagten damals, er habe mit seinen guten Kontakten zur russischen Botschaft geprahlt und angegeben, in deren Sinne Anfragen gestellt zu haben. Keuter äußerte sich dazu nicht.
Wie die AfD kontert
Die Fraktion weist die Vorwürfe zurück. Sie präsentiert die Kontakte nach Moskau und Washington als außenpolitisches Pfund und leitet daraus ein Verhandlungsmandat für einen Gipfel mit den „Großmächten“ ab. Dass die Pflege der Russland-Kontakte gewollt ist, sagt Keuter selbst offen – hier mit Blick auf eine von ihm genehmigte Reise.
„Ich habe die Reise genehmigt, weil es wieder an der Zeit ist, die Russland-Kontakte zu intensivieren. Nach den intensiven Beziehungen, die wir zuletzt in die USA gepflegt haben, ist es nun auch wieder wichtig, unsere guten Kontakte nach Russland zu stärken.“
Stefan Keuter, stellv. AfD-Fraktionsvorsitzender
Damit stehen sich zwei Lesarten gegenüber: Verhandlungsmandat gegen Sicherheitsrisiko. Ob aus der Forderung der Innen- und Sicherheitspolitiker nach Aufklärung konkrete Folgen erwachsen – etwa eine Überprüfung der Regeln für Verschlusssachen und IT im Bundestag –, ist offen. Eine Antwort könnte noch in diesem Jahr fällig werden.