Elif Eralp soll Ibrahim nennen, fordert Mafia-Autor Saviano
Der Mafia-Journalist Roberto Saviano verlangt in einem offenen Brief an Berlins Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, den Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim beim Namen zu nennen. Wer einmal schweige, werde von der eigenen Angst erpressbar – ein Vorwurf, der Eralps Anspruch auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin trifft.
Wer einen Namen nicht nennt, wird nicht geschützt, sondern angreifbar – das hält Roberto Saviano der Berliner Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp entgegen. In einem offenen Brief in der ZEIT (Ausgabe 48/2026) fordert der Autor sie auf, den Palästina-Aktivisten Ibrahim Ibrahim beim Namen zu nennen.
„Liebe Elif Eralp“ – mit dieser Anrede beginnt der Brief, über den DER SPIEGEL, FOCUS und dpa am 5. November berichteten. Saviano schreibt: „In den vergangenen 20 Jahren habe ich gelernt, dass es einen nicht schützt, einen Namen nicht zu nennen. Es macht einen vielmehr angreifbar.“
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Anlass ist Eralps Sorge um ihre Familie. In internen Anmerkungen zu einem SPIEGEL-Interview wollte sie Ibrahim nicht namentlich nennen und nannte die Empfehlung des Landeskriminalamts, bei Terror- oder Organisierter-Kriminalität-Verdacht keine Namen zu nennen. Ihre Angst vor dem Palästina-Aktivisten wurde am 29. Oktober publik; die Linke prüft eine Beschwerde beim Presserat.
Saviano verlangt eine Entscheidung: entweder Ibrahim mit „offenem Visier“ verteidigen oder erklären, „dass Sie nichts mit ihm zu tun haben wollen“. Beides koste sie nichts von ihrem Einsatz für palästinensische Rechte, schreibt er – ihr Schweigen dagegen schon.
„Wenn Sie ihn für unschuldig halten, verteidigen Sie ihn mit offenem Visier, und ziehen Sie diejenigen zur Rechenschaft, die ihn öffentlich anprangern. Wenn nicht, dann sagen Sie, dass Sie nichts mit ihm zu tun haben wollen. Weder das eine noch das andere würde Ihrem Einsatz für die Rechte der Palästinenser den geringsten Abbruch tun. Ihr Schweigen schon.“
Roberto Saviano, Schriftsteller und Journalist
Saviano kennt die Lage aus eigener Erfahrung: Der 47-jährige Autor lebt seit Jahren unter Polizeischutz, weil die Camorra ihn bedroht. Ein öffentlich genannter Name sei „das Gegenteil von Isolation“, schreibt er – er mache den Benannten für Staatsanwälte, Polizisten, Journalisten und Wähler sichtbar, den Sprecher selbst zum schwereren Ziel. Darin liege der „buchstäbliche Schutz durch die Demokratie“.
Erpressbar durch die eigene Angst
Savianos Warnung zielt auf die Zeit nach einer möglichen Wahl. Wer einem droht, will, dass man den Mund hält – und wer sich des Schweigens einmal versichert hat, könne es wieder einfordern. Für ihn ist Eralps politisches Handeln damit erpressbar:
„Wer einem droht, will, dass man den Mund hält. Hat er sich Ihres Schweigens einmal versichert, weiß er, dass er es wieder tun kann. Von da an ist Ihr politisches Handeln erpressbar, und zwar nicht von einem Clan oder einem zweifelhaften Parteikollegen, sondern von Ihrer Angst.“
Roberto Saviano, Schriftsteller und Journalist
Michael Müller, ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, war Ende Oktober zu demselben Schluss gekommen: „Das würde bedeuten, dass die Regierende Bürgermeisterin erpressbar ist. Das muss man so klar sagen.“ Eralp bewirbt sich um genau dieses Amt – Müllers Warnung vor einer erpressbaren Regierungschefin fiel mitten in den Streit um ihre Äußerungen.
Entscheidung vor dem Koalitionsvertrag
Seit dem 2. November verhandeln Linke, Grüne und SPD in Berlin über eine rot-grün-rote Koalition. Am 6. November nahmen die ersten Facharbeitsgruppen ihre Arbeit auf; der Koalitionsvertrag soll Anfang Januar 2027 vorliegen. Savianos Brief fällt mitten in diese Gespräche.
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Im Brief nennt Saviano keine Frist. Seine Forderung lässt Eralp zwei Wege: Ibrahim öffentlich verteidigen oder erklären, dass sie nichts mit ihm zu tun haben will. Antwortet sie nicht, bleibt es bei seinem Befund: Ihr Schweigen schade dem Einsatz für palästinensische Rechte mehr als jede Namensnennung.