Gesamtmetall sieht 300.000 weitere Jobs in der Metallbranche bedroht
Bild: KI-generiert
Tarifrunde

Gesamtmetall sieht 300.000 weitere Jobs in der Metallbranche bedroht

Gesamtmetall warnt vor 300.000 weiteren Jobverlusten in der Metall- und Elektroindustrie und nennt die Fünf-Prozent-Forderung der IG Metall unverantwortlich. Bis Montag müssen die Arbeitgeber in Düsseldorf nachbessern.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall rechnet in den nächsten zwei bis drei Jahren mit 300.000 weiteren verlorenen Arbeitsplätzen in der Metall- und Elektroindustrie – rechnerisch rund 10.000 pro Monat. Hauptgeschäftsführer Oliver Zander nannte die Zahl am Mittwoch und warnte vor einem Tiefststand von nur noch 3,4 Millionen Beschäftigten.

Seit 2019 hat die Branche nach Zanders Angaben bereits 350.000 Stellen verloren, der jährliche Wertschöpfungsverlust liegt bei rund 42 Milliarden Euro. Dazu kommen nach Verbandsrechnung etwa 35 Milliarden Euro Wohlstandsverlust pro Jahr. Gesamtmetall fasst die Zahlen in einer Warnung vor dem Aus von 300.000 Jobs zusammen. Sie fällt mitten in die Tarifrunde.

350.000 Stellen sind schon weg

Der Verband begründet die Prognose mit der Unterauslastung der Betriebe: Die Kapazitäten seien nicht ausgelastet, eine Besserung nicht in Sicht. Der Abbau trifft die Branche insgesamt – Bosch streicht rund 900 Stellen in Nürnberg, VW plant den Abbau von 100.000 Stellen.

Zander fasst die Lage der Betriebe in zwei Sätzen zusammen, die als Begründung für die harte Linie der Arbeitgeber in den laufenden Verhandlungen dienen:

„Die Lage ist katastrophal. Die Unternehmen kämpfen vielfach um das Überleben, und eine Besserung ist nicht in Sicht.“
Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer Gesamtmetall

Fünf Prozent nennt Zander unverantwortlich

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt bei zwölf Monaten Laufzeit. Für Zander ist das der falsche Weg in einer Branche, die Stellen streicht. Vor der dritten Verhandlungsrunde verlangte IG-Metall-Chefin Christiane Benner ein höheres Angebot der Arbeitgeber.

„Die IG Metall-Forderung von fünf Prozent für zwölf Monate ist deshalb unverantwortlich.“
Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer Gesamtmetall

Die Arbeitgeber haben bislang wenig anzubieten: ein Prozent Einmalzahlung im Juli 2027, differenzierbar und gegebenenfalls streichbar, dazu 1,3 Prozent mehr Entgelt ab Juli 2028 – bei 26 Monaten Laufzeit. Die IG Metall wies das Paket zum Auftakt der zweiten Runde als „Minusrunde“ zurück.

In den Betrieben kommt das Angebot schlecht an. Baden-Württembergs Bezirksleiterin Barbara Resch entgegnet, Standorte würden „nicht durch Verzicht“ gesichert, die Last für Investitionen dürfe „nicht einseitig bei den Beschäftigten landen“. Jörg Köhlinger, Bezirksleiter Mitte, sagt, was auf dem Tisch liege, „sichert nicht einmal die Kaufkraft“.

Warnstreiks und eine Stunde in Ludwigsburg

Der Ton ist schon jetzt rau. Seit dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober rollen Warnstreiks: Am 4. November zählte die Gewerkschaft mehr als 100.000 Streikende in 460 Betrieben, einen Tag später rund 191.000 in fast 1.000 Betrieben. Zander hatte die Aktionen zu Beginn als nicht verantwortbar kritisiert.

Am 5. November endete die dritte Verhandlungsrunde für Baden-Württemberg in Ludwigsburg nach rund einer Stunde ohne Annäherung. Die IG Metall legte einen Lösungsvorschlag für eine befristete Tarifregelung mit verbindlichen Investitions- und Standortzusagen vor. Südwestmetall-Chef Peter Sebastian Krause nannte ihn „interessant“, sah beim Gesamtpaket aber noch große Distanz.

Warnstreikende in der Metall- und Elektroindustrie

Teilnehmende laut IG Metall, Angaben teils als Mindestwerte

Quelle: IG Metall, 2., 4. und 5. November 2026

Antwort bis Montag in Düsseldorf

Der Ball liegt nun bei den Arbeitgebern. Bis Montag, 9. November, müssen sie in Düsseldorf auf den Lösungsvorschlag antworten. Die IG Metall erwartet ein verbessertes Angebot und hat bereits angekündigt, die Warnstreiks auszuweiten, sollte es ausbleiben.

Umfrage
Lädt