83,5 Millionen Einwohner – Bevölkerungszahl erstmals seit 2020 gesunken
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PanoramaDemografischer Wandel

83,5 Millionen Einwohner – Bevölkerungszahl erstmals seit 2020 gesunken

Deutschland schrumpft: 2025 sank die Einwohnerzahl um 110.000, Geburten erreichten einen historischen Tiefstand und die Nettozuwanderung brach ein. Die Alterung beschleunigt sich – mit Folgen für Wirtschaft und Sozialsysteme.

Einwohnerzahl sinkt erstmals seit fünf Jahren

Deutschlands Bevölkerung ist 2025 erstmals seit dem Pandemiejahr 2020 wieder geschrumpft. Zum Jahresende lebten 83,5 Millionen Menschen im Land – 110.000 oder 0,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, meldet das Statistische Bundesamt. Von 2011 bis 2023 war die Einwohnerzahl mit nur einer Unterbrechung kontinuierlich gewachsen, doch 2025 brach der Trend.

Zwei Entwicklungen sind für den Rückgang verantwortlich: ein erneut gestiegenes Geburtendefizit und eine stark gesunkene Nettozuwanderung. Etwa 650.000 Geburten standen rund einer Million Sterbefälle gegenüber – die Lücke von 352.000 konnte durch den Wanderungssaldo von nur 235.000 nicht mehr geschlossen werden. 2024 hatte der Saldo noch 430.000 betragen.

Geburten auf Nachkriegstief

Die Zahl der Neugeborenen fiel auf den niedrigsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach vorläufigen Angaben wurden 654.300 Kinder geboren – ein Minus von 3,4 Prozent gegenüber 2024 und der vierte Rückgang in Folge. Die zusammengefasste Geburtenziffer sank auf schätzungsweise 1,31 Kinder je Frau; nötig wären rund 2,1, um die Bevölkerungsgröße ohne Zuwanderung zu halten.

Familienverbände sehen den Grund für den Einbruch in jahrelanger struktureller Benachteiligung. Der Deutsche Familienverband sprach von einer „dramatischen Weckruf-Situation“ und verwies auf finanzielle Belastungen und fehlende Betreuung. Der Katholische Familienbund nannte Zukunftssorgen als Ursache.

Zuwanderung kann Lücke nicht mehr stopfen

Die Nettozuwanderung ging 2025 drastisch zurück – hauptsächlich wegen geringerer Migration aus den Hauptherkunftsländern von Asylsuchenden und einer rückläufigen Zuwanderung aus der EU. Der Wanderungsüberschuss aus Syrien sank um 67 Prozent auf rund 25.000, auch aus Afghanistan und der Türkei kamen deutlich weniger Menschen. Gegenüber den EU-Staaten wies Deutschland einen negativen Saldo von -54.000 Personen auf.

Ostdeutschland am stärksten betroffen

Regional fiel das Minus im Osten mit -0,5 Prozent stärker aus als im Westen (-0,1 Prozent). Den prozentual stärksten Rückgang verzeichnete Thüringen mit -1,0 Prozent auf 2,08 Millionen Einwohner. Einzige Zugewinne gab es in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Auch bei den Geburten war der Einbruch im Osten mit -4,5 Prozent ausgeprägter als im Westen (-3,2 Prozent).

Gleichzeitig setzte sich die Alterung fort: Die Zahl der Über-60-Jährigen stieg um 387.000, ihr Anteil an der Bevölkerung kletterte auf 31 Prozent. Vor allem die 60- bis 79-Jährigen legten zu – ein Effekt der Babyboomer-Jahrgänge. Dagegen sank die Zahl der Hochbetagten über 80, die den geburtenschwachen Jahrgängen um das Kriegsende angehören, um 151.000 Personen.

Langfristig zeichnet die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung ein düsteres Bild: Je nach Annahmen könnte die Bevölkerung bis 2070 um rund zehn Prozent schrumpfen, ein Viertel der Menschen wäre 67 oder älter. Das ifo Institut warnte, dass die Schätzung durch Zensus-Korrekturen und niedrigere Zuwanderungsannahmen drastisch unter früheren Prognosen liegt. Die Frage, wie Deutschland den demografischen Wandel abfedern will, bleibt offen.

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