Führerschein soll billiger werden – Fahrlehrer zweifeln an 1000 Euro
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Laienausbildung

Führerschein soll billiger werden – Fahrlehrer zweifeln an 1000 Euro

Der Bundestag hat den ersten Teil der Führerschein-Reform beschlossen: Nach sechs Fahrstunden sollen Fahranfänger mit Eltern oder Freunden üben dürfen. Ob das den Führerschein wirklich bis zu 1000 Euro billiger macht, bezweifeln Fahrlehrervertreter – und selbst ein SPD-Politiker wiederholt die Zahl nicht.

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Bis zu 1000 Euro weniger für den Führerschein – mit dieser Zahl wirbt Bundesverkehrsminister Steffen Bilger für die Reform. Ob die Rechnung aufgeht, bezweifeln die Fahrlehrerverbände, und selbst in der Koalition will sie niemand wiederholen.

Am 5. November verabschiedete der Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU und SPD den ersten Teil der Reform: Änderungen am Straßenverkehrsgesetz und am Fahrlehrergesetz. Wie der Führerschein günstiger werden soll, steht zum Teil aber erst in einer Verordnung des Bundesverkehrsministeriums.

Beide Teile müssen durch den Bundesrat, dessen nächste Sitzung am 20. November 2026 ansteht. Erst danach ist klar, wann die Neuerungen greifen. Geplant ist das überwiegend für den 1. Juli 2027, damit Fahrschulen eine Übergangsfrist haben.

Üben mit Eltern und Freunden

Kern der Reform ist die sogenannte Laienausbildung. Wer die Theorieprüfung bestanden und sechs Fahrstunden absolviert hat, darf mit einer nahestehenden Person üben. Die Begleitperson muss seit mindestens sieben Jahren einen Pkw-Führerschein besitzen und darf höchstens einen Punkt in Flensburg haben.

Der Verkehrsausschuss verschärfte die Regeln gegenüber dem Regierungsentwurf: Die Begleitperson wird nun auch praktisch in der Fahrschule eingewiesen, die Sicherheitsanforderungen stehen im Gesetz statt in der Verordnung. Festgehalten ist das in der Beschlussempfehlung des Verkehrsausschusses.

Die Grünen halten den Weg für falsch. Swantje Michaelsen, Verkehrspolitikerin der Partei, wirft der Koalition vor, die Qualität der Ausbildung zu opfern, um ein Preisversprechen zu erfüllen:

„Statt den Führerschein bezahlbarer zu machen, senkt sie die Standards.“
Swantje Michaelsen, Verkehrspolitikerin von Bündnis 90/Die Grünen

Weniger Theorie, mehr Vergleichbarkeit

Im Theorieunterricht fällt die Präsenzpflicht. Der Fragenkatalog sinkt von 1169 auf rund 840 Fragen, das Bewertungssystem wird vereinfacht. Bilger begründet das so: „Mit mehr digitalem Unterricht und einer Bürokratieentlastung wollen wir die Kosten senken.“

Dazu kommt ein Transparenzregister. Preise und Bestehensquoten aller Fahrschulen sollen in einer zentralen Online-Datenbank öffentlich werden. Wer eine Fahrschule sucht, kann dann künftig Preis und Erfolgsquote direkt vergleichen.

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3400 Euro und der Streit um die 1000

Ein Pkw-Führerschein der Klasse B kostet nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums derzeit durchschnittlich rund 3400 Euro, regional 4000 bis 4500 Euro. Bilger hatte Mitte Oktober erklärt, nach Prognosen von Verbänden seien mehrere Hundert Euro Ersparnis möglich, bestenfalls bis zu 1000 Euro.

Von der Fahrlehrerseite kommt Widerspruch. Kurt Bartels, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, rechnet die Entlastung nicht nach:

„Ich kann die Rechnung von Herrn Bilger nicht nachvollziehen, dass der Führerschein 1.000 Euro günstiger werden soll.“
Kurt Bartels, Vizevorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände

Auch der SPD-Verkehrspolitiker Truels Reichardt machte sich die 1000-Euro-Angabe im Bundestag nicht zu eigen. Die tatsächliche Ersparnis sei noch nicht absehbar, sagte er. Damit bleibt die zentrale Werbezahl der Koalition eine Prognose.

Der Bundesrat ist am Zug

Die Laienausbildung wird nicht bundesweit automatisch eingeführt. Jedes der 16 Länder muss sie per eigener Verordnung zulassen, befristet auf fünf Jahre und wissenschaftlich begleitet. Der CDU-Verkehrspolitiker Henning Rehbaum sagt: „Das Kostensenkungspotential für jährlich 800.000 Fahrschüler hängt maßgeblich davon ab, wie die Länder die Verordnung jetzt im Bundesrat weiterentwickeln.“

Von den Eckpunkten zum Bundestagsbeschluss

  1. Februar 2026
    Eckpunktepapier des Verkehrsministeriums

    Fragenkatalog reduzieren, Sonderfahrten flexibilisieren, Laienausbildung mit höchstens einem Punkt in Flensburg und sieben Jahren Führerscheinbesitz.

  2. 20. Mai 2026
    Bundeskabinett beschließt Gesetzentwurf

    Drucksache 21/7404, ursprünglich geplanter Start der Reform: Anfang 2027.

  3. 24. September 2026
    Erste Lesung im Bundestag

    Überweisung des Gesetzentwurfs an den Verkehrsausschuss.

  4. 5. Oktober 2026
    Öffentliche Anhörung im Ausschuss

    ADAC, Fahrlehrerverbände, Fahrlehrer-Akademie, Bundesanstalt für Straßenwesen und ACE sind geladen; die Fahrlehrerseite warnt vor sinkendem Sicherheitsniveau.

  5. 9. Oktober 2026
    Bilger nennt erstmals Einsparsummen

    Im Gespräch mit der „Welt“ spricht der Minister von mehreren hundert Euro, bestenfalls bis zu 1000 Euro.

  6. 4. November 2026
    Beschlussempfehlung des Verkehrsausschusses

    Drucksache 21/8979; ein Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD verschärft die Regeln zur Laienausbildung.

  7. 5. November 2026
    Bundestag beschließt ersten Reformteil

    Zustimmung mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition, der Bundesrat muss noch zustimmen.

Am 20. November muss der Bundesrat zustimmen – den Gesetzesänderungen ebenso wie der Verordnung zu Sonderfahrten sowie Theorie- und Praxisprüfungen. Ob die Länder die umstrittene Laienausbildung flächendeckend zulassen, ist damit offen.

Verteidigt wurde die Reform mit einem Satz des früheren Verkehrsministers Patrick Schnieder (CDU): „Mobilität darf kein Privileg sein.“ Bezahlbar bleiben muss sie auch anderswo – das Deutschlandticket soll 2027 auf 66,90 Euro steigen.

Bis zum 20. November hängt die Reform am Bundesrat, danach an 16 Landesverordnungen. Erst dann zeigt sich, ob Fahranfänger wirklich mit Eltern oder Freunden üben dürfen – und ob der Führerschein am Ende tatsächlich billiger wird.