Claudia Roth weist Vorwurf der Schuldrelativierung zurück
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Israel-Debatte

Claudia Roth weist Vorwurf der Schuldrelativierung zurück

Claudia Roth nennt die Vorwürfe gegen sich „absolut inakzeptabel“ – aus dem Umfeld des Zentralrats der Juden kommt dagegen der Vorwurf, sie erfinde eine „jüdische Verschwörung“, und die Forderung nach ihrem Ruhestand.

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Claudia Roth will den Vorwurf der Schuldrelativierung nicht auf sich sitzen lassen. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete sagte dem Magazin „stern“, die Unterstellungen gegen sie seien „absolut inakzeptabel“ – und dreht den Angriff gegen den Zentralrat der Juden.

Auslöser ist ihr Auftritt im Podcast „Jung & Naiv“. Dort hatte die frühere Kulturstaatsministerin ihre nachträgliche Kritik an den Regisseuren von „No Other Land“ einen „totalen Fehler“ genannt. Aus dem Umfeld des Zentralrats hieß es danach, Roth erfinde eine „jüdische Verschwörung“; sie solle „in den wohlverdienten Ruhestand gehen“.

„Ein totaler Fehler“ – der Auftritt im Podcast

Die Folge erschien am 4. November, so datiert es der Tagesspiegel. Darin sagte Roth, ihre Kritik an Yuval Abraham und Basel Adra sei falsch gewesen: „Dass ich das dann noch mal gesagt habe, war total falsch, war total blöd.“ Und: „Ja, das war ein totaler Fehler.“

Das Format ist für lange, hartnäckige Befragungen bekannt. Im August machte die kurzfristige Absage eines Jung-Interviews durch Sven Schulze deutlich, wie heikel Regierungsvertretern der Auftritt dort gilt.

Den Sinneswandel erklärte Roth mit Druck von außen – dieser eine Satz trägt den Streit:

„Es war so ein unfassbarer Druck vom Zentralrat, von unglaublich vielen Kreisen.“
Claudia Roth, Bundestagsabgeordnete der Grünen

Seit dem 5. November berichten WELT, SPIEGEL, Tagesspiegel und die dpa/FAZ über die Folge. Aus einer Selbstkorrektur ist damit ein Streit darüber geworden, wem Roth die Verantwortung für ihre eigene Kehrtwende zuschreibt.

Was 2024 auf der Berlinale geschah

Im Februar 2024 sprachen bei der Preisverleihung der Berlinale die Regisseure von „No Other Land“, Yuval Abraham und Basel Adra, sowie der US-Filmemacher Ben Russell von „Apartheid“ und „Genozid“. Roth applaudierte im Saal. Ein Monat später sagte sie dem „Spiegel“, der Apartheid-Vorwurf sei „sehr problematisch“, Adras Rede „erschreckend einseitig“.

Der Streit reicht weiter zurück als die diesjährige Podcast-Folge.

Von der documenta bis zur Forderung nach dem Ruhestand

  1. 2022
    Antisemitismus-Skandal auf der documenta fifteen

    In Kassel sorgt das Banner „People's Justice“ von Taring Padi für Empörung. Roth distanziert sich, Generaldirektorin Sabine Schormann tritt zurück.

  2. Februar 2024
    Berlinale-Preisverleihung

    Abraham, Adra und Ben Russell sprechen von „Apartheid“ und „Genozid“; Roth applaudiert im Saal.

  3. März 2024
    Roth kritisiert die Filmemacher im „Spiegel“

    Sie nennt den Apartheid-Vorwurf „sehr problematisch“ und Adras Rede „erschreckend einseitig“.

  4. 2024
    Ausgepfiffen bei der Jewrovision

    Bei der vom Zentralrat der Juden veranstalteten Jewrovision in Hannover wird Roth nach eigener Darstellung „gezielt und kampagnenmäßig ausgepfiffen“.

  5. 4. November 2026
    Die Podcast-Folge erscheint

    Bei „Jung & Naiv“ nennt Roth ihre damalige Kritik einen „totalen Fehler“ und spricht von „unfassbarem Druck vom Zentralrat“.

  6. 5. November 2026
    WELT, SPIEGEL, Tagesspiegel und dpa berichten

    Volker Beck wirft Roth „klassische deutsche Schuldabwehr“ vor.

  7. 6. November 2026
    Der Zentralrat reagiert – und Roth wehrt sich

    Aus dem Umfeld des Zentralrats heißt es, Roth erfinde eine „jüdische Verschwörung“; im „stern“ nennt sie die Vorwürfe „absolut inakzeptabel“.

Der Zentralrat fordert den Ruhestand

Aus dem Umfeld des Zentralrats der Juden hieß es am 6. November, Roth sei „im Kampf gegen die politische Bedeutungslosigkeit anscheinend jedes Mittel recht“ – bis hin zur „Erfindung einer jüdischen Verschwörung“. Es sei Zeit für sie, „in den wohlverdienten Ruhestand zu gehen“, wie die Reaktion des Zentralrats auf den Eklat um Roth festhält.

Roth hält dagegen: Sie habe ausländische Freunde lediglich zitiert, die gefragt hätten, wann sie sich „endlich von dieser Schuld der Geschichte“ befreie. Diese Sätze habe sie sich „nicht zu eigen gemacht“, sagte sie dem „stern“ – der Bericht zur Zurückweisung der Schuldrelativierungs-Vorwürfe gibt ihre Verteidigung wieder.

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Volker Beck sieht „klassische deutsche Schuldabwehr“

Der schärfste Vorwurf in dieser Debatte kommt von Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Er wirft Roth vor, sie mache sich die umstrittenen Parolen inzwischen selbst zu eigen und schiebe alle früheren Aussagen auf ihre Überforderung:

„Alle Diabolisierungslabels gegen Israel – Genozid und Apartheid – macht sich Claudia Roth nun zu eigen. Alle anderslautenden Äußerungen, die sie zuvor zu dem Thema gemacht hat, schiebt sie auf ihre eigene Überforderung.“
Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft

Roth verweist dagegen auf ihr politisches Lebenswerk: „Die Aufarbeitung der Verbrechen der deutschen Geschichte und die immerwährende Verantwortung, die daraus erwächst, sind schon mein ganzes politisches Leben lang eines meiner wichtigsten Anliegen.“ Der Satz steht im „stern“ als Antwort auf den Vorwurf, sie relativiere Schuld.

Offen ist, ob der Zentralrat seine Forderung nach dem Ruhestand förmlich erneuert – und wie die Grünen-Fraktion darauf reagiert, für die Roth als entwicklungspolitische Sprecherin arbeitet.