Medienanstalt verlangt Änderung an Höcke-Podcast – Berndt schreit »Zensur«
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Medienanstalt verlangt Änderung an Höcke-Podcast – Berndt schreit »Zensur«

Die Landesanstalt für Medien NRW will, dass Podcaster Ben Berndt sein Millionen-Interview mit Björn Höcke nachträglich bearbeitet. Berndt weigert sich und spricht von staatlicher Zensur.

Behördliche Forderung nach Faktencheck

Ein millionenfach gehörtes Podcast-Interview mit dem Thüringer AfD-Chef Björn Höcke hat ein behördliches Nachspiel. Die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) fordert Podcaster Benjamin Berndt auf, eine Passage seines über vierstündigen Gesprächs in der Sendung »ungeskriptet« nachträglich journalistisch einzuordnen. Berndt sieht darin einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und spricht von Zensur.

Konkret geht es um Höckes Schilderung seiner Strafverfahren wegen der Verwendung der verbotenen SA-Parole »Alles für Deutschland«. Die Medienanstalt moniert, die Passage verstoße gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Berndt soll den auf YouTube und anderen Plattformen veröffentlichten Beitrag bis zum 30. Juni 2026 um eine erläuternde Einordnung ergänzen, wie aus einem Schreiben der LfM-Rechtsabteilung vom 15. Juni hervorgeht. Zuvor hatte t-online über den Vorgang berichtet.

Berndt schaltet Anwalt ein

Der Podcaster reagierte empört. In einem auf X veröffentlichten Video warf er der Behörde vor, ihn zensieren zu wollen. Er kündigte an, sich der Aufforderung nicht zu beugen, und beauftragte den Medienanwalt Joachim Steinhöfel mit der Vertretung. Sein Format sei bewusst »roh, ungeschnitten und unzensiert« und verstehe sich nicht als journalistisches Produkt. »Wenn ich mich unterwerfe, zensieren sich Tausende andere Podcaster selbst«, warnte Berndt.

Die LfM weist den Zensurvorwurf zurück. Justiziarin Laura Braam erklärte, die Behörde kontrolliere lediglich die Einhaltung der für Telemedien geltenden Standards des Medienstaatsvertrags. Ein formelles Verfahren sei noch nicht eingeleitet; die Aufforderung diene zunächst der Klärung.

Sechs Millionen Aufrufe und breite Debatte

Die Ende April veröffentlichte Folge wurde laut Medienberichten über sechs Millionen Mal aufgerufen und löste eine heftige Debatte aus. Kritiker warfen Berndt vor, Höcke unkritisch und ohne Einordnung sprechen zu lassen. Die frühere SPD-Vorsitzende Saskia Esken rief öffentlich zum Boykott des Podcasts auf. Berndt musste die Folge bereits einmal ändern, nachdem sich die frühere AfD-Chefin Frauke Petry über falsche Tatsachenbehauptungen beschwert hatte.

Der Fall reiht sich ein in ähnliche Auseinandersetzungen – etwa mit dem Portal »Nius« um Julian Reichelt, das gegen eine Anordnung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg klagt. Für Berndt steht viel auf dem Spiel: Sollte er der Aufforderung nicht nachkommen, droht ein formelles Aufsichtsverfahren.

Der Staat will mich zensieren. Da habt ihr euch den Falschen ausgesucht.
Ben Berndt

Ob Berndts Weigerung eine Welle der Solidarität oder behördliche Konsequenzen auslöst, bleibt offen. Klar ist: Der Konflikt zwischen freier Podcast-Szene und staatlicher Medienaufsicht dürfte sich zuspitzen.

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