Constantin Schreiber wird BSW-Wahlmann für die Bundespräsidentenwahl
Der Sächsische Landtag hat den früheren „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber zum Wahlmann gewählt. Für ihn räumte BSW-Generalsekretär Oliver Ruhnert seinen Listenplatz – die Linke ging leer aus.
Sachsens Landtag hat am Donnerstag den früheren „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber zum Wahlmann für die Wahl des Bundespräsidenten gemacht. Für den 47-Jährigen räumte der Generalsekretär der BSW-Bundespartei seinen Platz auf der Kandidatenliste.
In geheimer Wahl bestimmte das Parlament in Dresden am 5. November die 33 Wahlleute aus Sachsen für die Bundespräsidentenwahl. Mit ihnen stimmt am 30. Januar 2027 in Berlin auch ein Mann über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ab, der bis 2025 die „Tagesschau“ um 20 Uhr sprach.
Der Mann, der für Schreiber zurücktrat, ist Oliver Ruhnert, Generalsekretär der BSW-Bundespartei. Er gab seinen ursprünglichen Listenplatz vier an den Journalisten ab; dem Platzwechsel habe er zugestimmt, sagte Fraktionschef Ronny Kupke.
Kupke, der die BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag führt, begründete die Entscheidung mit dem Auftrag des Gremiums, das am 30. Januar zusammentritt.
„Bei der Bundesversammlung gehe es auch darum, die Meinungsvielfalt abzubilden. Schreiber stelle sich gesellschaftlichen Konflikten und scheue nicht vor kontroversen Debatten zurück.“
Ronny Kupke, Vorsitzender der BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag
Die Fraktion, die Schreiber aufstellt, ist zuletzt kleiner geworden: Die parteilose Leipzigerin Doreen Voigt verließ die BSW-Fraktion im Sächsischen Landtag und nannte den AfD-Kurs als Grund. Bei der Abstimmung in Dresden kam Schreiber trotzdem durch.
Vom Nachrichtensprecher zum Wahlmann
Schreiber, Jahrgang 1979 und in Cuxhaven geboren, war von 2021 bis 2025 einer der Sprecher der „Tagesschau“-Ausgabe um 20 Uhr. Der 47-Jährige wechselte im September 2025 als „Global Reporter“ zum Medienhaus Axel Springer.
Beim Springer-Verlag bleibt er nicht: Im Juli 2026 wurde bekannt, dass Schreiber das Medienhaus zum Ende des Jahres 2026 verlässt. Er kehrt ins arabische Fernsehen zurück und will zweimal monatlich „Islam Talk“ beim ägyptischen Sender Azhari TV moderieren.
Wie aus dem Nachrichtensprecher ein Wahlmann wurde
2021 – 2025
Sprecher der „Tagesschau“ um 20 Uhr
Constantin Schreiber ist einer der Sprecher der Hauptausgabe der ARD-Nachrichten.
September 2025
Wechsel zu Axel Springer
Schreiber beginnt als „Global Reporter“ beim Medienhaus.
Juli 2026
Abschied vom Medienhaus angekündigt
Er will Axel Springer Ende 2026 verlassen und ins arabische Fernsehen zurückkehren.
4. November 2026
BSW-Fraktion nominiert ihn
Schreiber steht auf Platz vier der Kandidatenliste; Generalsekretär Ruhnert räumt den Platz.
5. November 2026
Der Landtag wählt ihn
In geheimer Wahl in Dresden werden die 33 Wahlleute des Freistaats bestimmt.
30. Januar 2027
Bundesversammlung in Berlin
Die Wahlleute entscheiden über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Aris, de Maizière und eine abgelehnte Linke
Neben Schreiber schickt Sachsen die Holocaust-Überlebende Renate Aris und den früheren Bundesminister Thomas de Maizière nach Berlin, beide auf Vorschlag der CDU. Auch die Schriftstellerin Martina Hefter gehört zu den 33 Wahlleuten. Der Vorschlag der Linken für Anja Eichhorn fand im Landtag dagegen keine Mehrheit.
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Entscheidung fällt am 30. Januar
Am 30. Januar 2027 tritt die Bundesversammlung in Berlin zusammen. Dort fällt die Entscheidung über die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) beschreibt die Anforderungen an das Amt, das an diesem Tag zu besetzen ist, so: „In dieser Zeit braucht Deutschland eine Bundespräsidentin, die mit beiden Beinen im Leben steht, die nah am Volk ist. Die aber auch mit ihrem Leben gezeigt hat, dass sie verbinden kann und viel Erfahrung hat.“
Für Schreiber endet vorher ein Kapitel: Er verlässt Axel Springer zum Ende des Jahres 2026, also vor dem Treffen in Berlin. Ob der Tausch sich für die BSW auszahlt, ist offen – Ruhnert sitzt nicht in der Bundesversammlung, Schreiber schon. Abgestimmt wird am 30. Januar 2027.