Reul will uniformierte Polizisten in Asylunterkünften einsetzen
NRW-Innenminister Herbert Reul will uniformierte Polizisten dauerhaft in Asylunterkünften postieren und 18- bis 21-Jährige häufiger nach Erwachsenenstrafrecht verurteilen. Ein Beschluss der Landesregierung liegt nicht vor.
Uniformierte Polizisten sollen nach dem Willen von Herbert Reul regelmäßig in nordrhein-westfälischen Asylunterkünften präsent sein – nicht erst, wenn es dort eskaliert. Der NRW-Innenminister will die Beamten als sichtbare Ansprechpartner und als Vertreter staatlicher Ordnung in den Heimen.
Zu lesen ist die Forderung in Reuls Interview in der Wochenzeitung DIE ZEIT, das am 4. November in Ausgabe 48/2026 erschien. Der 74-Jährige verlangt darin außerdem, 18- bis 21-jährige Täter häufiger nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen, über die Strafmündigkeit neu nachzudenken und ältere Polizisten länger im Dienst zu halten.
„Ich möchte, dass uniformierte Polizisten in Asylunterkünften tätig werden, um dort vertrauensbildend zu wirken.“
Herbert Reul, Innenminister Nordrhein-Westfalen (CDU)
Schilder reichen ihm nicht
In den Unterkünften sieht Reul vor allem ein Durchsetzungsproblem. Verbotsschilder hingen dort in mehreren Sprachen an den Wänden, sagt er – und zieht daraus eine Forderung, die über gelegentliche Kontrollen hinausgeht:
„In diesen Häusern stehen Schilder in verschiedenen Sprachen: ‚Messer verboten‘. Aber das bringt ja wenig. Die Bewohner müssen kapieren: Hier gilt das Gewaltmonopol des deutschen Staates. Auch Kleinigkeiten müssen geahndet werden.“
Herbert Reul, Innenminister Nordrhein-Westfalen (CDU)
Erwachsenenstrafrecht ab 18 Jahren
Beim Strafrecht will Reul an anderer Stelle nachschärfen. Für 18- bis 21-jährige Täter soll nicht immer Jugendstrafrecht gelten, sondern öfter Erwachsenenstrafrecht. In den 1950er-Jahren sei das anders gehandhabt worden, sagt der Minister – und liefert damit gleich eine historische Begründung mit.
Einen Schluss will Reul daraus nicht gezogen wissen: Kinder gehörten nicht ins Gefängnis. Wer aber Schlimmes tue, müsse eine Konsequenz spüren. Damit bewegt er sich auf eine Debatte zu, die andere seit Wochen deutlich schärfer führen.
Streit um die Strafmündigkeit
Reuls Vorstoß fällt in eine aufgeheizte Debatte. Am 2. November hatte er nach den Ausschreitungen bei den „Gen Z regelt“-Protesten bei neuer Gewalt mit einem Demo-Verbot gedroht. Aus der Polizeigewerkschaft kommen Forderungen nach harten Konsequenzen für die Gen-Z-Krawallmacher.
Andere treiben das Tempo weiter. Die AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag will Kinder schon ab zehn Jahren strafmündig stellen – Brandenburgs AfD-Vorstoß zur Strafmündigkeit ab zehn Jahren. Reul setzt dagegen bei 18 bis 21 Jahren an, nicht bei Kindern.
Umfrage
Lädt
Ältere Polizisten sollen auf jüngere aufpassen
Der dritte Vorstoß betrifft die Polizei selbst. Reul sorgt sich um junge Beamte, die dauerhaft in Problemvierteln eingesetzt sind – und will sie mit erfahrenen Kollegen absichern:
„Insbesondere junge Polizisten, die innerlich noch nicht stabil sind, drohen wegzurutschen, wenn sie dauernd in Problemvierteln eingesetzt sind. Deswegen möchte ich, dass bestimmte ältere Polizisten länger im Dienst bleiben dürfen. Die Alten sollen auf die Jungen aufpassen.“
Herbert Reul, Innenminister Nordrhein-Westfalen (CDU)
Kein Beschluss, kein Gesetzentwurf
Am 5. November griffen WELT und die Rheinische Post die Aussagen auf; Reuls Vorstoß zu Polizei in Asylheimen erreichte über die Agenturmeldung von dts/dpa mehrere weitere Portale.
Verbindlich ist bislang nichts. Am 6. November standen alle Vorstöße als Forderungen im Raum; ein Beschluss der NRW-Landesregierung oder ein Gesetzentwurf lag nicht vor. Offen ist damit nicht nur, ob uniformierte Beamte dauerhaft in den Unterkünften stehen. Offen ist auch, wer die zusätzlichen Einsätze bezahlt und ob Reuls Koalition beim Strafrecht mitzieht.