Nach Messerangriff: Protestanten und Katholiken vereint gegen Migranten
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PanoramaBelfast

Nach Messerangriff: Protestanten und Katholiken vereint gegen Migranten

Ein 30-jähriger Sudanees sticht in Belfast einen Iren nieder. Die Tat entfacht beispiellose Gewalt – und eine seltene Allianz: In den Straßen machen radikale Protestanten und Katholiken gemeinsam Jagd auf Migranten.

Die Messerattacke

Es sind Bilder, die an die dunkelsten Tage Belfasts erinnern: brennende Autos, vermummte Männer, die Häuser stürmen, Molotowcocktails auf Polizisten. Doch diesmal kämpfen sie nicht gegeneinander – sondern gemeinsam gegen Migranten. Auslöser ist ein brutaler Messerangriff, der die tief gespaltene Stadt in eine neue Eskalation treibt.

Am Abend des 8. Juni 2026 sticht ein 30-jähriger Sudanees im Norden Belfasts auf den Iren Stephen Ogilvie ein. Der Angreifer, Hadi Alodid, verletzt den 40-Jährigen durch Stiche ins Gesicht und in den Hals so schwer, dass dieser sein linkes Auge verliert und in Lebensgefahr schwebt. Passanten greifen ein, entreißen dem Täter das Messer und halten ihn fest, bis die Polizei eintrifft. Diese Zivilcourage wird später von Nordirland-Minister Hilary Benn als „das Beste der Menschlichkeit“ gewürdigt.

Wir gehen davon aus, dass ein Video des Angriffs in sozialen Medien die Wut noch weiter angefacht hat.
Ein Polizeisprecher in Belfast

Die Nacht der Ausschreitungen

Nur einen Tag später, am 9. Juni, entlädt sich der Zorn. Hunderte strömen in den Straßen Belfasts zusammen. Vermummte setzen Häuser, Fahrzeuge und einen Stadtbus in Brand, Molotowcocktails fliegen auf Polizeiwagen. Anwohner berichten von Männern, die Türen eintreten, während Familien fliehen. Die Gewalt erfasst sowohl protestantische als auch katholische Viertel – eine seltene Einigkeit in der von Jahrzehnten des Bürgerkriegs gezeichneten Stadt.

Anders als bei den berüchtigten Unruhen zwischen Loyalisten und Republikanern richtet sich die Wut diesmal gegen ein gemeinsames Ziel: Migranten und ihre Unterkünfte. Radikale Gruppen aus beiden Lagern mobilisieren über soziale Medien und machen Jagd auf alles, was sie mit dem Täter verbinden – einen sudanesischen Asylbewerber.

Politische Reaktionen

Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilt die „krasse“ Gewalt und ruft zur Besonnenheit auf. Gleichzeitig gerät die Asylpolitik seiner Regierung unter Druck. Kritiker fordern eine sofortige Verschärfung der Einwanderungsgesetze, während Menschenrechtsorganisationen vor einer Stimmungsmache warnen, die ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht stellt.

Die Proteste weiten sich auf andere Städte aus – darunter Glasgow, Edinburgh und Southampton. Die Polizei von Nordirland kündigt eine „robuste“ Antwort an und verstärkt die Präsenz. Doch die Frage, wie eine Gesellschaft, deren tiefste Gräben plötzlich zugeschüttet scheinen, mit dieser neuen Form der Einigkeit umgehen soll, bleibt offen.

Der Tatverdächtige, dem versuchter Mord vorgeworfen wird, erscheint am 10. Juni vor Gericht. Das Opfer ringt weiter um sein Augenlicht. Und Belfast zählt die Schäden einer Nacht, die vielleicht erst der Anfang war.

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