PolitParade trotzt Extremhitze
37,5 Grad im Schatten – der CSD München 2026 stellte Teilnehmer und Zuschauer am Samstag auf eine harte Probe. Dennoch zogen mehr als 200 Gruppen ab Mittag in der farbenfrohen „PolitParade“ durch die Innenstadt. Laut Polizei und Veranstalter beteiligten sich rund 30.000 Menschen aktiv am Umzug, während etwa 200.000 Schaulustige die Straßen säumten. Die Route führte baustellenbedingt von der Erhardtstraße über Fraunhoferstraße, Müllerstraße, Blumenstraße, den Sendlinger-Tor-Platz, die Sonnenstraße und den Stachus bis zur neuen „PrideMeile“ auf der Ludwigstraße.
Die Veranstalter hatten wegen der außergewöhnlichen Temperaturen Trinkwasserspender und Wassersprühstationen aufgestellt. Conrad Breyer, Pressereferent des CSD München, sagte: „Trotz der hohen Temperaturen sei die Stimmung sehr gut und respektvoll gewesen. Da haben alle aufeinander geachtet.“ Anders als in einigen Städten, wo Pride-Paraden hitzebedingt abgesagt wurden, hielt München an der Veranstaltung fest. Breyer erklärte: „Wir tun das für die Community. Und die freuen sich da ein Jahr drauf. Und wir haben auch alle ein Jahr lang dieses Event vorbereitet. Das könnten wir unmöglich absagen.“ Die Polizei sprach von einem ruhigen und friedlichen Verlauf; lediglich einige Kreislaufprobleme wurden gemeldet.
„Wir tun das für die Community. Und die freuen sich da ein Jahr drauf. Und wir haben auch alle ein Jahr lang dieses Event vorbereitet. Das könnten wir unmöglich absagen.“Conrad Breyer, Pressereferent CSD München
Politische Signale inmitten wachsender Queerfeindlichkeit
Erstmals führte der neue Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) die Parade als Schirmherr an. In seinem Grußwort rief er zu Zusammenhalt auf: „Die Angriffe auf Einzelne sind Angriffe auf alle.“ Die Stadt München werde ihre vielfältige und solidarische Stadtgesellschaft „mit allem Nachdruck verteidigen“.
„Die Angriffe auf Einzelne sind Angriffe auf alle.“Dominik Krause, Oberbürgermeister München (Grüne)
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nutzte den CSD für eine politische Botschaft. Auf der Plattform X schrieb er: „Bayern ist weltoffen und tolerant. Im Freistaat kann jeder leben und lieben, wie er möchte – das ist die Liberalitas Bavariae.“ Dieses Statement überraschte angesichts der traditionell konservativen Positionierung der CSU.
„Bayern ist weltoffen und tolerant. Im Freistaat kann jeder leben und lieben, wie er möchte – das ist die Liberalitas Bavariae.“Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident (CSU), auf X
Der CSD verstand sich auch als Gegengewicht zu zunehmenden queerfeindlichen Vorfällen. Laut der Beratungsstelle „Strong!“ stieg deren Zahl in Bayern im vergangenen Jahr von 289 auf 413. Die sechs zentralen politischen Forderungen des CSD München 2026 reichten vom Schutz queerer Menschen vor Diskriminierung über die Anpassung des Abstammungsrechts bis zur Verabschiedung eines queeren Aktionsplans in Bayern.
Neue PrideMeile und Ausblick
Erstmals wurde das Straßenfest als dreitägige „PrideMeile“ auf der Ludwigstraße zwischen Odeonsplatz und Siegestor ausgerichtet. Mit fünf Bühnen, 93 Infoständen, Shows, Food Court und Community-Areas lockte es tausende Besucher an. Höhepunkt am Freitagabend war ein Auftritt von Conchita Wurst. Die Pride Weeks in München umfassten über 100 Veranstaltungen und endeten erst am 28. Juni, dem Jahrestag der Stonewall-Aufstände.
Die Veranstalter werteten das gesamte Wochenende als vollen Erfolg. Ob die politischen Bekenntnisse von Spitzenpolitikern in konkretes Handeln münden, bleibt jedoch die entscheidende Frage.





